Sturz in Brunnenschacht : Familie bangt: Bergung des zweijährigen Julen geht nur langsam voran

Rettungskräfte arbeiten mit Gerätschaften an dem Ort, wo weiter nach dem zweijährigen Julen gesucht wird, der in einem tiefen Brunnenschacht vermutet wird.
Rettungskräfte arbeiten mit Gerätschaften an dem Ort, wo weiter nach dem zweijährigen Julen gesucht wird, der in einem tiefen Brunnenschacht vermutet wird.

Die Retter wollen die Hoffnung nicht aufgeben – doch sie stoßen auf immer neue Probleme.

svz.de von
21. Januar 2019, 21:31 Uhr

Málaga | Die dramatische Suche nach dem spanischen Jungen in einem tiefen Brunnenschacht geht auch mehrere Tage nach dem Verschwinden des Zweijährigen intensiv weiter. Die Helfer kommen bei der Bohrung des parallel verlaufenden Bergungstunnels langsamer als geplant voran. So stießen sie bei der Bohrung des Bergungstunnels erneut auf zum Teil "extrem harte Felsbrocken", zitierten spanische Medien am Montag den Sprecher der Helfer, Ángel García Vidal. Hunderte Retter führten einen "titanischen Kampf", der von Rückschlägen geprägt sei, schrieb die Zeitung "Diario Sur".

Zeitpunkt der möglichen Rettung weiter unklar

Bis zum Montagmorgen hatten sie 52 von insgesamt 60 Metern gegraben, bis zum Abend desselben Tages kamen sie nur drei Meter weiter, berichteten spanische Medien unter Berufung auf die Rettungsteams am Unglücksort in Totalán nahe der andalusischen Küstenstadt Málaga. Demnach fehlten noch fünf Meter, um den ersten vertikalen Tunnel fertigzustellen.

Spanische Medien bieten einen Livestream zur Bergung an:

Wenn der erste vertikale Tunnel fertiggestellt ist, wollen Experten per Hand einen vier Meter langen horizontalen Tunnel graben, um zu dem Ort zu gelangen, an dem der zweijährige Julen vermutet wird. Dies bedeutet Berechnungen zufolge, dass der Junge voraussichtlich nicht vor Dienstag wird geborgen werden können. Einen genauen Zeitpunkt konnten die Experten nicht nennen, jedoch sprachen Helfer am Abend von mindestens 32 weiteren Stunden.

Von dem Jungen gibt es seit dem 13. Januar kein Lebenszeichen. Mit jeder Minute werden deshalb die Hoffnungen auf einen glücklichen Ausgang geringer. Experten versichern allerdings noch immer, es sei nicht ausgeschlossen, dass das Kind noch am Leben sei.

Tüte Süßigkeiten im Schacht gefunden

Der Kleine soll bei einem Ausflug seiner Familie ins Loch gefallen sein, das einen Durchmesser von nur 25 bis 30 Zentimetern hat. Bei Kameraaufnahmen wurde im Schacht in einer Tiefe von gut 70 Metern eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die Julen bei sich hatte. Lose Erde verhinderte ein tieferes Vordringen mit der Kamera. Experten versicherten, ein vergleichbarer Notfall sei weltweit noch nie dagewesen.

Nach Fertigstellung des Tunnels, der parallel zum Schacht verläuft, sollen die Wände des Lochs befestigt werden, um Erdrutsche zu verhindern. Anschließend sollen erfahrene Minenarbeiter mit Spitzhacken und Presslufthämmern unten eine horizontale Verbindung zum Schacht herstellen, in dem Julen vermutet wird. Wie lange sie dafür genau brauchen werden, war unklar. Die Zeitung "La Vanguardia" zitierte einen Experten mit den Worten, der kritischste Moment stehe den Rettern noch bevor, "wenn sie nur noch wenige Meter von Julen entfernt sein werden".

Die Hoffnung nicht aufgeben

Der Schacht, der nach Medienberichten ohne Genehmigung auf der Suche nach Wasser gebohrt wurde, ist 107 Meter tief. Die Retter hoffen, das Kind in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern finden zu können. Eine Plattform zur Stabilisierung der Bohrmaschine war in etwa 20 Metern Tiefe angebracht worden. Um auf die angepeilte Tiefe von 80 Metern zu gelangen, fehlten am Montagabend offenbar noch immer einige Meter.

Anwohner aus Totalán zeigen seit einer Woche unermüdlich ihre Solidarität mit dem Kind und seinen verzweifelten Eltern. Mit Plakaten und Schildern versuchten sie, der Familie Mut zu machen. "Ganz Spanien steht Euch bei", war da zu lesen, "Hoffnung" oder – auf einem herzförmigen Transparent – schlicht "Julen".

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