Weg mit dem Schirm : Starkregen und Gewitter: So verhalten Sie sich bei Unwetter richtig

Bis zum Wochenende kann es deutschlandweit zu Gewittern kommen.
Bis zum Wochenende kann es deutschlandweit zu Gewittern kommen.

In den kommenden Tagen bleibt das Wetter laut Deutschem Wetterdienst weiter unbeständig – Unwetter sind möglich.

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15. August 2020, 14:04 Uhr

Hamburg | Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen, hochgespülte Gullydeckel, umgekippte Bäume und eine Kläranlage außer Betrieb: Ein Unwetter mit Starkregen hat die Feuerwehr in Teilen von Nordrhein-Westfalen mächtig auf Trab gehalten. Allein im münsterländischen Kreis Warendorf gab es am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag 375 Einsätze, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Auch am Morgen gebe es immer noch vereinzelte Einsätze, bisher rund 20. Betroffen vom Umwetter war auch das Osnabrücker Land – mit 57 Einsätzen.

"Unwetter kommen zwar immer wieder mal vor, aber das war die Spitze des Eisbergs in den letzten zwei Jahren", so der Sprecher im Kreis Warendorf. 405 Feuerwehrkräfte seien aufgrund einer Vielzahl vollgelaufener Keller und Straßenüberflutungen im Einsatz gewesen. Schwerpunkt war mit 200 Fällen der Raum Beckum, gefolgt von Drensteinfurt und Telgte. Der größte Einsatz war laut Feuerwehr in einer Kläranlage in Drensteinfurt, die kurzzeitig außer Betrieb war – sechs Stunden habe dieser gedauert.

Unwetter auch im Ruhrgebiet

Auch im Ruhrgebiet zog das Unwetter seine Kreise. In Dortmund zählte die Feuerwehr seit Freitagabend 70 Einsätze, wie ein Sprecher berichtete. Neben umgekippten Bäumen und abgebrochenen Ästen seien etwa im westlichen Stadtteil Huckarde drei Straßen überflutet gewesen und 15 Keller kontrolliert worden. Teilweise hätten auch die Bewohner selbst die eingedrungenen Wassermassen abgeschöpft. In Bochum seien 150 Kräfte an mehr als 50 Stellen im Einsatz gewesen, wie die Feuerwehr noch in der Nacht auf Samstag mitteilte. Überwiegend hätten große Mengen Wasser aus Kellern herausgepumpt und verlegte Abläufe freigelegt werden müssen, um einen Wasserabfluss zu ermöglichen.

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Am schlimmsten habe das Unwetter im nördlichen Ruhrgebiet und im Münsterland gewütet, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Essen. Der meiste Starkregen sei mit 86,5 Litern pro Quadratmeter in Wadersloh (Kreis Warendorf) gemessen worden. In den kommenden Tage bleibe das Wetter weiter unbeständig. Es könne erneut einiges an Niederschlägen herunterkommen, so die Meteorologin. Wo die Schwerpunkte liegen und wann sich die Lage beruhigt, lasse sich nicht vorhersagen. Am Samstag ist laut DWD örtlich erneut heftiger Starkregen mit Mengen von 40 bis 70 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit möglich. Dazu kämen stürmische Böen sowie Hagel.

Wie sie sich bei einem Unwetter richtig verhalten, sollten Sie sich im Freien aufhalten, lesen Sie hier.

Ab wann wird es gefährlich?

Schon wenn Donner zu hören ist, sollte man gefährdete Bereiche, wie zum Beispiel ein freies Feld oder einzeln stehende Bäume verlassen, rät der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Das Gewitter ist in diesem Fall weniger als zehn Kilometer entfernt. Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als zehn Sekunden liegen, ist das Gewitter sehr nah und es kann richtig gefährlich werden.

Am besten: In ein Gebäude oder ins Auto

Den besten Schutz vor einem Gewitter bieten ein Gebäude mit Blitzableiter oder der Innenraum eines Autos. Während Sie im Fahrzeug darauf warten, dass das Gewitter vorbeizieht, können Sie zum Beispiel beim Bier diskutieren, warum genau das Auto beim Blitzschlag ein sicherer Ort ist (Stichwort: Faradayscher Käfig)

Einzelne Bäume und Strommasten meiden

Da Blitze vorzugsweise in den höchsten Punkt in der Umgebung einschlagen, sollte man folgende Orte und Bauwerke bei Gewitter möglichst meiden: Berggipfel, Bäume, Türme, Masten, Überlandleitungen und Antennen. Auch an Zäune sollte man sich nicht anlehnen, rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Baden im Freien sollte man während eines Gewitters unter keinen Umständen und auf offenem Gelände zu stehen ist ebenfalls keine gute Idee: So wird man schnell selbst zum höchsten Punkt in der Umgebung.

Weg mit dem Regenschirm, runter vom Fahrrad

Nicht umsonst sind Blitzableiter aus Metall, denn Sie sollen die Elektrizität des Blitzes weiter in den Boden leiten. Das bedeutet aber auch: Im Gewitter bloß keine Regenschirme verwenden und auch nicht mit dem Fahrrad fahren, denn unter Umständen werden solche metallenen Gegenstände sonst unfreiwillig zum Blitzableiter.

Im Notfall: Hocken oder Hüpfen

Es klingt etwas albern, ist aber durchaus ernst gemeint: Sollte es in der näheren Umgebung keine Schutzmöglichkeit geben, rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe dazu, sich mit eng zusammen stehenden Füßen in eine Mulde zu Hocken und sich so möglichst klein zu machen. Wer sich unbedingt aus dem Zentrum eines Gewitters entfernen muss oder will, sollte dies hüpfend mit geschlossenen Beinen tun. So soll die Gefahr der sogenannten Schrittspannung vermieden werden: Stehen die Füße, weil man gerade einen Schritt macht, auseinander wenn gerade der Blitz in der Nähe einschlägt, besteht zwischen ihnen ein Spannungsunterschied und der Strom kann durch den Körper fließen.

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