24 Festnahmen nach Straßenschlachten : Ausschreitungen in Stuttgart: 19 verletzte Beamte

Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben dutzende gewalttätige Kleingruppen die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt.
Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben dutzende gewalttätige Kleingruppen die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt.

Mehrere Kleingruppen haben sich in der Nacht zu Sonntag Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.

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21. Juni 2020, 08:35 Uhr

Stuttgart | Bei den Krawallen und Ausschreitungen in Stuttgart in der Nacht zum Sonntag sind 19 Beamte verletzt worden – einer davon sei dienstunfähig. Die Zahl könne sich noch erhöhen, da die Beamten im Einsatz sich oft erst später mit Verletzungen meldeten, sagte Polizeivizepräsident Thomas Berger am Sonntag bei einer Pressekonferenz im Stuttgarter Rathaus. In der Nacht seien insgesamt 24 Personen vorläufig festgenommen worden.

Die Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt waren nach Angaben der Polizei nicht politisch motiviert. "Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen", sagte der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz am Sonntag. "Es war heute Nacht eine nie dagewesene Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte und massive Sachbeschädigung bis hin zu Plünderungen."

Ein Polizeisprecher sagte: "Die Situation ist völlig außer Kontrolle". Nach mehreren Stunden beruhigte sich die Situation am Morgen. Einsatzkräfte aus dem gesamten Bundesland waren in die Hauptstadt beordert worden, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen.

Schwerpunkt: Stuttgarts Shoppingmeile

Im Kurznachrichtendienst Twitter kursierten Videoaufzeichnungen von jungen Männern, die gegen Schaufensterscheiben von Geschäften traten oder Pflastersteine aus dem Boden rissen. Der Polizeisprecher sagte: "Es wurde richtig randaliert." Eine ganze Reihe von Geschäften seien betroffen gewesen, zudem Fahrzeuge. Es habe auch Plünderungen gegeben. Schwerpunkte seien der Schlossplatz und die benachbarte Königstraße gewesen, die als Stuttgarts Shoppingmeile bekannt ist.

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dpa-Bildfunk/Christoph Schmidt

Drogenkontrolle als Auslöser

An den Ausschreitungen auf dem Stuttgarter Schlossplatz waren nach Angaben der Polizei 400 bis 500 Personen beteiligt. Die Polizei habe gegen 23.30 einen 17-jährigen Deutschen im Schlossgarten wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert, sagte Polizeivizepräsident Thomas Berger am Sonntag in Stuttgart.

Sofort hätten sich 200 bis 300 Personen aus der Partyszene mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Beamten vor Ort mit Steinen und Flaschenwürfen angegriffen.

Im Internet dokumentieren zahllose Videos das Ausmaß der Gewalt. Die Krawallmacher schmeißen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, schlagen Schaufenster auf der Stuttgarter Shoppingmeile ein und plündern Geschäfte. Auf einem Videoclip ist zu sehen, wie ein vermummter Mann einem knienden Polizisten mit Anlauf und mit beiden Beinen von hinten in den Rücken springt. Er stürzt, die Zuschauer johlen.

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dpa-Bildfunk/Christoph Schmidt

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach am Sonntag von einem "brutalen Ausbruch von Gewalt". "Diese Taten gegen Menschen und Sachen sind kriminelle Akte, die konsequent verfolgt und verurteilt gehören", teilte der Grünen-Politiker mit. „Die Bilder aus der Stuttgarter Innenstadt können uns nicht kalt lassen." Nun müsse man die Erkenntnisse zusammentragen und mit Hochdruck klären, wer dahinter stecke.

Ausschreitungen in vergangenen Wochen

Auch an vergangenen Wochenenden war es zu Auseinandersetzungen von überwiegend jungen Menschen mit der Polizei gekommen – allerdings nicht in dem Ausmaß wie jetzt. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu, ob die Drahtzieher der jüngsten Zerstörungen polizeibekannten Szenen zuzurechnen sind.

Korrektur der Nachrichtenagentur: In einer früheren Version endete der Text mit einem Zitat eines Polizeisprecher von vor einigen Tagen, dass die Vorfälle einer politischen Richtung zuordnet. Dieser Zusammenhang sei laut Agentur aktuell noch nicht gegeben.

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