Gruppe mit Kindern tatverdächtig : Vergewaltigung in Mülheim: 14-Jähriger in Haft genommen

Die Tat soll sich in der Nähe dieses Spielplatzes ereignet haben.
Die Tat soll sich in der Nähe dieses Spielplatzes ereignet haben.

Dem Jugendamt waren zwei der Tatverdächtigen bereits bekannt – ebenso der Name des Opfers.

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08. Juli 2019, 06:24 Uhr

Mülheim an der Ruhr | Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau am Freitagabend in Mülheim an der Ruhr gehen die Ermittlungen am Montag weiter. Einer der 14-jährigen Tatverdächtigen ist in Haft genommen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg am Montagabend mit.

Am Wochenende hatte sie zunächst keinen Haftbefehl gegen die 14-Jährigen beantragt, da sie über einen festen Wohnsitz und familiäre Bindungen verfügten.

Indes wolle die Bezirksregierung Düsseldorf als Schulaufsichtsbehörde bitten, die Schulpflicht für die in Mülheim gemeldeten Tatverdächtigen für die jetzt laufende letzte Schulwoche vor den Ferien auszusetzen, sagte Sozialdezernent Marc Buchholz am Montag. Ob einer der mutmaßlichen Tatbeteiligten – drei 14- und zwei Zwölfjährige – am Montag zum Schulunterricht gegangenen sei, wisse er nicht.

Nach Angaben von Oberbürgermeister Ulrich Scholten sind vier der fünf Tatverdächtigen in Mülheim gemeldet. Bei dem fünften Verdächtigen, einem 14- oder 15-Jährigen, werde der Wohnort noch ermittelt. Die Stadtverwaltung wusste nach Angaben des Sozialdezernenten Buchholz am Montagmorgen noch nicht, welche Schulen die vier Mülheimer Tatverdächtigen besuchen. "Wir sind dabei, die Namen, die wir haben, Schulen zuzuordnen", sagte Buchholz vor Journalisten.

Das Opfer, laut Medienberichten eine 18-Jährige, wurde bis Samstag im Krankenhaus behandelt. Sie wird danach weiter polizeilich unterstützt, hieß es in einer Mitteilung. (Weiterlesen: Vergewaltigungsfall auf Mallorca: Zwei Tatverdächtige in U-Haft)

Jugendamt war bereits eingeschaltet

Ermittelt wird gegen die Jugendlichen wegen eines "schweren Sexualdeliktes" – das gilt laut Gesetz, wenn der Sex vollzogen oder die Tat gemeinschaftlich begangen wurde. Alle Verdächtigen haben die bulgarische Nationalität. Sie gelten laut Polizei als "dringend tatverdächtig". Die jeweilige Rolle bei dem Verbrechen ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Jugendlichen seien am Samstag offiziell befragt und dann wieder ihren Eltern übergeben worden.

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Bei zwei der vier Mülheimer Tatverdächtigen sei das Jugendamt vor der Tat in den Familien bereits aktiv gewesen. "Was Gegenstand der Tätigkeit war, muss noch recherchiert werden. Da sind wir dabei, das aufzubereiten." Er machte keine Angaben darüber, welches Alter diese beiden Personen haben. Auch der Name des Opfers sei dem Jugendamt bekannt gewesen. Buchholz sagte, dass er am Montagvormittag das Jugendamt gebeten habe, auch mit den Familien der Tatverdächtigen Kontakt aufzunehmen.

In der Nähe dieses Gebüsches, das an einem Radschnellweg liegt, soll eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden sein. Foto: dpa/Roland Weihrauch
dpa/Roland Weihrauch
In der Nähe dieses Gebüsches, das an einem Radschnellweg liegt, soll eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden sein. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Falls die Mitarbeiter den Eindruck gewännen, dass die Familien mit der Situation nicht fertig werden, sei bei den Zwölfjährigen generell auch ein aktives Eingreifen bis hin zur Entnahme der Kinder aus den Familien möglich, sagte ein Stadtsprecher. Den Eltern sei empfohlen worden, die Zwölfjährigen zu Hause zu lassen. Angesichts der Umstände sei das besser, um mögliche Konflikte in der Klasse und der Schule zu vermeiden.

