Eli Roth: Von "Hostel" zum Kinderfilm : Was taugt der Film "Das Haus der geheimnisvollen Uhren"?

Das Haus der geheimnisvollen Uhren: Cate Blanchett, Jack Black, Owen Vaccaro. Foto: Quantrell D. Colbert/Universal
Das Haus der geheimnisvollen Uhren: Cate Blanchett, Jack Black, Owen Vaccaro. Foto: Quantrell D. Colbert/Universal

Vom Horror- zum Kinderkino: Eli Roth verfilmt "Das Haus der geheimnisvollen Uhren" mit Jack Black und Cate Blanchett.

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18. September 2018, 16:53 Uhr

Berlin | Er drehte die sadistischen "Hostel"-Filme und mordete in Tarantinos "Inglourious Basterds" als "Bärenjude": Nun wechselt Eli Roth das Genre und wechselt vom Horror- ins Kinderkino. Mit Cate Blanchett und Jack Black verfilmte er "Das Haus der geheimnisvollen Uhren", am 20. September kommt der Film ins Kino.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren: Worum geht's?

Michigan, 1955: Nach dem Tod seiner Eltern zieht der zehnjährige Lewis zu seinem Onkel Jonathan in die Kleinstadt New Zebedee. Der exzentrische Kauz serviert Schokokekse als Hauptmahlzeit, schleicht nachts allerdings auch mit der Axt durch sein Spukhaus, in dem Hunderte Uhren ticken. Wo ist Lewis hier nur gelandet: auf einem Abenteuerspielplatz oder in der Hölle? Schnell stellt sich heraus, dass an beidem was dran ist: Das Haus ist tatsächlich ein Hort der schwarzen Magie, für die allerdings der Vorbesitzer Isaac Izard verantwortlich ist. Der Onkel – und auch die Nachbarin Florence – sind gute Magier, die sich dem Fluch entgegenstellen. Lewis wird der Schlüssel zu ihrem Erfolg. (Outing durch den Autor: Ernie und Bert sind ein Paar)

Blanchett, Black: Kinderfilm mit Top-Ensemble

1973 schrieb John Bellairs mit „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ den ersten von zwölf schaurigen Jugend-Romanen. Die Verfilmung trägt eine ganze Truppe von Klasseschauspielern, allen voran Cate Blanchett, die ihre Florence als wunderbar resolute Hexenmeisterin spielt und sich mit Jack Black, dem Onkel, kindgerechte Screwball-Wortgefechte liefert. Als finstere Macht geistert „Twin Peaks“-Star Kyle MacLachlan durch die Geschichte, der Kinderstar ist Owen Vaccaro aus den „Daddy’s Home“-Filmen.

Als wahrer Hauptdarsteller erweist sich allerdings die Ausstattung, zu der nicht nur Hunderte Uhren gehören, sondern auch eine Armada automatischer Grusel-Puppen, ein lebendiger Sessel und Bücher, die ihre Leser wie Hitchcocks Vögel im Schwarm attackieren. Rückblenden in den Weltkrieg, ein sadistischer Untoter und die Verwandlung von Onkel Jonathan in ein Baby mit Jack Blacks bärtigem Riesenkopf gehören zu den verstörenderen Momenten. Sie erklären, warum die US-Jugendschützer Kinder hier nicht ohne Eltern ins Kino lassen.

Eignet sich Eli Roth für den Kinderfilm?

Wer den Namen des Regisseurs kennt, käme eh nicht auf so eine Idee: Inszeniert wurde die verspielte Zauberstunde von Eli Roth, dem Mann hinter dem zynischen Horror der „Hostel“-Reihe. Sein Wechsel in den stimmungsvollen Schauer des Kinderkinos fällt nun etwas ambivalent aus. Dramaturgisch bleiben die Episoden um Lewis’ Schulerlebnisse und Mobbing-Nöte angeklatscht; und inhaltlich nimmt der Film sich – genau wie sein allzu mutig experimentierender Zauberschüler – ein bisschen zu viel vor: Es geht Selbstfindung und Verlust, um Trauer als Chance, um Zeit, um Sprache und am Ende sogar um den Gedanken, dass die Menschheitsgeschichte im Ganzen womöglich ein Fehler war. In immer neuen Anläufen umkreist der Film die ganz großen Fragen – und beantwortet sie in Spruchweisheiten wie dem Bekenntnis zur Einzigartigkeit jedes Menschen. Den Sog für elf Fortsetzungen, den das Buch offenbar entfaltet hat, spürt man hier nicht. (Batmans Erzfeind: So sieht Joaquin Phoenix als Joker aus)

„Das Haus der geheimnisvollen Uhren“. USA 2018. R: Eli Roth. D: Jack Black, Cate Blanchett, Owen Vaccaro. 105 Minuten, ab 6 Jahren.

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