Schäden am Unesco-Weltkulturerbe : Venedig schon wieder unter Wasser – Die Bilder der Flut-Katastrophe

Der Markusplatz steht zwei Tage nach der Rekordflut wieder unter Wasser.
Der Markusplatz steht zwei Tage nach der Rekordflut wieder unter Wasser.

Die Schäden von dem verheerenden Hochwasser sind noch nicht gezählt. Da steigt das Wasser wieder.

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15. November 2019, 18:15 Uhr

Venedig | Nur drei Tage nach dem verheerenden Hochwasser in Venedig ist die Lagunenstadt erneut überflutet worden. Der überschwemmte Markusplatz wurde am Freitag gesperrt, um die Sicherheit der Menschen nicht zu gefährden, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro und rief Einwohner und Touristen zur Vorsicht auf. Vor allem starker Wind trug das Wasser wieder in die Stadt. Schulen waren genauso wie der Dogenpalast und Behörden geschlossen. Der öffentliche Verkehr in der Unesco-Welterbestadt wurde eingestellt, keine Wasserbusse fuhren mehr. Auch der Markusdom bekam Schäden ab. Ein Hochstand wie zu Beginn der Woche wurde aber nicht erreicht.

Der Schaden durch die Überflutung geht in die Millionen. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE
Der Schaden durch die Überflutung geht in die Millionen. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE


Die berühmte Rialto Brücke. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE
Die berühmte Rialto Brücke. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE


Das Wasser stieg auf einen Stand von 154 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel und ging dann wieder zurück, teilte das Gezeitenbüro der italienischen Stadt mit. Rund 70 Prozent der historischen Stadt seien überschwemmt, berichteten lokale Medien.

Trockenen Fußes kommt keiner mehr durch Venedig. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE
Trockenen Fußes kommt keiner mehr durch Venedig. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE


In Gummistiefeln watet diese Frau durch das Wasser. Foto: AFP/ Filippo MONTEFORTE
In Gummistiefeln watet diese Frau durch das Wasser. Foto: AFP/ Filippo MONTEFORTE


Nach den heftigen Unwettern am Dienstag, reinigten Italiener den Markusdom. Drei Tage später ist er wieder überflutet. Foto: AFP/ by Marco Bertorello
Nach den heftigen Unwettern am Dienstag, reinigten Italiener den Markusdom. Drei Tage später ist er wieder überflutet. Foto: AFP/ by Marco Bertorello


Auch die Krypta des Markusdoms – einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt – stand am Freitag wieder unter Wasser.

Die Krypta steht unter Wasser. Foto: AFP/ Marco Bertorello
Die Krypta steht unter Wasser. Foto: AFP/ Marco Bertorello


"Man muss die enormen Schäden am Kulturerbe verstehen (...)", sagte Kulturminister Dario Franceschini bei einem Besuch in Venedig. "Eine gewaltige Anstrengung des Staates und der ganzen italienischen Gesellschaft ist notwendig, um Venedig zu unterstützen."

Auch der Markusdom habe Schäden erlitten, allerdings keinen "irreparablen". Er rief zu Spenden für die Stadt auf, um dem "Welterbe Italiens und der Menschheit" zu helfen. Die Kunstausstellung Biennale, die noch bis 24. November geht, war am Freitag geöffnet.




"Die Menschen haben alles verloren"

Am Dienstagabend – als eine Flut fast die gesamte Stadt überschwemmte – hatte das Wasser mit 187 Zentimeter deutlich höher gestanden. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Das bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der historischen Stadt unter Wasser standen. Die Schäden gehen in die Hunderte Millionen Euro.

"Die Menschen haben alles verloren", erklärte Brugnaro nun auf Twitter. Das eindringende Salzwasser mache alles noch viel schwieriger. Denn Meerwasser beschädigt Denkmäler, Marmor und Kunstschätze wesentlich mehr. "Es ist eine Herausforderung für das ganze Land. Die Venezianer beweinen sich nicht selbst, sie arbeiten. Wir sind stolz darauf, die jungen Menschen hier zu halten und ihnen eine Zukunft zu geben."

Wasser läuft in die Geschäfte. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE
Wasser läuft in die Geschäfte. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE


Regionalrat lehnt Klimaschutz-Antrag ab – kurz darauf Saal überflutet

Als Beispiel für (tragische) Ironie machen Fotos des überschwemmten Sitzungssaals des venezianischen Regionalrats online die Runde: Politiker Andrea Zanoni berichtet, dass am Dienstagabend ein Antrag für verstärkten Klimaschutz mehrheitlich abgelehnt wurde und nur zwei Minuten später das Wasser in den Saal drückte.


Regierung kündigt Entschädigungen an

Seit Jahren wird um das System namens "Mose" gestritten, das es eigentlich schon seit Jahren für die Stadt an der Adria geben sollte. Bürokratie, Korruption und Skandale verzögern den Bau allerdings. Die ausfahrbaren Barrieren sollen nun 2021 fertig sein. Durch die Erderwärmung steigt der Meeresspiegel, wodurch auch Hochwasser in Venedig zunehmen.

Die italienische Regierung hatte am Donnerstag wegen der Überschwemmungen den Notstand in Venedig verhängt. Das Hochwasser sei "ein Stich in das Herz unseres Landes", sagte Ministerpräsident Guiseppe Conte. Seine Regierung sagte 20 Millionen Euro "für die dringendsten Maßnahmen" in der Lagunenstadt zu. Privatleute sollen mit jeweils bis zu 5000 Euro für die Flutschäden entschädigt werden, Geschäftsleute mit bis zu 20.000 Euro.

Nachdem am Tag zuvor Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Stadt besuchte, kam am Freitag Chef der Rechtspopulisten in Italien, Matteo Salvini, vorbei. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE
Nachdem am Tag zuvor Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Stadt besuchte, kam am Freitag Chef der Rechtspopulisten in Italien, Matteo Salvini, vorbei. Foto: AFP/Filippo MONTEFORTE


Wie lange gibt es die Touristenhochburg noch?

Übernächste Woche soll zudem eine Sonderkommission über die "Probleme Venedigs" beraten, wie Conte ankündigte. Dabei soll es seinen Angaben zufolge auch um ein geplantes Anlegeverbot für große Kreuzfahrtschiffe und ein umstrittenes Hochwasserschutzsystem gehen, das die Stadt mit schwimmenden Barrieren schützen soll und bereits seit 2003 in Bau ist.

"Es stellt sich mir die Frage, wie Venedig in 50 Jahren aussehen wird", sagte der 20-jährige kalifornische Tourist David Melendez. "Hoffentlich kann diese wunderschöne Stadt überleben und hoffentlich können unsere Söhne und Enkel sie noch sehen."

In Venedig leben gerade einmal rund 50.000 Menschen. Mit ihren malerischen Kanälen und historischen Gebäuden lockt die Stadt jährlich aber 36 Millionen Touristen an. Etwa 90 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland.

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