Neue Studie : Tiger-Schmuggel floriert: Jede Woche zwei Tiere beschlagnahmt

Seit 2000 seien etwa 2400 geschmuggelte Tiger beschlagnahmt worden.
Seit 2000 seien etwa 2400 geschmuggelte Tiger beschlagnahmt worden.

Die Felle der Tiger werden als Schmuck oder für Kleidung verwendet, die Knochen für traditionelle chinesische Medizin.

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21. August 2019, 14:10 Uhr

Cambridge | Der globale Tigerschmuggel floriert. Das geht aus einer aktuellen Studie der Artenschutzorganisation Traffic hervor. Demnach wird nicht nur mit den Tieren gehandelt, sondern auch mit ihren Einzelteilen – etwa Fellen oder einzelnen Körperteilen, die zur Herstellung von Schmuck oder vermeintlicher Medizin dienen.

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Traffic hat den internationalen Handel mit den bedrohten Tieren laut Studie zwischen 2000 und 2018 in 32 Ländern untersucht. Demnach wurden in dem Zeitraum 1142 Beschlagnahmungen mit rund 2400 Tigern gezählt – was etwa zwei geschmuggelten Großkatzen pro Woche entspricht.

Hintergrund: Traffic

Traffic steht für "Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce" und wurde 1976 als Kooperation der Umweltschutzunionen WWF (World Wide Fund for Nature) und der IUCN (International Union for Conservation of Nature) gegründet. Ziel der Organisation ist es, den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten zu beobachten und sich für deren Erhalt einzusetzen. Im Zentrum der Aktivitäten stehen nachhaltiger Fischfang sowie die Nutzung von Heilpflanzen, Hölzern und Tieren in der Medizin, Kosmetik, Nahrungsmittel- und Textilindustrie.

 

"Mit knapp 4000 Tieren in freier Wildbahn ist das Überleben der Tiger alles andere als gesichert. Umso erschütternder ist, dass Wilderei und Schmuggel seit Jahrzehnten ungebremst blühen und die Großkatzen weiterhin massiv in ihrem Bestand gefährden", sagt Kathrin Samson, Tiger-Referentin bei der Natur- und Umweltschutzorganisation WWF Deutschland. "Hier muss die Staatengemeinschaft eingreifen. Jedes einzelne getötete Tier ist ein Problem und muss effektiv geahndet werden."
 

Beschlagnahmungen auch außerhalb Asiens

Eine besonders wichtige Rolle im internationalen Schmuggel spielten laut Studie inzwischen auch Nachzuchten aus Tigerfarmen oder Zoos. So hätten 90 Prozent der 231 Aufgriffe in Vietnam in das Nachbarland Laos zurückverfolgt werden können, wo der Tiger als quasi ausgestorben gilt.

Insgesamt stamme die überwiegende Mehrheit von 95 Prozent der beschlagnahmten Tiger-Waren aus den 13 asiatischen Ländern, in denen die Tiere natürlich leben. Aber auch jenseits dieser Länder wurden Tiger oder Teile von ihnen aufgegriffen – etwa in Taiwan mit 39 sowie in Mexiko mit 13 konfiszierten Tieren.


"In legalen Tigerfarmen in China, aber auch in einschlägig bekannten Tigerzoos in Laos, Thailand oder auch Vietnam, werden die Großkatzen im großen Stil gezüchtet, um ihre Körperteile zu verkaufen oder Pseudo-Arzneien herzustellen", schreibt der WWF, der sich für die stufenweise Schließung der Tigerfarmen einsetzt. Der Handel mit Tigerteilen und -produkten müsse endgültig verboten werden – unabhängig davon, aus welcher Quelle sie stammten.

"Tigerfarmen sind der Nagel am Sarg"

"Tigerfarmen sind der Nagel am Sarg der Tiger", sagt Samson. "Es ist nicht nur ein brutales Geschäft, das häufig mit unfassbaren Qualen für die Tiere verbunden ist, es erhöht auch den Druck auf die wildlebenden Artgenossen. Das zusätzliche Angebot facht die Nachfrage an und suggeriert, es gäbe einen nachhaltigen Konsum von Tigerprodukten. Solche Zuchtfabriken müssen schnellstmöglich geschlossen werden."

Während die Felle der Tiger vor allem als Schmuck oder für Kleidung verwendet werden, sind die Knochen in der traditionellen chinesischen Medizin gefragt, obwohl es keinerlei wissenschaftliche Hinweise auf deren Wirksamkeit gibt.

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