Auf Tuchfühlung mit dem Trendtier des Jahres : Warum Alpakas die besseren Einhörner sind

So sieht es mitten im Alpaka-Gehege aus.

So sieht es mitten im Alpaka-Gehege aus.

Sie sind flauschig, neugierig und einfach überall: Alpakas. Wir haben überprüft, was es mit dem Trendtier auf sich hat.

von
24. Oktober 2018, 01:00 Uhr

Hamburg | Die Alpakas beobachten uns in ihrem Gehege ganz genau. Neugierig recken sie ihre Köpfe über den Zaun. Die mutigsten unter ihnen kommen angetrabt. Sie schnauben, schnüffeln, stupsen. Alpaka „Cremchen“ ist besonders zutraulich und lässt sich sofort von uns streicheln.

Ungebeten scheint unser Besuch auf dem Alpakahof im Süden Schleswig-Holsteins nicht zu sein. Ganz im Gegenteil suchen die neuen Lieblinge des Internets unsere Nähe, schnuppern und schauen neugierig durch ihre großen Augen. Wir verstehen schnell, weshalb das Einhorn vom Alpaka als Trendtier abgelöst worden ist.

Zu Besuch im Alpaka-Gehege

Seit einiger Zeit bieten immer mehr Bauernhöfe sogenannte Alpaka-Spaziergänge an. Die meisten davon sind innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Auch der Hof Wiedwisch in der Nähe von Pinneberg im Süden Schleswig-Holsteins veranstaltet solche Spaziergänge. Der Hof beheimatet schon seit sieben Jahren Alpakas. Man rennt dort also keinem neumodischen Trend nach.

Bis vor einem Jahr dienten die Alpakas lediglich zur Gewinnung ihrer überaus dichten und weichen Wolle, die im Vergleich zur Schafwolle wärmer und feiner ist. Der Alpaka-Spaziergang inklusive Kaffeeklatsch ist die Folge der großen Nachfrage, erklärt Hofbetreiber Carl Rusch.

Foto: Kira Oster
Foto: Kira Oster

Wo kommt das Alpaka her?

Auf dem Hof in Kummerfeld lebt eine Herde von 35 Tieren. Die norddeutschen Temperaturen sind für die Vierbeiner südamerikanischen Ursprungs kein Problem. Im Gegenteil: In ihrer Heimat den Anden herrscht ein ähnliches Klima.

 

Mit dem Alpaka-Aufkommen in Peru kann sich Deutschland zwar nicht vergleichen, aber auch hierzulande werden die flauschigen Zeitgenossen immer beliebter. Weil in Deutschland aber keine Registrierungspflicht für Alpakas besteht, kann die tatsächliche Anzahl nur geschätzt werden. So rechnet Fritz-Jürgen Hieke, Präsident des Alpakazuchtverbands, damit, dass aktuell 17.-20.000 Alpakas in Deutschland leben. 

Vor zehn Jahren seien es lediglich 5000 gewesen, sagt Hieke und prognostiziert einen exponentiellen Anstieg in den kommenden Jahren: "In diesem Jahr wird die Population mindestens um 5000 Tiere wachsen." Grund dafür ist die Alpaka-Wolle, dessen Fasern als qualitativ sehr hochwertig gelten. 

Das Alpaka ist Trendtier 2018

Erst waren es Katzen, dann Einhörner und jetzt Alpakas – die flauschigen Tiere aus der Familie der Kamele sind in sozialen Netzwerken allgegenwärtig. Und längst zur neuen Ikone des Internets avanciert. Ein paar Beispiele: Unter dem Hashtag #alpaca gibt es mehr als eine Million Beiträge auf Instagram. Allein der Account von Alpaka Chewy hat als @chew_paca mehr als 250.000 Follower.

Und während die Tiere manchmal spucken, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihre Dominanz zum Ausdruck bringen wollen, spuckt uns Google 45 Millionen Ergebnisse zu unserer "Alpaca"-Suche aus. Unser Lieblingsfund aus dem Netz: Alpakas mit unglaublichen Frisuren. Egal, ob man gerade einen schlechten Tag hat oder einfach nur Ablenkung braucht, diese Alpakafotos helfen. Wirklich.

