Herbststurm über Deutschland : Tief "Mortimer": Ein Toter in Sachsen-Anhalt – Bahnverkehr wieder frei

Vermutlich durch eine Sturmböe von Tief 'Mortimer' geriet dieser Lkw auf einer Bundesstraße in Sachsen ins Schlingern und landete neben der Fahrbahn.
Vermutlich durch eine Sturmböe von Tief "Mortimer" geriet dieser Lkw auf einer Bundesstraße in Sachsen ins Schlingern und landete neben der Fahrbahn.

Tief "Mortimer" hat den Bahnverkehr empfindlich gestört. Ein Autofahrer wurde vom einem Baum erschlagen.

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30. September 2019, 06:29 Uhr

Dortmund | Starker Wind und viel Regen: Herbststurm "Mortimer" hat vielerorts in Deutschland Probleme verursacht und vor allem den Fernverkehr der Bahn empfindlich getroffen. Einige Strecken waren zeitweise gesperrt, Reisende mussten Geduld aufbringen. Ein Autofahrer wurde bei Wittenberg (Sachsen-Anhalt) von einem umstürzenden Baum erschlagen. Im Laufe des Montags normalisierte sich die Lage wieder. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim räumte die Feuerwehr auf mehreren Bundesstraßen Bäume und Äste von der Straße.

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Die Deutsche Bahn hatte ihren Fernverkehr in Norddeutschland wegen "Mortimer" am Montagmorgen weitgehend eingestellt. Auch in Bayern und Baden-Württemberg war der Bahnverkehr beeinträchtigt. Wegen eines umgestürzten Baums wurden am Vormittag die Strecke Nürnberg-Augsburg gesperrt und die Züge des Fernverkehrs umgeleitet, wie ein Bahnsprecher sagte. Die Verbindung war nach Beseitigung des Hindernisses am Nachmittag wieder frei.

Auch andere Sperrungen wurden bald wieder aufgehoben – etwa die Verbindungen Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg.

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Auf der Fernstrecke Berlin-Göttingen entfielen aber auch am Nachmittag noch die Stopps in Braunschweig und Hildesheim, dafür wurden Ersatzhalte in Hannover Messe/Laatzen und Wolfsburg eingerichtet, wie die Deutsche Bahn mitteilte.


Vier Menschen mit Hubschrauber gerettet

Mit einem Hubschrauber mussten direkt der Nordseeküste bei Jade in Niedersachsen vier Menschen gerettet werden, die in ihren Autos in einem Überflutungsgebiet eingeschlossen wurden. Die Rettungskräfte setzten nach Angaben der Polizei bei dem Einsatz vom Montagmittag die Winde des Helikopters ein, um die vier Betroffenen im Alter zwischen 28 und 55 Jahren auf den nahen Deich abzusetzen.

Wie die Beamten weiter mitteilten, handelte es sich dabei um zwei Paare, die trotz der Warnbeschilderung in den sturmflutgefährdeten tieferliegenden Bereich gefahren waren. Bei einsetzender Flut wurde ihnen der Rückweg abgeschnitten. Ein Paar war demnach ein ortsunkundiges Urlauberehepaar. Beide Autos wurden überflutetet.

Autofahrer von Baum erschlagen

Bei Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist ein 41 Jahre alter Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Der Mann war am Montag gegen 8.30 Uhr mit seinem Fahrzeug auf einer Landstraße unterwegs. "Aufgrund von Sturmböen stürzte ein Baum auf das Auto", sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Dessau-Roßlau. Der 41-Jährige wurde im Fahrzeug eingeklemmt, er starb noch an der Unfallstelle.


Angesichts des Sturmtiefs Mortimer warnte die Polizei vor Starkwinden auf Autobahnen in Sachsen-Anhalt. Lastwagen könnten von ihren Fahrspuren abkommen oder sogar umkippen. Autofahrer sollten langsamer und vorsichtiger fahren als sonst.

Dramatische Stunden für 300 Schafe

Eine spektakuläre Rettungsaktion erlebten hingegen Hunderte Schafe auf einer Weide in Dortmund. Starke Regenfälle hatten die Weide mit rund 300 Tieren geflutet. Die Feuerwehr habe ein Rettungsboot eingesetzt und Stege gebaut, um die Tiere vor dem Ertrinken zu retten, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte am frühen Montagmorgen. Bis 2 Uhr waren den Angaben zufolge 200 Tiere von der Weide geholt worden. Die Wiese stand nach Angaben eines dpa-Fotografen anderthalb bis zwei Meter unter Wasser. Mehrere Tiere, darunter auch Lämmer, seien in den Wassermassen verendet. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 120 Einsatzkräften vor Ort.

