Tödliche Unfälle im Straßenverkehr : Zahl der Verkehrstoten sinkt bundesweit – aber nicht in MV

Die Zahl der Verkehrstoten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gesunken.
Die Zahl der Verkehrstoten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gesunken.

Gemessen an der Einwohnerzahl ist das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, in Mecklenburg-Vorpommern mit am höchsten.

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27. Februar 2020, 08:27 Uhr

Wiesbaden | Entgegen dem Bundestrend ist die Zahl der Verkehrstoten 2019 in Mecklenburg-Vorpommern gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte, kamen im vorigen Jahr auf den Straßen im Nordosten 89 Menschen ums Leben. Das waren drei beziehungsweise 3,6 Prozent mehr als im Jahr 2018. Damit war Mecklenburg-Vorpommern eines von nur drei Bundesländern mit gestiegenen Opferzahlen. Schon 2018 hatte es im Nordosten nach Jahren mit rückläufiger Tendenz wieder einen deutlichen Anstieg gegeben. Die aktuell stärksten Rückgänge gab es laut Statistikamt im Saarland (minus 28,6 Prozent), Sachsen (minus 19,2) und Schleswig-Holstein (minus 18,9 Prozent).

Erhöhte Sicherheitsstandards

In ganz Deutschland gab es im Vorjahr 3059 Verkehrstote. Das waren 6,6 Prozent weniger als 2019 und ist die niedrigste Zahl seit Beginn der statistischen Erhebungen vor mehr als 60 Jahren. Als wesentliche Gründe für den rückläufigen Trend gelten höhere Sicherheitsstandards bei Fahrzeugen und Straßen, die Einführung der Gurtpflicht und die Senkung der Promillegrenze. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sterben heute deutlich weniger Menschen bei Unfällen. 1995 etwa hatte es landesweit noch 500 Verkehrstote gegeben.

Straßen im Nordosten besonders gefährlich

Trotz des Rückgangs zählen die Straßen im Nordosten statistisch noch immer zu den gefährlichsten in ganz Deutschland. So gab es im Vorjahr im Nordosten 55 tödliche Unfälle je eine Million Einwohner. Nur Sachsen-Anhalt verzeichnete mit 62 Verkehrstoten je eine Million Einwohner einen höheren Wert. Hinter Mecklenburg-Vorpommern folgen Niedersachsen (54), Brandenburg (50) und Thüringen (43). Am geringste ist die Gefahr, bei einem Verkehrsunfall umzukommen naturgemäß in den Stadtstaaten Berlin (11), Bremen (12) und Hamburg (15).

Tödliche Pedelec-Unfälle

Insgesamt starben bis einschließlich November 114 Pedelec-Fahrer, dies entspricht einem Plus von 32,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Schwerverletzten stieg um rund ein Fünftel auf 2452, wie das Bundesamt mitteilte.

Es handele sich um die Fortsetzung einer Entwicklung, die bereits seit Jahren anhält, sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Hintergrund sei, dass vor allem ältere Menschen die Räder nutzten, die mit der möglichen Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern oft nicht umgehen könnten. Brockmann schlug vor, das Maximaltempo der Räder an die körperliche Leistung zu koppeln.

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Diese Sicherheitsmaßnahmen werden gefordert

Abhilfe würden zudem breitere und sicherere Radwege schaffen, auch im Bereich von Kreuzungen müssten Radfahrer besser geschützt werden, sagte der Experte. Die bisher angebotenen Sicherheitskurse für Senioren müssten attraktiver werden. Brockmann riet zudem dringend zum Tragen eines Helms. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) forderte eine grundlegende Umgestaltung der Innenstädte zugunsten des Radverkehrs.

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahrzehnten – mit kleinen Ausreißern. Eine bundesweite Statistik wird seit 1953 geführt. 2018 war ein Anstieg auf 3275 im Vorjahresvergleich verzeichnet worden, Grund waren unter anderem mehr getötete Fahrradfahrer.

Weniger Verkehrstote: Tempolimits als Lösung?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erklärte bei Twitter, alles dafür tun zu wollen, die "Vision Zero" (null Verkehrstote) zu erreichen. Dies gelte insbesondere für Radfahrer.

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Nach Einschätzung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus. Der VCD forderte Tempolimits von innerorts 30, auf Landstraßen 80 und auf Autobahnen 120 Stundenkilometern. Scheuer lehnt ein Tempolimit auf Autobahnen ab. Ein Vorschlag des Umweltausschusses der Länderkammer für eine generelle Beschränkung von 130 Kilometern pro Stunde fand auch im Plenum des Bundesrats zuletzt keine Mehrheit.

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Weniger Verkehrstote: Vom Ziel der Bundesregierung weit entfernt

Auch Unfallforscher Brockmann kritisierte, die Bundesregierung habe das Ziel von 40 Prozent weniger Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 ausgegeben. "Davon sind wir noch weit entfernt, das wären rund 2200." Nötig wären mehr Verkehrskontrollen und höhere Bußgelder, die "lächerlich niedrig" seien. Die letzten Erhöhungen etwa für Falschparker hätten das System zudem aus dem Lot gebracht.

Die Polizei erfasste 2019 in Deutschland rund 387.000 Unfälle mit Verletzten und Toten, 3,1 Prozent weniger als 2018. Mecklenburg-Vorpommern lag mit einem Rückgang um 2,9 Prozent auf knapp 6900 Unfälle mit Personenschaden im Bundestrend. Insgesamt erfasste die Polizei in Deutschland allerdings erneut mehr Unfälle, rund 2,7 Millionen oder 1,9 Prozent mehr.

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