Zerstörung der Amazonasregion : 70.000 Waldbrände in Brasilien: Bolsonaro beschuldigt Umweltschützer

Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet zerstören Brasiliens grüne Lunge.
Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet zerstören Brasiliens grüne Lunge.

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Präsident Jair Bolsonaro vermutet Brandstiftung.

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22. August 2019, 06:39 Uhr

Brasília | Nach Darstellung der brasilianischen Regierung könnten Umweltschützer hinter der jüngsten Serie von Waldbränden in der Amazonasregion stecken. "Wir nehmen den Nichtregierungsorganisationen ihre Zuschüsse, wir haben die Überweisungen der Regierungsstellen eingestellt. Jetzt fehlt ihnen das Geld", sagte Präsident Jair Bolsonaro am Mittwoch. "Es kann also sein, dass diese Organisationen gegen mich persönlich und die brasilianische Regierung vorgehen. Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden." Beweise für seine Behauptungen legte er nicht vor.

"Unverantwortlich"

Umweltschutzverbände wiesen die Vorwürfe zurück. "Diese Behauptung des Präsidenten ist unverantwortlich", sagte der Präsident des Instituts für Umweltschutz (Proam), Carlos Bocuhy, dem Nachrichtenportal G1. "Es hat keinen Sinn, zu behaupten, wir hätten das Feuer gelegt. Das ist absurd."

Rauch steigt vom Wald im Naturpark Chapada dos Guimaraes auf. Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet und den angrenzenden Steppengebieten. Foto: dpa/Christian Niel Berlinck/ICMBio
Rauch steigt vom Wald im Naturpark Chapada dos Guimaraes auf. Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet und den angrenzenden Steppengebieten. Foto: dpa/Christian Niel Berlinck/ICMBio


In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung "Folha de S. Paulo" berichtete. Insgesamt wurden demnach 72.843 Brände registriert. Im gesamten Jahr 2018 waren es 39.759 gewesen. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus.


#PrayforAmazonas

Die Kritik an Brasiliens ultrarechtem Staatschef Jair Bolsonaro wegen dessen harter Linie bei der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes wird derweil lauter. In den sozialen Netzwerken machen Nutzer ihren Unmut unter dem Hashtag #PrayforAmazonas deutlich. Dabei verbreiten sie aber auch allerlei Fotos von älteren Waldbränden, oder welche, die gar nicht die Amazonasregion zeigen.


Die Zahl der bislang in diesem Jahr gezählten Waldbrände in Brasilien ist die höchste seit 2013. Das staatliche brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE stützt sich bei den Zahlen auf Satellitenbilder. Die Zunahme der Waldbrände sei eine Folge des "Anstiegs bei der Abholzung, die wir in jüngsten Statistiken sehen konnten", erklärte der WWF-Experte für das Amazonas-Gebiet Ricardo Mello.

Dieses Satellitenfoto der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zeigt die Rauchschwaden über den brasilianischen Amazonas-Bundesstaaten. Foto: AFP PHOTO / NOAA
Dieses Satellitenfoto der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zeigt die Rauchschwaden über den brasilianischen Amazonas-Bundesstaaten. Foto: AFP PHOTO / NOAA


Vier Mal mehr abgeholzt als 2018 – "Lüge"

Aus dem INPE-Bericht geht hervor, dass sich die Waldbrände in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrieren. Erst vor wenigen Wochen hatte das INPE Zahlen vorgelegt, wonach sich die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien zuletzt rasant beschleunigt hat. Allein im Juli wurde in Brasilien demnach vier Mal so viel Wald abgeholzt wie im gleichen Monat des Vorjahres. Als Reaktion auf die verstärkte Rodung legten Deutschland und Norwegen die millionenschwere Förderung für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in dem südamerikanischen Land auf Eis.

Ein Drohnenfoto zeigt einen Brand in der Gemeinde Guaranta do Norte im Bundesstaat Mato Grosso. Foto: dpa/Corpo De Bombeiros De Mato Gross/AP
Ein Drohnenfoto zeigt einen Brand in der Gemeinde Guaranta do Norte im Bundesstaat Mato Grosso. Foto: dpa/Corpo De Bombeiros De Mato Gross/AP


Bolsonaro hatte die Zahlen zur Abholzung als Lügen bezeichnet und den INPE-Direktor gefeuert. Der brasilianische Präsident zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und ist ein Freund der Agrarindustrie. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen.

In einer gemeinsamen Mitteilung in der Nacht zu Montag (Ortstzeit) kritisierten die Regionalregierungen von neun Bundesstaaten die "illegale wirtschaftliche Betätigung" in der Amazonasregion und kündigten an, künftig direkt mit den Geberländern des Amazonas-Fonds verhandeln zu wollen.

So viele Waldbrände wie in Brasilien gab es in diesem Jahr nirgendwo sonst in der Region. Mehr als 26.000 Brände wüteten in Venezuela, rund 16.000 waren es in Bolivien.

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