Segelboot "Alex" von Mediterranea : Hilfsorganisation rettet 54 Migranten aus Seenot vor Libyen

Nach Sea-Watch-Drama: Hilfsorganisation Mediterranea rettet Migranten vor Libyen.
Nach Sea-Watch-Drama: Hilfsorganisation Mediterranea rettet Migranten vor Libyen.

Der italienische Innenminister Salvini lehnt die Aufnahme von Geretteten weiterhin ab.

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05. Juli 2019, 09:41 Uhr

Rom | Ein Segelboot der italienischen Flüchtlingshilfsorganisation Mediterranea hat vor der libyschen Küste nach eigenen Angaben 54 Menschen aus Seenot gerettet. Unter den Migranten befänden sich auch drei Schwangere und vier Kinder, erklärte die Organisation am Donnerstag. Italiens rechtsradikaler Innenminister Matteo Salvini lehnte eine Aufnahme der Geretteten in Italien umgehend ab.

"Wir sind froh, 54 Menschen aus der Hölle Libyens gerettet zu haben", erklärte Mediterranea im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Jetzt brauchen wir einen sicheren Hafen." (Weiterlesen: Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an einem geheimen Ort)

Migranten vor Küste Libyens gerettet

Seit der Rettungsaktion befinden sich die Menschen auf dem 18 Meter langen Segelboot "Alex" auf dem Mittelmeer. Salvini erklärte, die Migranten seien in libyschen Hoheitsgewässern gerettet worden. Das Segelschiff von Mediterranea dürfe deshalb nicht in Italien anlegen.

Wenn diese Nichtregierungsorganisation wirklich die Sicherheit der Migranten im Sinn hat, muss sie den nächstliegenden Hafen ansteuern. Italiens Innenminister Salvini

Seine Regierung werde andernfalls alles tun, um zu verhindern, dass Italien zu einem "Hafen für Schlepper" werde.

Rückkehr nach Libyen keine Option

Laut Mediterranea hatten die in Seenot geratenen Migranten einen Notruf abgesetzt. Die italienischen Behörden hatten der Organisation zufolge erklärt, die Rettung liege im Zuständigkeitsbereich der libyschen Küstenwache. Diese sei aber später am Unglücksort in der Seenotrettungszone eingetroffen als die "Alex". "Menschen müssen gerettet und nicht festgenommen und zurück nach Libyen geschickt werden", erklärte Mediterranea.

Weiterlesen: Umfrage: Große Mehrheit gegen Strafen für Seenotretter

Die Organisation lehnt es ab, die Geretteten zurück nach Libyen zu bringen. Dem nordafrikanischen Land werden schwere Menschenrechtsverletzungen und Folter in Gefangenenlagern für Flüchtlinge vorgeworfen. Einen tunesischen Hafen will die Organisation ebenfalls nicht ansteuern. Tunesien hatte seine Häfen kürzlich über mehrere Wochen für aus Seenot gerettete Migranten gesperrt. Erlaubt war ihnen die Anlandung nur unter der Bedingung, dass sie sofort in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt würden. Die Möglichkeit, Asyl in Tunesien zu beantragen, wurde ihnen nicht gewährt.

Fall Carola Rackete

Am Mittwoch war vor der tunesischen Küste ein Schlauchboot mit 86 Flüchtlingen an Bord gesunken. Die Helfer gingen von nur drei Überlebenden aus. Die Reaktion Salvinis lässt eine Wiederholung der Ereignisse um das Rettungsschiff "Sea Watch 3" befürchten, das vor Wochen mehr als 40 Migranten aus Seenot gerettet hatte. Nachdem sie ihr Schiff mit zuletzt noch 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte, war "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete zunächst festgenommen worden. Eine italienische Richterin erklärte die Festnahme später für ungültig.

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