Anti-Rassismus-Proteste in Großbritannien : Statue von Sklavenhändler in Hafenbecken versenkt

Bristol: Demonstranten versenken die Statue von Edward Colston im Hafenbecken.
Bristol: Demonstranten versenken die Statue von Edward Colston im Hafenbecken.

Proteste in Großbritannien: Demonstranten im britischen Bristol bringen die Statue von Edward Colston zu Fall.

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08. Juni 2020, 06:56 Uhr

Bristol/London | Bei Anti-Rassismus-Protesten im englischen Bristol haben Demonstranten die Statue eines britischen Sklavenhändlers vom Sockel geholt und ins Hafenbecken geworfen. Wie die Videoaufnahme eines Augenzeugen zeigt, zogen Demonstranten am Sonntag eine Schlinge um den Hals der Statue von Edward Colston und brachten sie zu Fall. Unter Jubelschreien schleppten sie dann die Bronzestatue zum Hafen, wo sie das Denkmal im Fluss Avon versenkten.


Die Polizei in der Stadt im Südwesten Englands kündigte Ermittlungen an. Der im 17. Jahrhundert in eine wohlhabende Händlerfamilie geborene Colston arbeitete für die Königlich-Afrikanische Gesellschaft, die jährlich rund 5000 Menschen versklavte. Später erwarb Colston sich durch Spenden an Schulen und Krankenhäuser den Ruf eines Philantrophen.

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Bristol: Demonstrant kniet auf dem Nacken der Statue

An der Demonstration in Bristol hatten nach Angaben des örtlichen Polizeichefs etwa 10.000 Menschen teilgenommen. Einige Dutzend knöpften sich dann am Rande die Bronzestatue vor. Demonstranten trampelten auf dem umgestürzten Denkmal herum und sprühten rote Farbe in dessen Gesicht.

Die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in Bristol.
afp/Twitter/William Want/@willwantwrites
Die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in Bristol.


Zudem kniete ein Demonstrant auf dem Nacken der Statue, bevor diese in den Fluss geworfen wurde – damit bezog sich der Demonstrant auf den Tod des Afroamerikaners George Floyd vor knapp zwei Wochen. Floyd war gestorben, nachdem ein weißer Polizist fast neun Minuten lang auf seinem Nacken gekniet hatte. Der Vorfall war der Auslöser der derzeitigen weltweiten Anti-Rassismus-Proteste.

Boris Johnson verurteilt Ausschreitungen bei Anti-Rassismus-Protesten

"Heute bin ich Zeuge von Geschichte", schrieb William Want, der das Video von dem Sturz der Colston-Statue veröffentlichte, im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Bürgermeister von Bristol, Marvin Rees, erklärte, die 1895 errichtete Statue habe seit Jahren für Kontroversen gesorgt. Es sei wichtig, jenen Menschen zuzuhören, für die sie ein Affront gewesen sei.

Die britische Innenministerin Priti Patel nannte den Angriff auf die Statue jedoch "zutiefst schändlich". Sie sprach im Sender Sky News von "Vandalismus" und einem "völlig inakzeptablen Akt". Premierminister Boris Johnson verurteilte die wiederholten Ausschreitungen bei den Anti-Rassismus-Protesten, ging jedoch nicht auf das Niederreißen des Colston-Denkmals ein. Die Gewaltakte seien ein "Verrat" an den von den Demonstranten propagierten Zielen, twitterte Johnson.


London: 30 verletzte Polizisten bei Protesten

Bei Ausschreitungen während Demonstrationen gegen Rassismus in London sind fast 30 Polizisten verletzt worden. 14 Polizisten hatten bei Protesten am Samstagabend Verletzungen erlitten, 13 Einsatzkräfte in den Tagen zuvor. "Die Zahl der Übergriffe ist schockierend und völlig unakzeptabel", teilte die Chefin von Scotland Yard, Cressida Dick, am Sonntag mit. "In unserer Stadt gibt es keinen Platz für Gewalt." Die Polizei nahm 29 Personen fest. Dick lobte das Verhalten der Einsatzkräfte als besonnen.

In der Nähe des Regierungssitzes mitten in London hatten Demonstranten am frühen Samstagabend mit Flaschen geworfen sowie Raketen und anderes Feuerwerk gezündet. Eine Polizistin fiel vom Pferd und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Corona-Krise: Demonstranten verstoßen gegen Ausgangsbeschränkungen

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock verurteilte die Demonstrationen mit Blick auf die Corona-Krise scharf. "Sie sind unzweifelhaft ein Risiko", sagte Hancock am Sonntag dem Sender Sky News. Sie würden auch gegen die Ausgangsbeschränkungen während der Pandemie verstoßen. Großbritannien hat offiziellen Statistiken zufolge die meisten Corona-Todesopfer in Europa.

Dem Protest schloss sich auch der geheimnisumwitterte britische Künstler Banksy an. Er stellte auf Instagram ein neues Werk vor und kritisierte "Systemfehler" in der Gesellschaft.


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