Große Rauchwolke über der Hauptstadt : Brand am Berliner Humboldt Forum – Bauarbeiter leicht verletzt

Offenbar ist ein Bitumenkessel explodiert.
Offenbar ist ein Bitumenkessel explodiert.

Ein Bauarbeiter sei vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Feuerwehrsprecher.

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08. April 2020, 10:33 Uhr

Berlin | Feuer an der Barockfassade, Rauchwolken über dem Stadtschloss. Beim Brand auf der Baustelle des Humboldt Forums ist am Mittwoch in Berlin ein Bauarbeiter leicht verletzt worden. Am Vormittag gegen zehn Uhr waren zwei Behälter mit Gussasphalt in Brand geraten, dabei zerbarst auch eine Propangasflasche. Die Einsatzkräfte konnten das Feuer schnell löschen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Über dem 644 Millionen Euro teuren Gebäude im Zentrum der Hauptstadt war am Vormittag eine riesige Rauchwolke zu sehen.


An der im Barockstil rekonstruierten Fassade waren schwarze Rußspuren zu sehen. Ein Sprecher des Forums hatte anfangs von einer Explosion im Außenbereich gesprochen. Zu dem Vorfall sei es um zehn Uhr in einem Portal zum Schlüterhof gekommen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mehrere Arbeiter wurden von der Baustelle geholt, die Feuerwehr löschte den Brand und der Rauch zog schnell ab. Der leicht verletzte Bauarbeiter wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Rauchwolke über Berlin. Foto: imago images/Peter Meißner
Rauchwolke über Berlin. Foto: imago images/Peter Meißner


Gasflasche aufgeplatzt – Innenräume intakt

Die Polizei ging zunächst nicht davon aus, dass der Brand gelegt wurde. "Nach aktuellen Erkenntnissen unseres Lagezentrums gibt es keine Hinweise auf vorsätzliches Handeln", twitterte die Polizei. Nach dem Feuerwehreinsatz sollte ein Brandkommissariat des Landeskriminalamts (LKA) die Ermittlungen übernehmen.


In dem Neubau entsteht das Humboldt Forum. Das Kultur- und Ausstellungszentrum ist benannt nach dem Forscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und seinem Bruder, dem Universalgelehrten Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Es ist eine der größten Baustellen der Stadt und zählt aktuell zu den wichtigsten Kulturprojekten in Deutschland. Die Pläne des italienischen Architekten Franco Stella kombinieren Rekonstruktionen vor allem der Fassade des 1950 zerstörten früheren Stadtschlosses der Hohenzollern mit einer modernen Fassung des Gebäudes. Das Forum entsteht im Zentrum Berlins gegenüber der Museumsinsel auch auf dem Areal, wo einst der von 2006 an abgerissene Palast der Republik der DDR stand.

Prestigeprojekt der deutschen Kulturlandschaft

Das Humboldt Forum gehört zu den größten Prestigeprojekten der deutschen Kulturlandschaft. Geplant war die Eröffnung ursprünglich bereits im vergangenen Jahr, dann kam es aber zu Verzögerungen. Grund waren unter anderem Probleme bei Brandschutz, Heizung und Kühlung. Der erste Teil soll nun eigentlich im September eröffnet werden.

Diese Pläne sieht das Humboldt Forum durch den Brand und die Folgen nicht gefährdet. Schäden habe es vor allem im Außenbereich durch die Rauchentwicklung gegeben, dort sei die Fassade betroffen, sagte ein Sprecher des Forums. Dies habe aber keine Auswirkungen auf die Bauarbeiten. Der geplante erste Teil der Eröffnung, die sich in drei Stufen bis 2021 ziehen soll, bleibt jedoch weiter unsicher.

"Bilder haben uns Schrecken eingejagt"

Im Humboldt Forum wird aktuell auch auf die Corona-Krise verwiesen, die "bereits jetzt Auswirkungen auf die Personalkapazitäten und den Materialnachschub der dort noch tätigen Firmen" habe. Die für den Bau verantwortlichen Stellen wollen "voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte erneut über den Stand der Baumaßnahme beraten", heißt es.

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) äußerte sich zurückhaltend zu Auswirkungen auf die Eröffnungspläne. "Es ist gut, dass dieser Zwischenfall die coronabedingten Einschränkungen nicht noch weiter verschärft", sagte sie. "Die Brandbilder über dem Schlossportal haben uns allen einen Schrecken eingejagt."

Das 40.000 Quadratmeter umfassende Zentrum bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.



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