Kevin und Chantal oder Marie und Paul? : Sprachforscherin: Schichten grenzen sich durch Namensvergabe voneinander ab

Immer mehr alte Namen stehen in der Liste der beliebtesten Vornamen ganz oben.
Immer mehr alte Namen stehen in der Liste der beliebtesten Vornamen ganz oben.

Wie entstehen die Trends bei der Namensvergabe?

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03. Mai 2019, 15:48 Uhr

Hamburg | Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gibt jedes Jahr der Frage nach: Welche Babynamen sind in Deutschland die beliebtesten? 2017 waren es Marie und Maximilian, 2018 dann Sophie und Paul. Es wird deutlich, dass die beliebtesten Babynamen in Deutschland seit mehreren Jahren sehr klassisch sind.

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Abgrenzung der verschiedenen Schichten

Doch wie entwickeln sich überhaupt die Trends in Sachen Vornamen? Im Gespräch mit den Nachrichtenmagazin "Spiegel" sagte Frauke Rüdebusch von der GfdS: "Die oberen Schichten überlegen sich, dass sie sich von den unteren Schichten durch Namensvergaben abgrenzen möchten." Nicht jeder wolle einen Namen vergeben, der in der ganzen Bundesrepublik bekannt sei oder der zu bestimmten Klassen zugeordnet werde.

Die oberen Klassen versuchen, sich einen Namen zu suchen, der auf der einen Seite bekannt ist, aber auf der anderen Seite lange nicht vergeben wurde. Frauke Rüdebusch, Gesellschaft für deutsche Sprache

Ähnlich sei es aber auch mit den unteren Schichten. Auch sie würden versuchen, sich durch die Namen abzugrenzen: "Sie haben die individuelleren Namen für sich reserviert, aber auch die anglophonen und frankophonen Namen", so Rüdebusch. In diesen Klassen wolle man durch die Vornamen-Vergabe auffallen, sich an Trends orientieren und auch weltoffen wirken. Namen aus diesem Kosmos sind beispielsweise Kevin, Chantal oder Dennis.

Kommen Ursula und Horst wieder zurück?

Der Trend, dass immer mehr die Namen beliebter werden, die noch aus Großmutters Zeiten stammen, komme daher, dass es von diesen heute nicht mehr so viele Namensträger gebe. Namensmoden würden sich über Generationen entwickeln. Als Beispiele nannte Rüdebusch Namen wie Klaus, Ursula oder Horst, die derzeit überhaupt nicht beliebt seien.

Die Namensträger gibt es aber auch noch. Da gibt es die Vermutung, dass in 20, 30 Jahren diese Namen wieder beliebter werden. Frauke Rüdebusch

Heutzutage seien Laute wie "M" oder "L" und auch viele Vokale die Schönheitsideale. Bei Mia oder Leon erzeugen viele Vokale auf engem Raum viel Klang, was bei vielen Eltern gern gesehen wird. Anders war es noch vor 30 Jahren. "Da waren lange Namen mit vielen Konsonanten auf einem Fleck, wie Christian oder Stefanie, beliebt."

Die Webseite "Elterngeld.de" hat nach eigenen Angaben zwischen dem 1. Januar und dem 31. März 2019 46.147 Geburtsmeldungen aus ganz Deutschland unter die Lupe genommen und so einen ersten Trend für das laufende Jahr herausgestellt. Auch im kommenden Jahr werden klassische Namen wie Ben und Emma weiterhin oben in den Ranglisten zu finden sein. Doch es gibt bereits erste Überraschungen. Beispielsweise schleicht sich der Vorname Henry immer weiter nach oben. Im Frühjahr 2020 wird es dann die Gewissheit geben, welche Vornamen sich durchsetzen konnten.

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