Alaska, Sibirien, Grönland : Seit Juni brennt die Arktis: Luftverschmutzung erreicht Rekordwerte

Waldbrand in der grönländischen Qeqqata Kommunia am 13. Juli, aufgenommen vom NASA-Satellit Landsat 8.
Waldbrand in der grönländischen Qeqqata Kommunia am 13. Juli, aufgenommen vom NASA-Satellit Landsat 8.

Die Zahl der Brände in hohen nördlichen Breiten ist so groß wie nie. Riesige Waldflächen sind in Gefahr.

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27. Juli 2019, 20:41 Uhr

New York/Reading/Moskau | In der Arktis und anschließenden Regionen toben Forschern zufolge Waldbrände in einer bislang nicht gemessenen Zahl. In Alaska, Kanada und Sibirien gebe es Dutzende Brandherde, teilte das von der EU finanzierte "Copernicus Atmosphere Monitoring Service" (Cams) im britischen Reading mit. Auch wenn Waldbrände im hohen Norden im Sommer immer wieder vorkommen, sei die Anzahl um ein Vielfaches höher als in den Vorjahren.

Dadurch gibt es auch eine extreme Luftverschmutzung und Erzeugung von Hitze, wie aktuelle Cams-Daten zeigen. Demnach waren die CO2-Emissionen in der Arktis mit 60 Megatonnen für den Monat Juli bislang doppelt so hoch wie in den entsprechenden Monaten der Vorjahre. Der Wert, der bis zum 24. Juli erfasst wurde, war auch deutlich höher als in jedem in der Statistik aufgelisteten Jahr seit 2003.

Mitte Juli hatte das Cams, das im Auftrag der Europäischen Union den Zustand der Atmosphäre beobachtet, bereits Alarm geschlagen und mitgeteilt, dass Satellitenaufnahmen mehr als 100 schwere Waldbrände innerhalb des nördlichen Polarkreises zeigten. Die im Juni emittierten 50 Millionen Tonnen CO2 – der Jahresausstoß von Schweden – hätten die Juni-Emissionen der vergangenen acht Jahre zusammen überstiegen.

Brände so groß wie 100.000 Fußballfelder

Die Forscher betonten, dass sommerliche Feuer zwar normal, Größe und Dauer dieser Brände aber sehr ungewöhnlich seien. Einige der Herde seien etwa so groß wie 100.000 Fußballfelder. Alleine in Alaska seien in diesem Jahr schon etwa 400 Brände ausgebrochen.

Cams-Wissenschaftler Mark Parrington führte die hohen Zahlen auf die Temperaturen in der Arktis zurück, die weitaus schneller stiegen als im globalen Mittel. "Bei wärmeren Bedingungen können Feuer leichter anwachsen und auch länger andauern, wenn sie einmal entfacht sind." Alleine im Gebiet der Waldbrände in Sibirien waren die Juni-Temperaturen der Organisation zufolge im Schnitt fast zehn Grad höher als im Durchschnitt zwischen 1981 und 2010. Zudem trage Trockenheit in der Arktis zu den Bränden bei. Die bei den Bränden freigesetzte CO2-Massen würden wiederum die globale Erwärmung befördern.

Alaska

Im von Waldbränden heimgesuchten US-Bundesstaat Alaska ist die Gefahr für weitere Feuer derzeit so hoch wie noch nie. "Was die Voraussetzungen angeht, befinden wir uns auf einem Allzeithoch", sagte der Chef der Feuerbekämpfung Alaskas, Norm McDonald, der Deutschen Presse-Agentur. Die Kennzahlen für die Gefahr von Waldbränden seien in diesem Sommer "beispiellos" und im Vergleich zu normalen Jahren doppelt so hoch.

Ein aktueller Lagebericht des Koordinationszentrums in Alaska weist alleine dort knapp 250 aktive Brände aus, von denen etwa 200 unkontrolliert lodern. Betroffen ist demnach eine Fläche von rund 9000 Quadratkilometern, was knapp der Hälfte Sachsens entspricht. Waldbrände, meistens ausgelöst von Blitzen oder durch Menschen, sind in den Sommermonaten im dicht bewachsenen Alaska dabei keine Seltenheit. Norm McDonald zufolge gab es Jahre mit ähnlich großen Brandflächen wie zurzeit.

Die Waldbrandsaison ist in Alaska in diesem Jahr besonders heftig. Foto: imago images/U.S. Army
Die Waldbrandsaison ist in Alaska in diesem Jahr besonders heftig. Foto: imago images/U.S. Army

Die Folgen des Klimawandels sind in Alaska teils katastrophal. Entlang der alaskischen Küste leiden die dort lebende Gemeinschaften von Ureinwohnern vielerorts unter den Folgen von Erosion. Der Dauerfrostboden, der rund 85 Prozent der Oberfläche Alaskas bedeckt, löst sich auf, wodurch Gebäude einstürzen und Ökosysteme zerstört werden.

Sibirien

Nach Angaben der Forstverwaltung Russlands vom Donnerstag war im Osten des Landes bereits eine Waldfläche von insgesamt mehr als zwei Millionen Hektar abgebrannt. Das entspricht etwa der Größe von Hessen. Aktuell gebe es 162 Brände auf einer Fläche von fast 150.000 Hektar. Am stärksten betroffen sei die Region Irkutsk am Baikalsee. In den meisten Fällen bestehe aber keine Bedrohung für Städte und Siedlungen, teilten die Behörden mit.

Russischen Medienberichten zufolge brennen meist Wälder in schwer zugänglichen Gebieten. Dort zu löschen, käme teurer als der Schaden, den die Feuer anrichteten. Löschtrupps rücken demnach nur an, wenn Dörfer und Städte oder Infrastruktur gefährdet seien. Nach offiziellen Angaben bekämpfen derzeit mehr als 2300 Einsatzkräfte die Feuer. Auch Löschflugzeuge werden eingesetzt.

Dichter Rauch zieht in viele Dörfer und Städte Sibiriens. Bilder aus den Regionen zeigen, wie der Himmel von Qualm bedeckt und die Sonne kaum zu sehen ist. In der Stadt Krasnojarsk rieten die Behörden den Einwohnern, nur dann nach draußen zu gehen, wenn dies wirklich notwendig sei. Rauchwolken seien mittlerweile bis zum Ural gezogen.

Der Rauch von den Waldbränden hängt über der Stadt Krasnojarsk. Foto: imago images/Andrei Samsonov/TASS
Der Rauch von den Waldbränden hängt über der Stadt Krasnojarsk. Foto: imago images/Andrei Samsonov/TASS

In Russland kommt es immer wieder zu schweren Wald- und Flächenbränden mit Verletzten und Toten. Bereits im April brannten in der Region Transbaikalien mehrere Häuser nieder. Sibirien hat derzeit mit Trockenheit und hohen Temperaturen zu kämpfen.

Grönland

An der Westküste Grönlands brennt derzeit die Tundra. Auf hunderten Hektar ehemaligem Permafrost-Boden wüten die Flammen. Flächenbrände sind auf Grönland zwar selten, aber es gab sie schon 2015 und 2017 im größeren Ausmaß.

Mitte Juli brach bei Sisimiut ein Brand aus, nachdem es eine ungewöhnlich lange und trockene Warmwetterphase gab. Sie hatte auch dafür gesorgt, dass der grönländische Eisschild einen Monat früher als üblich begann, zu schmelzen.


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