Urteil im Susanna-Mordprozess : "Sie wollten dieses Mädchen" – Lebenslange Haftstrafe für Ali B.

Ali B. muss für eine lebenslange Haftstrafe hinter Gitter.
Ali B. muss für eine lebenslange Haftstrafe hinter Gitter.

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf der Verhandlung.

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10. Juli 2019, 09:38 Uhr

Wiesbaden/Mainz | Wegen des Mordes an der 14-jährigen Schülerin Susanna aus Mainz hat das Landgericht Wiesbaden den Angeklagten Ali B. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Richter stellten am Mittwoch in ihrem Urteil zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit für den irakischen Flüchtling so gut wie ausgeschlossen.

Das Landgericht sah es als erwiesen, dass der 22-Jährige Susanna vor mehr als einem Jahr in einem Waldgebiet in der Nähe des Wiesbadener Stadtteils Erbenheim vergewaltigt und ermordet hat. Die Leiche des Mädchens aus Mainz war am 6. Juni 2018 in einem Erdloch in der Nähe von Bahngleisen gefunden worden. Rund zwei Wochen nach dem Verschwinden von Susanna waren die Einsatzkräfte nach einem Zeugenhinweis auf das Versteck mit dem toten Mädchen gestoßen.

Nahe von Bahngleisen hat Ali B. die Leiche der 14-Jährigen vergraben. Im Prozess hatte es im März einen Ortstermin mit dem Angeklagten an der Stelle gegeben. Foto: dpa/Boris Roessler
Nahe von Bahngleisen hat Ali B. die Leiche der 14-Jährigen vergraben. Im Prozess hatte es im März einen Ortstermin mit dem Angeklagten an der Stelle gegeben. Foto: dpa/Boris Roessler

Weiterlesen: Mordfall Susanna – die Chronologie der Ereignisse

"Allein Sie, niemand anderes trägt die Schuld"

Kurz nach dem Tod von Susanna hatte sich Ali B. mit seiner Familie in seine Heimat abgesetzt. Im kurdisch kontrollierten Nordirak wurde er jedoch wenige Tage danach gefasst und von der Bundespolizei nach Deutschland zurückgebracht. Der Fall hatte eine bundesweite Debatte um die Flüchtlingspolitik ausgelöst.

Ali B. hatte zum Prozessauftakt gestanden, das 14-jährige Mädchen umgebracht zu haben. Die Vergewaltigung bestritt er. Bei Susannas Mutter entschuldigte sich der Angeklagte in seinem letzten Wort vor Gericht. In einem weiteren Prozess muss sich der Iraker wegen der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens verantworten. Dieses Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Weder Susannas Mutter noch die Freundinnen des Mädchens müssten sich vorwerfen lassen, irgendetwas falsch gemacht zu haben, erklärte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk in seiner Urteilsbegründung. Am Ende des Prozesses stehe eines unumstößlich fest, sagt Bonk an Ali B. gewandt: "Allein Sie, niemand anderes, trägt die Schuld am Tod von Susanna".

Gezielt nach unsicheren, jungen Frauen gesucht

Ausdrücklich würdigte er das Verhalten von Susannas Mutter und ihre Zeugenaussage, die ihm persönlich Respekt abnötige. Damit sei es ihr eindrücklich gelungen, Spekulationen über Susannas Lebenswandel und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auszuräumen. Ali B. sei keine sozial verwahrloste Person, sondern habe bis zu seinem 18. Lebensjahr im Nordirak in einem Familienverband mit strengen Regeln, auch zum Verhältnis der Geschlechter gelebt, sagte Bonk über den Angeklagten. In Deutschland habe er dann die Möglichkeit zum Zugang zu Frauen, auch zu sexuellen Kontakten gehabt und gezielt nach sehr jungen, noch unsicheren Mädchen gesucht.

Mit dem Urteilsspruch folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Vertreter der Anklage hatten dem irakischen Flüchtling vorgeworfen, Susanna erwürgt zu haben, um die Vergewaltigung zu verdecken. Er habe kaltblütig, zielgerichtet und heimtückisch gehandelt. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt.

Verhältnis mit Susanna habe "nichts mit Vertrauen" zu tun

Das Landgericht hat keinen Zweifel daran, dass Ali B. Susanna vergewaltigt hat. "Sie wollten dieses Mädchen", sagte Bonk an den Angeklagten gewandt. Die Behauptung, es habe einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gegeben, sei unglaubwürdig. Ali B. habe "mit enormer Beharrlichkeit und tödlicher Konsequenz" sein Interesse an Susanna verfolgt und versucht, die Schülerin in der gemeinsamen Freundesgruppe zu isolieren.

Zeugenaussagen hätten glaubwürdig und einhellig das Verhältnis Susannas zu Ali B. beschrieben, und nichts davon stimme mit Ali B's eigener Schilderung überein. Das habe "nichts mit Vertrauen, nichts mit Zuneigung, nichts mit einem Vertrauensverhältnis zu tun". Die Kammer sei überzeugt, dass Susanna zu keinem Zeitpunkt einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Ali B. gehabt habe.

Weißer Ring zufrieden mit Prozessverlauf

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring zeigte sich zum Abschluss des Verfahrens mit dem Prozessverlauf aus Sicht der Angehörigen des getöteten Mädchens zufrieden. Die Familie von Susanna sei bereits vor der Verhandlung von Mitarbeitern des Weißen Rings eng betreut worden, sagte Rudolf-Lothar Glas aus Wiesbaden.

Die Angehörigen seien stets informiert gewesen über den Stand der Ermittlungen und die Vorgänge bei Gericht. Die Zusammenarbeit habe sehr gut funktioniert. "Dem mutmaßlichen Täter gegenüber zu sitzen, war dennoch eine schwere Belastung", betonte der Vertreter der Opferschutzorganisation. Die Familie der getöteten Susanna ist als Nebenkläger vor Gericht vertreten.

Ehrenamtliche des Weißen Rings begleiteten die Angehörigen an den Prozesstagen. Die Organisation unterstützt Susannas Familie auch finanziell, etwa bei einem kurzen Erholungsurlaub. Das Verfahren sei sehr präzise geführt worden, auch um eine mögliche Revision zu umgehen, sagte Glas. "Das würde für die Mutter noch schwerer werden."

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