Regionale Unterschiede : Kommt Heiligabend der Weihnachtsmann oder das Christkind?

Ein Weihnachtsmann liest aus einem Goldenen Buch.
Ein Weihnachtsmann liest aus einem Goldenen Buch.

Bald ist Weihnachten. Wer legt an Heiligabend die Geschenke unter den Tannenbaum: der Weihnachtsmann oder das Christkind?

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11. Dezember 2018, 10:15 Uhr

Hamburg | So kurz vor Weihnachten ist die Vorfreude bei den meisten Kindern riesig. Der Wunschzettel ist geschrieben und sehnsüchtig warten sie auf die Bescherung. Aber wer legt am 24. Dezember die Präsente unter den Tannenbaum? Der Weihnachtsmann auf seinem Rentierschlitten? Oder ist es doch das Christkind, das mit seinem Glöckchen die Bescherung einläutet?

Der Weihnachtsmann kommt im Norden und Osten

An welche Weihnachtsfigur die Kinder glauben, unterscheidet sich je nach familiärer Tradition und ist vor allem von der Region abhängig, in der sie leben. Wie Forscher der Universitäten Liège und Salzburg in ihrem "Atlas zur deutschen Alltagssprache" zeigten, ist in Deutschland eine markante Zweiteilung zu erkennen: Im Norden und Osten der Bundesrepublik kommt hauptsächlich der Weihnachtsmann, während im Westen und Süden Deutschlands, inklusive des katholischen Gebiets im westlichen Niedersachsen, das Christkind für die strahlenden Kinderaugen zuständig ist. Die folgende Grafik zeigt die Hoheitsgebiete von Weihnachtsmann beziehungsweise Christkind in vereinfachter Form:

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Obwohl eine deutliche Zweiteilung zu erkennen ist, bestätigen Ausnahmen die Regel. So gibt es beispielsweise auch in Nordrhein-Westfalen – vor allem im Münsterland – Gebiete, in denen die Kinder eher an den Weihnachtsmann glauben. Eine detaillierte Auflistung finden Sie hier. Einer Umfrage des Forschungsinstitutes YouGov zufolge waren im vergangenen Jahr 46 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Weihnachtsmann alleiniger Geschenkelieferant sei. 41 Prozent blieben hingegen dem Christkind treu.

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Warum glauben wir an Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind?

Neben Christkind und Weihnachtsmann ist für die meisten Deutschen in der Adventszeit auch der Nikolaus nicht wegzudenken. Doch wie sind die typischen Weihnachtsfiguren überhaupt entstanden und wofür stehen sie?

Christkind: Mit diesem Geschenkebringer ist es ein wenig wundersam: Obwohl in der biblischen Krippe ein Junge lag, wird das Christkind meist von einem Mädchen mit weißem Gewand und Flügeln dargestellt. Es hat also weniger etwas mit dem neugeborenen Jesus zu tun als mit der Vorstellung von Engeln. Heute hält das Christkind vor allem in katholischen Gegenden Einzug, obgleich der Protestant Martin Luther wohl diesen Brauch einführte. Als Gegner der Heiligenverehrung suchte der Reformator nach einer Alternative zum Nikolaus – und schwenkte im frühen 16. Jahrhundert zur Quelle: zum "Heiligen Christ" selbst, der an Weihnachten Gaben bringen sollte.

Weihnachtsmann: Gemütlich, bärtig, dicker Bauch – so verteilt er fleißig Geschenke. Sein charakteristisches rot-weißes Gewand geht zwar auf eine erfolgreiche Werbekampagne von Coca-Cola vom Beginn der 1930er Jahre zurück, doch ist er bei Weitem keine Erfindung der amerikanischen Brausebrauer. In Deutschland vereinte der Weihnachtsmann bereits im 19. Jahrhundert etwa Elemente von Nikolaus und Ruprecht und war neben dem Christkind für die Gaben zuständig. Den Nikolaus-Brauch brachten niederländische Auswanderer in die USA, daher der Name Santa Claus. Nur der Gabentag verschob sich auf die Heilige Nacht. In Deutschland kommt der Weihnachtsmann trotz des lutherischen Christkinds vor allem in evangelischen Gegenden vorbei.

Sankt Nikolaus: Über Jahrhunderte war er unter den Gabenbringern allein auf weiter Flur. Heute ist er in Deutschland eher Vorbote im Advent. Wer am Abend vor dem 6. Dezember ordentlich die Stiefel putzt, kann auf Süßes und andere Kleinigkeiten hoffen. Der nächtliche Gast geht weitgehend auf Nikolaus aus Myra (in der heutigen Türkei) zurück, der als überaus großherzig galt. Der Bischof starb Mitte des vierten Jahrhunderts, angeblich am 6. Dezember. Das Brauchtum um den Heiligen geht bis ins Mittelalter zurück, doch mit der Reformation gewannen andere allmählich an Bedeutung: das Christkind und der Weihnachtsmann.

Knecht Ruprecht: Die "unartigen" Kinder bekommen es jeher mit dem Begleiter des Nikolaus zu tun, der aus christlicher Sicht als gezähmter Teufel gilt. Ruprecht – in manchen Gegenden auch Krampus, Rumpelklas oder Percht genannt – steht für die Drohung, dass es statt Süßigkeiten Kohlestücke oder gar die Rute geben könnte. Mit der Zeit hat sich der Gehilfe aber von seinem Chef emanzipiert und nimmt auch selbst Geschenke huckepack. In manchen Gegenden – wie etwa dem Erzgebirge – kommt er noch heute an Weihnachten, so wie es etwa auch bei Theodor Storm heißt: Von drauß' vom Walde komm ich her.

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Grafik: Anna Behrend
Mit Material der dpa

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