Einsatzkräfte der Feuerwehr tragen ein Schaf über eine überflutete Wiese.
dpa/Marcel Kusch
Einsatzkräfte der Feuerwehr tragen ein Schaf über eine überflutete Wiese.


Im Neuruppin in Brandenburg wurde ein Mensch wegen des Sturms unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt. Die Person sei aber ansprechbar und werde behandelt, sagte eine Polizeisprecherin am Montagvormittag.

Auf der A31 im Emsland warfen Sturmböen einen Lastzug um. Der Fahrer sei bei dem Unfall nach ersten Erkenntnissen leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Er habe in Höhe Wietmarschen-Lohne die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und sei mit dem Gespann auf die Seite gekippt. Die Autobahn wurde zwischen den Anschlussstellen Emsbüren und Lingen in beide Richtungen voll gesperrt.

Auf einer Landstraße bei Möckern in Sachsen-Anhalt wurde ein Auto von einem Baum getroffen. Das Fahrzeug wurde stark beschädigt, der Fahrer blieb unverletzt, wie die Polizei in Burg mitteilte.

Wegen der Gefahr herabfallender Äste blieben am Montag in Berlin der Zoo sowie der Tierpark geschlossen. Die Tiere seien vorsorglich in Häusern, Stallungen und Unterständen untergebracht worden. Auch die Landesgartenschau in Brandenburg blieb geschlossen.

In Fallersleben bei Wolfsburg fuhr ein ICE gegen einen auf die Gleise gestürzten Baum. Der Lokführer sei dabei leicht verletzt worden, sagte ein Bahnsprecher in Hamburg. Die etwa 250 Passagiere im Zug kamen mit dem Schrecken davon, wie die "Wolfsburger Nachrichten" berichteten. Busse holten sie ab und brachten sie nach Wolfsburg. Bei dem Unfall wurde die Oberleitung beschädigt, die Scheibe des Führerhauses zersplitterte.

Der ICE musste von einer Diesellok abgeschleppt werden.
dpa/Julian Stratenschulte
Der ICE musste von einer Diesellok abgeschleppt werden.


In und um Hamburg mussten Autofahrer Geduld haben. "Teilweise standen die Straßen unter Wasser, und viele Verkehrsteilnehmer sind wegen der schlechten Sichtverhältnisse recht vorsichtig gefahren", sagte ein Sprecher der Verkehrsleitstelle in Hamburg.

Wegen des Sturmtiefs waren am Montag in Sachsen zeitweise Tausende Haushalte ohne Strom. Weil Bäume auf Stromleitungen fielen, waren 5600 Haushalte in Markranstädt im Landkreis Leipzig ab 7 Uhr von der Versorgung abgeschnitten.

Die Verwaltung des Nationalparks Harz warnte wegen des Sturmtiefs vor einem Betreten der Wälder in dem Mittelgebirge. Es könnten jederzeit Bäume umstürzen, wie Sprecher Friedhart Knolle sagte. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig wurden am frühen Montagmorgen Windgeschwindigkeiten von knapp 145 Kilometern pro Stunde auf dem höchsten Berg des Mittelgebirges, dem Brocken, gemessen.

Sturm zieht Richtung Osten

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Tief Mortimer ins Baltikum weiterziehen. Am Montag hieß es zudem, dort, wo schauerartige Regenfälle hinzu kämen, könnten sich die Windgeschwindigkeiten auf Orkanstärke steigern. An diesen Orten drohten auch Unwetter mit Windgeschwindigkeiten von 110 Kilometern in der Stunde. Im Westen hingegen sei die Lage wieder weitgehend stabil.


Der Deutsche Wetterdienst hatte das Tief "Mortimer" als ein kleines Tief, "das recht flink unterwegs ist und nicht unterschätzt werden sollte", angekündigt. Gefahrenpotenzial sah der DWD unter anderem, weil die Bäume noch voll belaubt seien und dem Wind damit eine große Angriffsfläche böten, so dass sie auch bei nicht ganz so hohen Windstärken umstürzen könnten.

Von Dienstag an sollte sich die Wetterlage laut DWD aber wieder entspannen. Dann sei nur noch mit einem mäßigen Südwest-Wind zu rechnen. Ab den Nachmittagsstunden seien mancherorts noch Gewitter möglich.

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