Übersicht : Von Klopapier bis Homeoffice: Das sind die Begriffe der Corona-Krise

Durch die Corona-Krise erhalten gewisse Begriffe eine neue Relevanz.
Durch die Corona-Krise erhalten gewisse Begriffe eine neue Relevanz.

Die Corona-Krise bringt neue Wortschöpfungen ans Licht, und schon bekannte Begriffe bekommen eine neue Bedeutung.

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09. April 2020, 15:43 Uhr

Berlin | Die Corona-Pandemie verändert den Alltag und hinterlässt tiefe Spuren - auch in der Sprache. Das war in Krisenzeiten schon immer so. Im Ersten Weltkrieg gingen Begriffe wie "08/15" oder "Trommelfeuer" in die Alltagssprache ein. Dieser Tage vollzieht sich Ähnliches: Vorher weitgehend unbekannte Wörter sind in aller Munde, und einige werden vielleicht bleiben. Ein "Corona-Wörterbuch" ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Allgemeinverfügung: Ein Verwaltungsakt, der sich nicht nur auf einen Einzelfall beschränkt, sondern für eine bestimmte Gruppe oder alle Bürger gleichermaßen gilt. Er ist der Fachbegriff für die von Behörden bundesweit erlassenen weitreichenden Ausgangs-, Kontakt- und Geschäftsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie.

Behelfs-Mund-Nasen-Schutz: Leicht sperrige, jedoch bürokratisch korrekte Beschreibung der zunehmend verbreiteten improvisierten Schutzmasken, die an heimischen Nähmaschinen oder in eilig umgerüsteten Betrieben aus Baumwolltuch gefertigt werden. Die Bezeichnung verdeutlicht, dass es sich nicht um zertifizierte Medizinprodukte handelt, sondern um eine behelfsmäßige Lösung.

Corona-Ferien: Etwas süffisante Umschreibung der Tatsache, dass alle Schulen bundesweit wochenlang geschlossen sind. Die Schüler sind zwar gehalten, allein und mit Unterstützung ihrer Lehrer via Internet weiter zu lernen. In der Wahrnehmung einiger Schüler aber dominiert eher das Feriengefühl. Für viele Familien ist das sogenannte Homeschooling indes eine ungewohnte Belastung.

Homeoffice: Plötzliche Realität für unzählige Arbeitnehmer, weil Unternehmen ihre Großraumbüros aus Gründen des Infektionsschutzes weitgehend räumten. Es galt in Expertenkreisen schon länger als Modell künftigen Arbeitens, aber erst in der Corona-Krise machen viele Branchen nun erstmals in größerem Stil Bekanntschaft mit dem Homeoffice und eng damit zusammenhängenden Phänomenen wie der Videokonferenz. Die Frage "Bist Du auch im Homeoffice?" gehört heute zum Standardrepertoire in vielen Alltagskommunikationen.

Klopapier: Eher trivialer Hygieneartikel, der angesichts von Hamsterkäufen binnen Tagen von der wenig beachteten Verbrauchsware zum begehrten "Blattgold der Krise" aufstieg und in Supermärkten bis heute oft ausverkauft ist. Experten zufolge wirkt dabei unter anderem wohl eine sich selbst verstärkende Spirale - Bilder von leeren Klopapierregalen lassen dieses erst recht zum einem "Symbol für Sicherheit" werden. Und Klopapier kostet und wiegt nicht viel, eignet sich also prinzipiell recht gut zum Hamstern.

Quarantäne: Isolierung von Erkrankten oder Infektionsverdächtigen. Vor der Corona-Krise meist eher mit Reflexionen über historische Seuchen oder Zollformalitäten beim Import von Tieren verbunden, ist sie heute das Schicksal zehntausender Menschen. Infizierte und deren Kontaktpersonen müssen sich in häusliche Quarantäne begeben. Auch wird allgemein von jedem Bürger eine weitgehende Selbstisolierung in Form des berüchtigten sogenannten Social Distancing verlangt

Risikogruppe: Meint ältere oder vorerkrankte Menschen, bei denen ein schwerer Infektionsverlauf besonders wahrscheinlich ist. Das Risiko steigt ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an. Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden verstärken es ebenfalls.

Systemrelevanz: Priorisierung von Branchen oder Unternehmen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Aufrechterhaltung von gesellschaftlichen Grundfunktionen in Krisenzeiten. Systemrelevante Betriebe und deren Beschäftigte in den "kritischen Infrastrukturen" sind von allgemeinen Beschränkungen ausgenommen und sollen weiterarbeiten - die Liste reicht vom Lebensmittelhandel bis hin zur Justiz.

Triage: Notfallmedizinische Methode, bei der Patienten mit Blick auf die Schwere von Erkrankungen oder Verletzungen sortiert werden. In der Corona-Krise hat der Begriff eine Dimension, die er sonst nur in Katastrophen- oder Kriegsfällen hat: Im Fall der Überlastung von Gesundheitssystemen werden begrenzte medizinische Ressourcen auf jene Patienten mit den besten Überlebenschancen konzentriert.

Verdopplungszahl: Ein Fachbegriff aus der Epidemiologie, der aussagt, wie schnell sich die Zahl der Infektionen im Zuge einer Epidemie verdoppelt. Er gilt als zentraler Maßstab bei der Bewertung der Dramatik der Lage in der Pandemie. Mit ihm kamen auch andere Begriffe aus dem wissenschaftlichen-mathematischen Bereich in den Sprachgebrauch - etwa die Basisreproduktionszahl oder das exponentielle Wachstum.bro/cfm

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