Angriff mit fünf Toten : Messerattacke in Paris: Anti-Terror-Spezialisten übernehmen Ermittlungen

PDie tödliche Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur mit insgesamt fünf Toten gibt weiter Rätsel auf.
PDie tödliche Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur mit insgesamt fünf Toten gibt weiter Rätsel auf.

Nach der schrecklichen Tat steht weiterhin vor allem eine Frage im Raum: Warum?

von
04. Oktober 2019, 12:23 Uhr

Paris | Nach der tödlichen Messerattacke am Donnerstag im Pariser Polizeihauptquartier haben Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend.

Der Angriff mit insgesamt fünf Toten gibt weiter Rätsel auf. Ein 45 Jahre alte Mitarbeiter des Polizeihauptquartiers im Herzen von Paris hatte am Donnerstag vier Menschen mit einem Messer getötet und war dann erschossen worden. Es soll sich um drei Männer und eine Frau handeln. Der in dieser Form beispiellose Fall löste in Frankreich Entsetzen und Trauer aus. Staatschef Emmanuel Macron und Regierungsmitglieder waren am Donnerstag an den Tatort gekommen, um mit Mitarbeitern zu sprechen.

Kann man von einem terroristischen Hintergrund ausgehen?

Viele Menschen hatten den Täter nach Bekanntwerden der Tat in Online-Netzwerken als "Terroristen" und "Islamisten" bezeichnet. Viele zogen eine direkte Verbindung zu der Anschlagsserie in Frankreich, bei der seit 2015 mehr als 240 Menschen getötet wurden. "Wir haben keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung des Täters", sagte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye am Freitagmorgen dem Sender Franceinfo.

Weiterlesen: Messerangriff in Paris – Vier Polizisten getötet

Sie reagierte damit auf Berichte, nach denen der 45-jährige Angreifer 2017 zum Islam konvertiert sei. "Nur weil Sie ein Muslim sind, bedeutet das nicht, dass Sie ein Terrorist sind", sagte Ndiaye. Ein terroristischer Hintergrund sei nicht ausgeschlossen, allerdings gebe es zu diesem Zeitpunkt der Ermittlungen keine Anhaltspunkte dafür, betonte Regierungssprecherin Ndiaye. Medien zufolge war der Hintergrund ein interner Konflikt innerhalb der Polizeibehörde.

Hörte er Stimmen? Das ist mittlerweile über den Täter bekannt

Berichten zufolge war der 45-Jährige in der als sensibel geltenden Abteilung "Direction de renseignement" der Polizeibehörde eingesetzt - in dieser Abteilung geht es unter anderem um den Kampf gegen Terrorbedrohungen. Er sei ein Informatiker in dieser Abteilung gewesen und habe seit 1993 bei der Polizei gearbeitet, sagte Loïc Travers von der Polizeigewerkschaft Alliance dem Sender BFMTV. Er sei ein vorbildlicher Beamter gewesen, der von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sei.

Ein Rettungswagen fährt durch eine versperrte Straße nach der Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur. Foto: Jair Cabrera Torres/dpa
Jair Cabrera Torres
Ein Rettungswagen fährt durch eine versperrte Straße nach der Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur. Foto: Jair Cabrera Torres/dpa


Die Frau des 45-Jährigen sagte nach Angaben von Ermittlern vom Freitag allerdings aus, ihr Mann habe zuletzt unruhig gewirkt, soll Stimmen gehört und ein "ungewöhnliches und unruhiges Verhalten" an den Tag gelegt, haben. Der Vater von zwei Kindern im Alter von drei und neun Jahren war schwerhörig und galt als "behindert", wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Eine Nachbarin in dem Ort Gonesse nordöstlich von Paris beschrieb den Mann als "sehr ruhig". Er sei regelmäßig zur Moschee gegangen, habe aber keine Anzeichen von Fanatismus gezeigt.

Chefermittler spricht von mörderischem Lauf

Der Wohnsitz des mutmaßlichen Täters war am Donnerstag durchsucht worden, sagte Chefermittler Rémy Heitz. Wie Justizkreise ergänzten, wurde die Frau des Täters in Polizeigewahrsam genommen. Die Tat ereignete sich laut Innenminister Christophe Castaner am Donnerstag zwischen 12.30 und 13.00 Uhr. Er sprach von einem "mörderischen Lauf". Der mutmaßliche Täter habe ein Keramikmesser benutzt, berichtete der Sender BFMTV.

Nach dem Angriff waren am Donnerstagnachmittag große Teile der Seine-Insel Île de la Cité, auf der sich das Polizeihauptquartier befindet, abgesperrt. Viele Brücken über die Seine auf die Insel waren geschlossen und wurden von schwer bewaffneten Polizisten gesichert. Anwohner kamen nicht in ihre Wohnungen. Touristen, die Sehenswürdigkeiten wie die Notre-Dame-Kathedrale auf der Insel besuchen wollten, zeigten sich irritiert. Viele hatten gar nicht mitbekommen, was passiert war.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen