Peinliche Beschriftung : "Verschissmuss"-Fehler auf Trauerschleife – das sagt die SPD

Ein peinlicher Rechtschreibfehler sorgt für Ärger bei der SPD in Mühlheim. Symbolfoto
Ein peinlicher Rechtschreibfehler sorgt für Ärger bei der SPD in Mühlheim. Symbolfoto

Die SPD fühlt sich durch einen Rechtschreibfehler auf einer von ihr in Auftrag gegebenen Trauerschleife brüskiert.

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20. November 2019, 10:32 Uhr

Mülheim an der Ruhr | Verschissmuss statt Faschismus: Am vergangenen Samstag war bei einer Kranzniederlegung zum Volkstrauertag in Mühlheim aufgefallen, dass die Beschriftung auf der Trauerschleife der SPD-Fraktion lautete: "Den Opfern von Krieg und Verschissmuss" anstatt "Den Opfern von Krieg und Faschismus", wie ein Sprecher am Sonntag bestätigte.

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Die SPD wollte mit einem Rechtsbeistand klären, ob es sich um einen gezielten Sabotageakt handele, sagte Rodion Bakum, Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand, nach Bekanntwerden des Vorfalls der Deutschen Presse-Agentur. Wie die Partei am Abend mitteilte, sei der Fehler durch ein "menschliches Missverständnis" entstanden. "Die falsche Schleife am Trauerkranz ging nicht auf Sabotage, sondern auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurück", teilte die Mülheimer SPD am Mittwoch mit.

Nur ein peinlicher Fehler?

Zuvor hatte sich bereits der verantwortliche Blumenhändler in der "Bild"-Zeitung geäußert. Der Text für die Schleife sei seiner Floristin telefonisch vom Fraktionsbüro mitgeteilt worden. Ihre handschriftlichen Aufzeichnungen gingen dann per Fax an die Druckerei. Dort würden Texte nur auf Lesbarkeit, nicht aber auf Rechtschreibfehler überprüft, so der Inhaber gegenüber der "Bild".

Laut dem Medienbericht hat die Floristin bereits gekündigt. Sie sei untröstlich über den Fehler. Eine Nähe zu Rechtsextremen weisen Blumenhändler und Drucker von sich. Gegenüber der "Bild" zeigt sich die SPD fassungslos über eine solche Unwissenheit. "Wenn dem so sei, dann wäre es ein Totalversagen auf deutscher und politischer Ebene", zitiert die Zeitung den SPD-Fraktionsvorsitzenden Dieter Spliethoff.

Polizei will Ermittlungen einstellen

Am Abend bestätigte Spliethoff die Angaben des Blumenhändlers. "Eine Mitarbeiterin der Gärtnerei notierte das Wort falsch und übermittelte es so an die Druckerei. Verschiedene Menschen hätten es sehen können, aber leider fiel es niemandem auf."

Die Essener Polizei prüft nun, ob sie den Fall zu den Akten legen kann. Die Entscheidung müsse noch mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen werden, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Die Polizei hatte sich wegen des großen öffentlichen Interesses eingeschaltet. Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten hatten die Beamten nach früheren Angaben nicht gefunden.

Die SPD-Fraktion hatte sich bereits am Wochenende auf ihrer Facebook-Seite für den Vorfall "ungeachtet der möglichen Ursachen" entschuldigt.

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"Jedes Jahr derselbe Text"

Rodion Bakum ging zuvor davon aus, dass es sich nicht um ein einfaches Versehen handeln könne. Er vermutete, dass dem Ansehen der SPD geschadet werden sollte. Der Text auf der Trauerschleife der SPD-Ratsfraktion sei jedes Jahr derselbe und vom Fraktionsbüro an die zuständige Gärtnerei in korrekter Schreibweise übermittelt worden – zu der genauen Art der Übermittlung machte die SPD bisher keine Angaben.

Wort von Schleife abgeschnitten

Auch SPD-Ratsherr André Kasberger, der bei der Kranzniederlegung dabei war, wunderte sich nach eigenen Angaben über das neugebildete Wort "Verschissmuss" und schnitt es kurzerhand mit dem unteren Teil der Schleife ab. "Das kommt ja nicht von ungefähr", sagte er am Sonntag, "zumal man auch in Verwendung von zweimaligem Doppel-s durchaus etwas hineindeuten kann."

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