230 Jahre alter Holzbau : Berühmtes Drei-Sterne-Restaurant "Schwarzwaldstube" niedergebrannt

Die Feuerwehr spricht von einem Totalschaden.
Die Feuerwehr spricht von einem Totalschaden.

In dem Gebäude befanden sich zur Zeit des Brandes keine Menschen, aus dem Nebengebäude wurden 63 Hotelgäste evakuiert.

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05. Januar 2020, 13:09 Uhr

Baiersbronn | Das Drei-Sterne-Restaurant "Schwarzwaldstube" in Baiersbronn ist bei einem Brand komplett zerstört worden. Verletzt wurde bei dem Feuer beim "Hotel Traube Tonbach" in Baiersbronn in der Nacht zu Sonntag niemand, wie ein Feuerwehrsprecher am Morgen sagte – das renommierte Restaurant sei allerdings vollständig zerstört. Die "Schwarzwaldstube" gehört mit drei Sternen zu einer exklusiven Gruppe von Restaurants in Deutschland.

Der Brand war am Sonntagmittag größtenteils unter Kontrolle, wie der Sprecher der Feuerwehr, Martin Frey, sagte. Die Löscharbeiten sollten noch den ganzen Tag dauern. 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Über eine Drehleiter wurden Flammen im zerstörten Dach bekämpft. Wo genau in dem Gebäude das Feuer ausbrach, war zunächst nicht klar. Auch die Brandursache war völlig unklar. Nach ersten Erkenntnissen geht die Feuerwehr von einem Millionenschaden aus.


Gebäude könnte einstürzen

Die Ermittlungen zur Ursache des Feuers gestalten sich derweil schwierig. Die Reste des am Sonntag weitgehend zerstörten Gebäudes seien einsturzgefährdet, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Freudenstadt, Martin Frey. Frühestens am Montag werde man entscheiden können, wann Ermittler der Kriminalpolizei und Brandsachverständige in der Ruine des Restaurants ihre Untersuchungen beginnen können.

Dass bei großen Bränden die Kripo eingeschaltet wird, gehöre zur polizeilichen Routine und bedeute nicht, dass es einen Verdacht auf Brandstiftung gebe, hieß es aus Ermittlerkreisen. "Ein Betreten des abgebrannten Gebäudes ist weiterhin noch nicht möglich, weshalb auch über die Brandursache keine näheren Erkenntnisse vorliegen", sagte ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Pforzheim.

"Glück im Unglück"

Der Brand erschüttert die Hotelbesitzer. "Das tut natürlich sehr weh", sagte Hotelinhaber Heiner Finkbeiner am Sonntag. Doch es sei nichts passiert in dem Sinne, dass weder Gäste noch Mitarbeiter durch den Brand Verletzungen erlitten hätten. "Alles andere lässt sich wieder aufbauen." Er spricht von "Glück im Unglück".

Küchenchef Torsten Michel reagierte am Brandort betroffen, betonte aber, dass es weitergehen werde. Die Mitarbeiter gingen jetzt zunächst in den Urlaub. "Wir richten den Blick nach vorne."

Der Eingangsbereich des Restaurants liegt in Trümmern. Foto: dpa/Andreas Rosar
dpa/Andreas Rosar
Der Eingangsbereich des Restaurants liegt in Trümmern. Foto: dpa/Andreas Rosar


63 Hotelgäste evakuiert

Gebrannt hatte es in dem 230 Jahre alten Stammhaus des Hotels. Ein Brandmelder hatte die Feuerwehr gegen 3.20 Uhr alarmiert. Das Hauptgebäude, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Restaurant liegt und in dem 150 Gästezimmer sind, blieb vom Feuer unbehelligt. 63 Bewohner eines weiteren Gästehauses, das an das Stammhaus angrenzte, hatten das Gebäude wegen des Rauchs vorübergehend verlassen müssen. Sie konnten am Sonntagmorgen jedoch in ihre Zimmer zurückkehren. Laut Hotelsprecherin waren an diesem Wochenende alle Zimmer belegt.


Exklusives Restaurant

Die "Schwarzwaldstube" ist bundesweit bekannt. Küchenchef Torsten Michel ist in der Deutschlandausgabe 2020 im Restaurantführer "Gault&Millau" mit 19,5 von 20 Punkten ausgezeichnet worden und gehört mit dieser Punktzahl deutschlandweit zur Spitzengruppe der Küchenchefs. Der "Gault&Millau" zählt mit dem "Guide Michelin" zu den bekanntesten Gourmet-Führern weltweit. Über viele Jahre hinweg setzte Koch Harald Wohlfahrt in der "Schwarzwaldstube" Maßstäbe und bildete zahlreiche spätere Sterneköche aus.

Ex-Koch der "Stube": "Als ob mein Wohnzimmer abgebrannt ist"

Spitzenkoch Harald Wohlfahrt erschüttert gezeigt: "Es fühlt sich an, als ob mein Wohnzimmer abgebrannt ist", sagte der 64-Jährige der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Wohlfahrt war mehr als 40 Jahre bei den Inhabern des Hotels "Traube Tonbach" angestellt und hatte für das Gourmetrestaurant drei Michelin-Sterne erkocht.

"Als ich vorhin am Hotel war, musste ich mit der Fassung ringen", sagte Wohlfahrt, der in Baiersbronn wohnt. Er sei in den frühen Morgenstunden von Sirenen der Feuerwehren geweckt worden, die zum Hotel rasten. Im Sommer 2017 hatte sich der Starkoch im Streit von seinem damaligen Arbeitgeber getrennt. "Aber es tut mir für die Familie aufrichtig leid, was hier passiert ist", sagte er nun. Er wünsche ihr viel Kraft: "Das Unternehmen wird sich sortieren – und sich dann an den Wiederaufbau machen."

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