Nach Hass-Kommentaren und rechter Hetze : "Fridays for Hubraum" offline – Trittbrettfahrer nutzen Zwangspause

Unter 'Fridays for Hubraum' versammeln sich vor allem Autoliebhaber.
Unter "Fridays for Hubraum" versammeln sich vor allem Autoliebhaber.

Die Mitglieder von "Fridays for Hubraum" machen sich gegen eine CO2-Steuer und Fahrverbote stark.

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25. September 2019, 11:27 Uhr

Hamburg | Auf Facebook gibt es eine Gegenbewegung zur in Deutschland immer größer werdenden Fridays for Future-Gemeinschaft. Vor allem Autofahrer sehen sich durch die Klimaaktivisten bedroht und sorgen sich, sich bald vielleicht nicht mehr so frei hinter das Steuer setzen zu können wie bisher.

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Die Gegner der Jugendbewegung finden sich nun in der Gruppe "Fridays for Hubraum" zusammen, die seit dem 22. September existiert. Ihr selbst gestecktes Ziel: Mehr "Gefällt mir"-Angaben als die offizielle Seite von "Fridays for Future Deutschland" zu bekommen. "Wir sind mehr! Diese Gruppe möchte dem überhand nehmenden Klima-Wahn mit Spaß entgegentreten", heißt es zur Erklärung. Und weiter: "Klimawandel gibt es schon seit bestehen der Erdgeschichte. Wir können in Deutschland nicht auf Kosten von tausenden Arbeitsplätzen die Welt retten. Die Umwelt sollte aber jeder so gut er kann schützen. "Steuerzahler würden ausgenommen, alternative Antriebe keine Option, so der Tenor.

Hass-Kommentare gegen Greta

Nach Informationen der Betreiber finden sich in "Fridays for Hubraum" vor allem PS-Freunde aus ganz Deutschland zusammen. Den Profilen der Administratoren ist zu entnehmen, dass sie in der Automobilbranche arbeiten. Die Betreiber distanzieren sich zwar klar von rechten Gesinnungen, Hassreden, Rassismus und sexistischen Inhalten. Trotzdem finden sich in der Gruppe sowohl rechtslastige Kommentare als auch zahlreiche Hasskommentare gegen Greta Thunberg. Diese reichen von Spott und Häme über massive Beleidigungen bis hin zu Sprüchen wie "Was kostet eigentlich so ein Auftragsmord?". Administrator Chris Grau schreibt dazu: "Natürlich gibt es hier fragwürdige Beiträge. Diese werden bereits aussortiert oder nicht freigegeben." Und er bittet darum, der "Klimahysterie" mit "vernünftigen Ansätzen" zu begegnen.

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Gegen Fahrverbote und Umweltzonen

Tatsächlich haben sich in "Fridays for Hubraum" innerhalb kürzester Zeit über 273.590 Mitglieder versammelt, während "Fridays for Future Deutschland" mehr 75.100 "Gefällt mir"-Angaben bekommen hat. "Gestartet ist dieses Projekt eigentlich als Schnapsidee und es ist der absolute Wahnsinn, was daraus wird", heißt es in einem Beitrag von "Fridays for Hubraum", in dem sich der Administrator über den Ansturm freut. Klar gestellt wird darin auch: "Wir wollen unsere Autos weiter fahren. So wie wir das möchten. Ohne CO2 Steuer, Fahrverboten, Umweltzonen oder sonstigen kopflosen Entscheidungen." Trotzdem scheint noch Unklarheit über eine gemeinsame Leitlinie zu herrschen.

Gruppe wegen der Hasskommentare vorübergehend offline

Update am Mittwoch, den 25.9.2019 um 19.20: Die geschlossene Gruppe ist nicht mehr aufrufbar. Der Grund seien unter anderem die massiven Anfeindungen gegen Greta Thunberg sowie rechtes Gedankengut, so Administrator Chris Grau. In einem Posting in der Gruppe kündigte er am Mittwochabend an, "Fridays for Hubraum" vorerst archivieren zu wollen, und erklärte, alle Anfragen und Postings würden ab sofort kontrolliert werden. Erst danach wolle er die Gruppe wieder freischalten. Weiter schreibt Grau: Kanalisiert eure Wut doch bitte nicht auf ein 16-jähriges Mädchen, was soll sowas? Und rechte Hetze geht gar nicht."

In einem später veröffentlichten Video geht Chris Grau noch einmal ins Detail und sagt: "Das Chaos in der Gruppe muss aufhören. Die Kommentare gehen gar nicht. Mit rechter Hetze will keiner von uns was zu tun haben."

Weitere Gruppen werden gebildet

Obwohl die ursprüngliche Gruppe archiviert ist, wurden schon nach kürzester Zeit andere Facebook-Gruppen wie "Fridays for Future Deutschland" oder "Fridays for Future Nord" gegründet. Auch eine Facebook-Fanpage mit 24.000 Abonnenten existiert. Deren Betreiber geben an, dass sie "nicht in direkter Verbindung mit der Gruppe" stehe.

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