US-Bundesstaat Texas : Rassismus-Eklat: Polizisten führen schwarzen Verdächtigen am Strick ab

Eine Pferdestaffel der texanischen Polizei: Laut der offiziellen Erklärung, seien nur berittene Beamte verfügbar gewesen.
Eine Pferdestaffel der texanischen Polizei: Laut der offiziellen Erklärung, seien nur berittene Beamte verfügbar gewesen.

Angeblich sei es eine "normale Vorgehensweise", so die texanischen Beamten.

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07. August 2019, 06:18 Uhr

Galveston | Berittene Polizisten im US-Bundesstaat Texas haben einen schwarzen Verdächtigen am Strick abgeführt. Ein Foto der Szene sorgte unter anderem in sozialen Medien für Empörung. Das Vorgehen wurde als rassistisch und als makaberes Echo der Zeit der Sklaverei in den USA kritisiert. Die Polizei im Ort Galveston erklärte auf Facebook, die beiden Beamten hätten sich beim Abführen des Verdächtigen nicht optimal verhalten und hätten auf ein Transportfahrzeug warten sollen. Die beiden weißen Polizisten hätten ein "schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt, erklärte Polizeichef Vernon Hale. Er bitte den Verdächtigen wegen der "unnötigen Peinlichkeit" um Entschuldigung, so Hale.


Gleichwohl betonte der Polizeichef, bei der Methode handle es sich um eine "trainierte Technik", die in bestimmten Fällen die "beste Vorgehensweise" sei. Die Beamten hätten keine böse Absicht gehabt. Die Praxis, jemanden neben dem Pferd laufend am Strick abzuführen, sei vorerst nicht mehr erlaubt, so Hale.

Wäre ein weißer Verdächtiger genauso behandelt worden?

Der abgeführte 43-Jährige war von den Beamten laut Polizei am Samstag wegen Verdachts auf Hausfriedensbruch festgenommen worden. Eigentlich sollte er mit einem Streifenwagen zur Polizeiwache gefahren werden. Nach Angaben von Polizeichef Hale waren zu dem Zeitpunkt aber nur berittene Polizisten verfügbar. Die Polizisten legten ihm daraufhin Handschellen an, banden einen Strick daran und führten ihn ab.

Das Foto von dem Vorfall, das im Internet kursiert, zeigt, wie der mit Handschellen gefesselte Mann zwischen den beiden reitenden Polizisten läuft. Die texanische Politikerin Adrienne Bell erklärt auf Twitter, die Echtheit des Bildes zusammen mit den zuständigen Polizeibeamten überprüft zu haben. "Es ist schwer zu verstehen, warum diese Polizisten glaubten, dass der junge Mann eine Leine benötigte, da er mit Handschellen gefesselt war und zwischen zwei berittenen Beamten ging", schreibt Bell zu dem Bild.


Das Foto weckte Erinnerungen an rassistische Gewalt in der US-Geschichte, etwa an das Anketten von Sklaven und an Lynchmorde an Schwarzen. Zahlreiche Twitter-Nutzer sprachen von Rassismus und klagten, ein weißer Verdächtiger wäre von der Polizei nie derart behandelt worden. Einzelne Nutzer forderten, die Polizisten sollten gefeuert werden. Ein weiterer Twitter-Nutzer erklärte, er hoffe, der Verdächtige werde die Polizei auf Schadenersatz verklagen.

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