Arbeitskräfte aus Rumänien : Spargelernte in vollem Gang: Erfahrene Erntehelfer fehlen noch

Erntehelfer stechen auf einem Feld mit einer elektrischen Erntemaschine Spargel.
Erntehelfer stechen auf einem Feld mit einer elektrischen Erntemaschine Spargel.

Der Spargel wächst auf den Feldern, er muss geerntet werden. Nur fehlt es wegen der aktuellen Reisebeschränkungen an erfahrenen Erntehelfern auf den Feldern.

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11. April 2020, 09:20 Uhr

Hannover | Trotz eines Mangels an Erntehelfern ist in diesen Tagen die Ernte auf den niedersächsischen Spargelfeldern angelaufen. "Die Betriebe bereiten sich auf das Ostergeschäft und das Geschäft danach vor", sagte der Geschäftsführer der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst. Derzeit seien etwa 50 bis 60 Prozent der meist aus Rumänien kommenden Erntehelfer auf den Betrieben. Wegen der Corona-Krise war die Einreise von Saisonarbeitskräften nach Deutschland zunächst untersagt, dann aber doch unter bestimmten Bedingungen erlaubt worden: Sie dürfen unter anderem nur per Flugzeug nach Deutschland reisen. Auf den Höfen dürfen sie zwar arbeiten, stehen aber doch unter Quarantäne. Im April und Mai wird jeweils für 40 000 Erntehelfer die Einreise ermöglicht. Die Betriebsleiter müssen ihren Bedarf bei einem Portal anmelden und die Flugreise sowie den Transfer zum Betrieb bezahlen.

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Die Kundennachfrage nach Spargel ist unterdessen gut. Allerdings ist auch das Angebot geringer, so dass im Moment der Kilopreis sehr hoch ist. In der vergangenen Woche habe der Durchschnittspreis für deutschen Spargel pro Kilo für Verbraucher bei 11 Euro gelegen, das seien 80 Cent mehr als zum entsprechenden Vorjahreszeitraum, sagte Michael Koch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Derzeit fällt das Geschäft mit Restaurants komplett weg - normalerweise werde 30 Prozent der Ernte von der Gastronomie abgenommen, sagte Eickhorst. In den jetzigen Corona-Zeiten werde der Spargel nur im Lebensmitteleinzelhandel und über den Hofverkauf abgesetzt. Der Einsatz von anderen Arbeitskräften wie Studenten oder Beschäftigten aus der Gastronomie, die im Moment unter Kurzarbeit leiden, habe auch zugenommen, sagte Eickhorst. "Auf den Feldern kann man sie aber kaum einsetzen, wenn, dann eher im Verkauf oder zum Transport." Das Spargelstechen sei eine harte Arbeit, die auch viel Erfahrung erfordere. Auf einigen Betrieben würden aber auch Köche mit Erfolg in der Spargelernte eingesetzt. "Die sind harte Arbeit und lange Arbeitsschichten gewohnt", sagte Eickhorst.

Betriebe rechnen mit geringerer Ernte

Insgesamt rechnen die Betriebe mit einer geringeren Ernte, nicht nur beim Spargel. Wegen des Mangels an Saisonkräften habe er Pflanzarbeiten auf seinen Erdbeerfeldern nicht erledigen können, sagte Fritz Borgmeyer aus Dissen bei Osnabrück. "Wir haben das gecancelt." Er hofft, dass dieses Wochenende Arbeitskräfte aus Rumänien auf seinem Hof ankommen, damit er die Spargelernte hochfahren kann. Im Moment arbeite er nur mit einer Rumpfmannschaft. "Es wird sehr, sehr eng."

Der Betrieb von Jörg Heuer in Burgwedel bei Hannover hat bereits vor der Schließung der Grenze seine Saisonkräfte auf den Hof bringen können. Allerdings sei nicht die alte, eingearbeitete Truppe da, sondern viele neue Leute, die noch nicht eingearbeitet seien. "Immerhin haben wir eine Truppe da. Das können nicht alle Betriebe von sich sagen." Als Folge habe die Ernte nicht mit der üblichen Schlagkraft gestartet werden können. Die Landwirte können das Wachstum des Spargels durch das Auflegen von Folien auf den Dämmen regulieren. Er habe den Erntebeginn "ausgebremst", sagte Heuer. Das mache sich nun in der Osterwoche bemerkbar.

Kritik an den Regeln zur Einreise der osteuropäischen Saisonarbeiter kommt vom Agrarexperten der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe erhebliche Gesundheitsrisiken für die Arbeitskräfte in Kauf genommen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Einreisenden früher oder später auch Infizierte sein würden oder dass sich die Menschen vor Ort ansteckten. "Werden die Betroffenen dann ausreichend geschützt und wer trägt in diesem Fall die Kosten?", fragt Ostendorff.

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