Insta-Aplapak.JPG
 


Merkwürdige Frisuren, Flausch-Faktor, Knopfaugen und eine kleine Portion Skurrilität durch den Überbiss - all das kommt also beim Alpaka zusammen. Doch die Vierbeiner erfüllen noch eine weitere wichtige Voraussetzung eines Internetstars: Sie fühlen sich vor der Kamera wohl. Zumindest bei unserem Besuch auf dem Alpaka-Hof haben sie sich immer wieder selbstbewusst vor die Linse geschoben.

Foto: Kira Oster
Foto: Kira Oster


Eine wissenschaftliche Erklärung für den Hype

Alpakas funktionieren nicht nur gut im Netz. Auch Produkte wie Shampoos, T-Shirts oder Kekse lassen sich damit gut verkaufen. Aber gibt es eine wissenschaftliche Erklärung dafür? Wir haben nachgefragt bei Bernhard Heinzlmaier, er ist Sozialwissenschaftler speziell in der Jugendforschung. Er sagt, dass die Hinwendung zum Tier besonders in Zeiten zu beobachten sei, in denen sich Gesellschaften in Umbruchphasen befinden. „In solchen Perioden der Instabilität, wird das ‚verlässliche und treue’ Tier besonders geschätzt. Man hat das Gefühl, dem Tier mehr vertrauen zu können als dem Menschen."

Insbesondere exzentrische Tiere wie Einhörner oder Flamingos seien Symbole für ein anderes Leben, das man sich ganz intensiv wünscht. Heinzlmaier: “Menschen, die das Gefühl haben, sich nicht so verwirklichen zu können, flüchten sich in Traumwelten." Der Wissenschaftler wagt sogar eine Trendprognose: Der Elefanten soll der nächste Internetstar werden. “Der Einfluss der buddhistischen Weisheit wird über Mindstyle-Magazine stärker werden. Der Elefant ist das wichtigste Symboltier des Buddhismus. Er steht für Glück, Stärke, Fleiß und Intelligenz.“

Tiere als Therapeuten
Neben ihrer Eignung zum Internetstar bieten Alpakas auch weitere Vorzüge. Durch ihr friedliches Wesen taugen sie nämlich zum Therapie-Tier, wie diverse Experten meinen. Und nach unserem Selbstversuch kann diese Aussage nur bestätigt werden: Sie sind nicht aufdringlich, aber nahbar, lassen sich streicheln und haben eine extrem ruhige Ausstrahlung sowie einen äußerst anmutigen Gang.


Ehrlicher Weise bringen einen Alpakas aber einfach schon aufgrund ihres Aussehens immer zu Lachen. Der markante Überbiss, die lustige "Frisur", das wuschelig-flauschige Fell, die aufgestellten Ohren und die Knopfaugen sind sehr amüsant anzusehen. Versuchen Sie bei folgendem Video doch mal nicht zu lachen:

"Ein absoluter Gänsehautmoment"

Diese Beobachtung können auch die Mitarbeiter des Kinderkrankenhauses "Lufthafen" in Hamburg-Altona bestätigen, die drei bis vier Mal im Jahr zu Besuch mit schwerkranken Kindern auf dem Hof Wiedwisch sind: "Bei allen Kindern, die bei den Ausflügen zum Hof Wiedwisch dabei waren, hat man gesehen, dass etwas bei ihnen passiert", erinnert sich ein Betreuer.

An eine besondere Situation kann sich auch Carl Rusch erinnern: "Ich setzte diesem kleinen Mädchen, das im Rollstuhl saß, beatmet werden musste und von dem selbst die Pflegerinnen nicht wussten, ob es überhaupt etwas von der Umwelt mitbekommt, ein Alpaka-Baby auf den Schoß und legte ihre Hand darauf. Da fing das Mädchen an zu grinsen – das war ein absoluter Gänsehautmoment."

Unser Fazit: Sie sind Internetstars, Wolllieferanten, therapeutische Begleiter und haben einen hohen Flausch-Faktor - Alpakas sind richtige Allrounder und nicht umsonst das Trendtier der Stunde. Vor allem aber gibt es sie tatsächlich. Allein wegen ihres Einsatzes in Therapien macht sie das schon zu den besseren Einhörnern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert