Neu auf Amazon Prime Video : "The Purge": Was taugt der Horror-Stoff als Serie?

Jetzt auch als Serie: die Horrorreihe 'The Purge' auf Amazon Prime Video. Foto: Amazon Prime
Jetzt auch als Serie: die Horrorreihe "The Purge" auf Amazon Prime Video. Foto: Amazon Prime

James DeMonacos Horror-Hit "The Purge" geht in Serie. Amazon Prime zeigt zehn Folgen der ersten Staffel.

svz.de von
20. September 2018, 15:22 Uhr

Berlin | Nach vier Kino-Filmen ist die "Purge" zum Serienstoff geworden: Zehn Episoden von James DeMonacos "The Purge" werden jetzt auch von Amazon Prime Video gezeigt.


Politischer Horror: der massive Erfolg von "The Purge"

Als James DeMonaco vor fünf Jahren den „The Purge“ (2013) drehte, hatte er das bescheidene Budget von drei Millionen Dollar und eine originelle Idee: Sein Horrorfilm erzählt von einem alternativen Amerika, in dem die totalitären New Founding Fathers den Präsidenten stellen und – in einer bizarren Gesetzesreform – die sogenannte „Purge“ (etwa: die Säuberung) einführen: Einmal im Jahr werden für zwölf Stunden alle Verbrechen legalisiert, Mord eingeschlossen. Begründet wird das mit der kathartischen Wirkung: Für den Rest des Jahres soll die Kriminalitätsrate dann umso geringer ausfallen. Das Resultat ist ein karnevalistisches Massaker. ("The First Purge": Provokative Rassismus-Kritik)


Bei aller Unwahrscheinlichkeit der Prämisse: Die „Purge“-Filme zielen als Satire des Grauens auf wunde Punkte der Realität, auf Rechtspopulismus und den Einfluss der Waffenlobby, auf Rassismus, Isolationismus, Nationalismus und die soziale Spaltung der USA. Das Plakat des dritten Teils zeigte nichts als eine US-Flagge, deren Streifen durch Schnellfeuerwaffen ersetzt waren.

Die Mischung aus drastischem Horror und provokativer Dystopie hat Erfolg: Teil eins spielte mit fast 90 Millionen Dollar das Dreißigfache seines Budgets ein; insgesamt haben bislang vier Filme mit einem Etat von 35 Millionen Dollar 455 Millionen verdient. Jetzt spinnt eine zehnteilige Serie den Stoff weiter, die ab sofort auch auf Deutsch bei Amazon Prime verfügbar ist. Showrunner ist James DeMonaco, der die ersten drei Spielfilme inszeniert hatte. ("Halloween": Was die 2018er-Version alles ändert)

Was taugt "The Purge" als Serie?

Im Kino lieferte „The First Purge“ gerade einen Rückblick auf die Einführung des straflosen Morden. In der Serie ist die Purge nun längst blutiger Alltag. Hohe Funktionäre der New Founding Fathers feiern sie mit Upperclass-Partys, bei denen Serienmördern gehuldigt wird, während in Hinterzimmern unliebsame Mitarbeiter sterben. Ausgerechnet hier versuchen zwei Purge-Gegner Geld für wohltätige Projekte einzuwerben. Ein religiöser Kult treibt seine Anhänger zum Opfertod, der den Zorn der Purge-Täter besänftigen soll; die Rettung einer der Gläubigen durch ihren Bruder ist ein weiterer zentraler Erzählstrang. Ein dritter handelt von einer Managerin, die offenbar versucht, die gläserne Karrieredecke mithilfe einer Auftragskillerin zu durchbrechen: MeToo als Mordkomplott.

Dazu wird überall die Vorgeschichte der Figuren erzählt: Auf der High-Society-Ebene geht es um eine schwülstig inszenierte Ménage-à-trois. Und die Geschwister, die später mit dem Todeskult ringen, sehen in der allerersten Purge-Nacht als Kinder ihre Eltern sterben. Das alles ist in bislang drei verfügbaren Episoden sehr plakativ und redundant erzählt; der politische Subtext ist bestenfalls angedeutet – gerade im Vergleich mit der aggressiven Rassismuskritik des letzten Kinofilms. Und die panische Grundstimmung, das Markenzeichen der „Purge“-Reihe, stellt sich in fast dekorativen Gewaltszenen auch noch nicht ein. Es wirkt, als ob James DeMonaco aus Angst vor dem Serienmarathon ausgerechnet auf den ersten Abschnitten trödelt. Sieben Folgen hat er noch, um das Tempo anzuziehen. Angesichts des Überangebots an guten Serien wäre es das allerdings ziemlich spät.

„The Purge“. Amazon Prime Video. Zehn Episoden werden wöchentlich freigeschaltet, die ersten drei sind jetzt auf Deutsch verfügbar.

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