"Solar Orbiter" : Sonde gestartet: Europas spektakulärste Expedition zur Sonne

Die neue ESA-Raumsonde zur Sonnenbeobachtung wird am 10. Februar 2020 von Cape Canaveral aus starten.
Die neue ESA-Raumsonde zur Sonnenbeobachtung wird am 10. Februar 2020 von Cape Canaveral aus starten.

Die Reise der "Solar Orbiter" zur Sonne ist die bislang ehrgeizigste Mission der ESA.

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09. Februar 2020, 21:00 Uhr

Die neue Esa-Sonde "Solar Orbiter" ist am Montagmorgen von Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus in Richtung Sonne gestartet. An Bord einer Atlas V 411 Rakete hob der Orbiter um kurz nach 5 Uhr (MEZ) ins All ab. Die nach Schätzungen insgesamt fast 1,5 Milliarden Euro teure Mission soll neue Erkenntnisse zu unserem rund 150 Millionen Kilometer entfernten Heimatstern ermöglichen.

Turbulente Oberfläche im Visier

Der "Solar Orbiter" gilt als bislang ehrgeizigste Sonnenmission der Europäischen Weltraumagentur ESA - wobei die US-Raumfahrtbehörde Nasa maßgeblich an dem Forschungsprojekt beteiligt ist. Auf ihrer mit Spannung erwarteten Reise wird die europäische Sonnensonde die turbulente Sonnenoberfläche, ihre heiße äußere Atmosphäre und Veränderungen des Sonnenwinds ins Visier nehmen.

Grafik: dpa
dpa
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Swing-by-Manöver an der Venus

Dabei soll die mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten bestückte Sonde auch erstmals Bilder der noch unerforschten Polarregionen unserer Sonne aufnehmen. Dazu wird der Orbiter laut ESA die Anziehungskraft des Planeten Venus für sogenannte Swing-by-Manöver nutzen. Sie ermöglichen es der Raumsonde, sich aus der Ekliptikebene des Sonnensystems herauszukatapultieren.

Neuer Blick auf Polargebiete

Denn mit einem Swing-by können Raumsonden ihre Geschwindigkeit verringern oder erhöhen. Durch das Verlassen der Ekliptik- oder auch Erdbahnebene eröffnet sich dann dem "Solar Orbiter" und damit den Wissenschaftlern ein ganz neuer "Blick" auf die noch nicht kartografierten Polargebiete der Sonne.

Hitzeschutz für Instrumente

Die Raumsonde wird die Sonne in einem elliptischen Orbit umkreisen und sich in dessen sonnennächstem Bereich innerhalb der Umlaufbahn des Merkur bewegen, des innersten Planeten unseres Sonnensystems. Dabei werden die wissenschaftlichen Instrumente des "Solar Orbiter" mit einer innovativen Hitzeschildtechnologie geschützt - denn so nah an der Sonne herrschen bis zu 13 Mal so hohe Temperaturen wie in Erdumlaufbahnen.

Dieses Foto mit Langzeitbelichtung zeigt die Rakete, die die Sonde ins All schießt. Foto: imago images/UPI Photo/JOE MARINO - BILL CANTRELL
Dieses Foto mit Langzeitbelichtung zeigt die Rakete, die die Sonde ins All schießt. Foto: imago images/UPI Photo/JOE MARINO - BILL CANTRELL


Auch Nasa-Sonde sammelt Daten

Darüber hinaus wird die Mission auch die ergänzenden Datensätze nutzen, die von der im August 2018 gestarteten Nasa-Raumsonde "Parker Solar Probe" gesammelt werden. So können mehr wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, als wenn die Beobachtungen der beiden Sonden getrennt voneinander ausgewertet würden, wie die ESA im Vorfeld mitteilte.

Heliosphäre wird untersucht

Der "Solar Orbiter" wird laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auch die innere Heliosphäre untersuchen - also den Bereich um die Sonne, der stark vom Sonnenwind, den solaren Magnetfeldern und energetischen Teilchen bestimmt wird. Die Mission soll demnach Antworten geben auf eine zentrale Frage der Sonnenphysik: Wie erzeugt und beeinflusst die Sonne die Heliosphäre?

Messungen Nahe der Sonne nötig

In der die Sonne umgebenden Heliosphäre können fundamentale physikalische Prozesse aus der solaren, astrophysikalischen und Plasmaphysik im Detail untersucht werden - was auf der Erde nicht möglich wäre. Denn die entsprechenden physikalischen Bedingungen lassen sich in irdischen Labors nicht reproduzieren. Für die Untersuchungen sind also Messungen nahe der Sonne erforderlich, denn nur dort sind dem DLR zufolge die Feld- und Teilchenumgebung noch vergleichsweise ursprünglich und unbeeinflusst.

Deutsche Institute beteiligt

An sechs der zehn Wissenschaftsintrumente an Bord des Orbiters sind Forschungseinrichtungen und Institute aus Deutschland beteiligt, nämlich das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen, das Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Universität Kiel, das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam und das Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg.

Das Missionsbetriebszentrum für den "Solar Orbiter" ist im European Space Operations Centre (Esoc) in Darmstadt angesiedelt, der wissenschaftliche Betrieb wird vom European Space Astronomy Centre (Esac) im spanischen Villafranca gesteuert.

Abheben soll Europas Sonnenorbiter am frühen Montagmorgen mit einer Atlas-V-411-Rakete vom Nasa-Startplatz am Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Seine Reise zum Zentrum unseres Sonnensystems dauert dreieinhalb Jahre. Ausgelegt ist die ambitionierte Wissenschaftsmission auf insgesamt zehn Jahre.

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