Sebastian Fitzek im Kino : "Abgeschnitten": Wie eine Parodie, nur ohne Witze

Ganz schön irre, oder? Lars Eidinger greift in 'Abgeschnitten' seine Serienkiller-Rolle aus dem Kieler 'Tatort' noch einmal auf. Foto: Warner
Ganz schön irre, oder? Lars Eidinger greift in "Abgeschnitten" seine Serienkiller-Rolle aus dem Kieler "Tatort" noch einmal auf. Foto: Warner

Auch Lars Eidinger rettet diesen Film nicht: Sebastian Fitzeks "Abgeschnitten" kommt ins Kino.

svz.de von
09. Oktober 2018, 15:04 Uhr

Berlin | Die Vorlage war ein Bestseller. Jetzt kommt Sebastian Fitzeks "Abgeschnitten" ins Kino. Christian Alvarts Film mit Lars Eidinger als Serienkiller startet am 11. Oktober. (Von "Wuff" bis "Venom": Die Filmstarts im Oktober)


Gewaltschmonzette auf der Insel

Abgeschnitten sind in dieser Bestseller-Verfilmung nicht nur die Hände der ersten Leiche. Abgeschnitten ist auch die Heldin, und zwar vom Festland: Linda versteckt sich auf Helgoland vor einem Stalker; wegen eines Orkans sitzt sie auf der Insel fest, auf der sie bald über Tote stolpert. Schon der Filmtitel stellt eine finstere Pointe dar, und das passt. Tatsächlich wirkt die ganze Gewaltschmonzette wie eine Komödie, die jedes Klischee des Serienkiller-Kinos überzeichnet. Mit dem Unterschied, dass hier alles völlig ernst gemeint ist.

Erzählt wird eine Schnitzeljagd mit Leichen. Die Tochter eines Gerichtsmediziners wurde entführt; Hinweise auf ihren Verbleib versteckt der Täter in seinen Mordopfern. Schon das zweite allerdings ist für den Arzt nicht erreichbar, weil der Tote auf Helgoland liegt und der Fährverkehr unterbrochen ist. Der Arzt bekommt Linda ans Telefon und überredet sie, die Leichenöffnung für ihn durchzuführen. Ein Verfahren, das nicht nur illegal, sondern auch zeitraubend ist – schließlich produziert der Mörder permanent weitere Tote.

Gewalt als Entertainment: Fitzek

Der an den Haaren herbeigezogene Stoff geht auf einen Bestseller zurück, den Sebastian Fitzek gemeinsam mit dem Gerichtsmediziner Michael Tsokos geschrieben hat. In der Darstellung amputierter Zungen, aus dem Schädel getrennter Kieferknochen und improvisierter Pfählungen darf man also auf einen hohen Realismus vertrauen. Bis in den Schmatzlaut beim Anschnitt ist alles vom Experten verbürgt. Für den Rest der Geschichte gilt: Es ist Fitzek.

Seine Routinen pflegt der Autor auch in „Abgeschnitten“: Der Held ist ein Ermittler wider Willen, der spontan mit einer taffen Frau koaliert. Sein Movens ist ein Kind in Not, sein Gegner ein Killer, der jeden Umstand in Kauf nimmt, um den Schauwert seiner Taten zu steigern. Und Gewalt ist in dieser Welt ein so selbstverständliches Ausdruckmittel, dass sogar die Sympathieträger zu unkontrollierten Exzessen neigen. Im Gastauftritt als Anwalt verteidigt Sebastian Fitzek persönlich seinen Gerichtsmediziner, der einem Tierquäler sechs Rippen gebrochen hat.

Ekel ja, Angst nein

Vor einem halben Jahr konnte man all das schon in der RTL-Verfilmung von Fitzeks „Joshua-Profil“ abstoßend finden. „Abgeschnitten“ demonstriert nun: Auch mit einem Kino-Etat und Schauspielern wie Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer und Lars Eidinger ist aus so einer Vorlage kein guter Film zu machen. Immerhin: Der Regisseur Christian Alvart, bekannt für die Schweiger-„Tatorte“, findet für Fitzeks plumpe Effekte perfekte Entsprechungen: Er taucht Folterverliese in flackerndes Neonlicht, verkantet die Kamera und beleuchtet seinen Killer dämonisch von unten. Der Aasgeruch dieser Ästhetik übertrifft noch den der Leinwandleichen.

Apropos! Der Tsokos-Expertise verdankt der Film wertvolle Einsichten wie diese: Mordopfer riechen nicht nur wegen der Verwesung schlecht, sondern auch, weil sie schon beim Sterben in Hose machen. Empfindet die Ersatzpathologin Linda da nicht noch mehr Ekel als sowieso schon? „Ekel ja, Angst nein“, antwortet die Heldin. Gut gesagt! Genau dasselbe fühlt man nämlich auch im Kinosessel.

„Abgeschnitten“. D 2018. R: Christian Alvart. D: Moritz Bleibtreu, Lars Eidinger, Jasna Fritzi Bauer. 132 Minuten, ab 16 Jahren.

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