Merkwürdiges Fluchtverhalten : Rückkehr des Wolfes gefährdet Wildschafe in Deutschland

Wildschafe fallen immer häufiger Wölfen zum Opfer. Eine Population ist bereits erloschen.
Wildschafe fallen immer häufiger Wölfen zum Opfer. Eine Population ist bereits erloschen.

Wildschafe fallen immer häufiger Wölfen zum Opfer. Grund ist auch das merkwürdige Fluchtverhalten der Tiere.

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17. April 2019, 07:15 Uhr

Göhrde/Berlin | Die Rückkehr der Wölfe könnte in Deutschland langfristig zum Verschwinden der Wildschafe führen. "Sollte sich der Wolf bundesweit etablieren, so ist nicht davon auszugehen, dass die Population in Deutschland dauerhaft bestehen wird", sagte Nabu-Artenschutzexperte Sebastian Kolberg in Berlin.

Fluchtverhalten auf Berge ausgelegt

Ursache ist das merkwürdige Fluchtverhalten, das die Wildschafe mit den schneckenförmigen Hörnern aus ihrer bergigen Heimat mitgebracht haben. Schleicht sich ein Verfolger an, so machen die Schafe einen kurzen schnellen Sprint, dann bleiben sie stehen. In ihrer Heimat konnten sie sich so auf Felsen und Klippen retten, die gibt es im Flachland aber nicht. Ein wichtiges Vorkommen in der niedersächsischen Göhrde ist bereits erloschen, es war das älteste Deutschlands.

Kolberg schränkte jedoch ein: "Die Möglichkeit, dass kleine Inselvorkommen bei entsprechenden Lebensräumen mit trockenen und felsigen Böden überleben werden, ist nicht auszuschließen."

Keine Zeit zur Anpassung

Die Vorfahren der Europäischen Wildschafe in dem Waldgebiet stammten aus Korsika und Sardinien. Bereits 1903 wurden die ersten ausgesetzt, doch blieb ihnen keine Zeit, sich dem Wolf anzupassen. Fangversuche waren gescheitert.

Die von Jägern als Muffelwild bezeichneten Tiere wurden in mehreren Ländern als Jagdwild oder schmückender Zugewinn für Parks und Waldgebiete ausgesetzt. So wurde Deutschland zu einem der Hauptvorkommen, während die Wiederkäuer in ihrer Heimat zumindest stark gefährdet sein sollen. Im Westen und Süden Deutschlands scheint es noch sehr gut um den Bestand zu stehen, anders im Osten.

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