Hund schlägt an – Anwohner greifen ein

Anwohner in Mülheim waren am Freitagabend gegen 22.15 Uhr aufmerksam geworden, weil ihr Hund bellte und sich nicht beruhigen ließ, berichtete die Polizei. "Die Zeugen haben perfekt reagiert", lobte Essens Polizeisprecher Peter Elke am Montag die Anwohner, die die Polizei gerufen hatten. Sie seien trotz der Dunkelheit am Freitagabend ins Freie gegangen, als der Hund anschlug.

Auf einer Grünfläche hätten die Zeugen die Frau in einer hilflosen Position sowie zwei Verdächtige gesehen – und den Notruf gewählt. Kurz darauf hielt eine Streifenwagenbesatzung eine Gruppe von fünf Kindern und Jugendlichen an, auf die teilweise die Beschreibung passte. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit", sagte der Polizeisprecher, seien die fünf an der Tat beteiligt. Alle hätten zu dem Vorwurf der schweren Sexualstraftat ausgesagt. "Es muss nur geklärt werden, welche Person welchen Anteil am Tatgeschehen hatte."

Die beiden Zwölfjährigen und die drei 14-Jährigen sind nach Polizeiangaben türkischsprechende Bulgaren. Die älteren Verdächtigen verbrachten die Nacht zu Samstag jeweils allein in einer Polizeizelle. "Das ist schon sehr ungewöhnlich, insbesondere, wenn es um Jugendliche geht", sagte der Polizeisprecher.

Über das Vorleben der extrem jungen Verdächtigen weiß die Polizei nicht viel. Die Daten der nicht strafmündigen Kinder dürfen nicht gespeichert werden. "Einer der 14-Jährigen ist nach jetzigem Kenntnisstand schon mal polizeilich in Erscheinung getreten", berichtete Polizeisprecher Elke, nannte aber keine weiteren Details.

Polizeigewerkschaft: Alter für Strafmündigkeit herabsetzen

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, erklärte dazu: "Wir fordern seit Jahren, dass das Alter für die Strafmündigkeit in Deutschland herabgesetzt wird." Ein Vorteil wäre, dass Jugendämter mit den 12- und 13-Jährigen nicht mehr alleingelassen würden und den Kindern über die Jugendgerichtshilfe frühzeitig geholfen werden könne.

Der Spielplatz liegt in einem unscheinbaren Stadtviertel, nicht weit weg von der Innenstadt. Die großzügige Anlage ist eingebettet in einen hügeligen Park, umgeben von Reihenhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern mit Gärten. In der Nähe sind eine Grundschule und der Radschnellweg Ruhr. Über ihn sollen zwei Täter am Freitagabend zunächst geflüchtet sein.

Der Fall erinnert an die Gruppenvergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens im April 2018 in Velbert. Die Jugendlichen hatten die Schülerin nach einem Freibadbesuch abgepasst, in ein Waldstück geführt und sich dort an ihr vergangen. An der Tat waren acht Jugendliche aus Bulgarien beteiligt, die der türkischen Minderheit in dem Land angehören. Sie wurden verurteilt, teils zu mehrjährigen Haftstrafen.

Fachleute sehen bei Gruppenvergewaltigungen eine gefährliche Kombination von Sexualität, Machtdemonstration und Gruppendynamik. Häufig würden solche Taten gefilmt, um mit der Tat zu prahlen. Im Mülheimer Fall äußerte sich die Polizei zunächst nicht, ob das Geschehene auch gefilmt wurde. Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, nach dem die Täter ihre Tat mit Handys gefilmt haben sollen, wollte ein Sprecher nicht kommentieren.

[Berichtigung] Die Deutsche Presse-Agentur hat Überschrift, Teaser und Passagen zum Schulbesuch neu formuliert. Am Morgen war zunächst unklar, ob die Verdächtigen tatsächlich am Montag zur Schule gehen. Die Aussage der Polizei, dass für sie weiter die Schulpflicht gelte, und die Aussage der Stadt deckten nicht den Titel der Agentur, dass die Verdächtigen tatsächlich auch zur Schule gehen.

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