Risiko für deutsche Vierbeiner? : Hundeseuchen-Panik in Norwegen: Nun schon 200 Tiere erkrankt

Hunde verschiedener Rassen und Altersgruppen haben sich mit dem Erreger angesteckt.
Hunde verschiedener Rassen und Altersgruppen haben sich mit dem Erreger angesteckt.

Zunächst waren nur Krankheitsfälle in Oslo bekannt. Dann kamen Meldungen aus allen anderen Landesteilen.

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10. September 2019, 17:53 Uhr

Oslo/Stockholm | Kläffende Vierbeiner sieht man derzeit kaum auf den Straßen von Oslo. In der norwegischen Hauptstadt herrscht Panik bei Hundebesitzern. Denn am Wochenende warnte das Veterinäramt vor einer mysteriösen, teils tödlich um sich greifenden Hundekrankheit. Die tobte zunächst vor allem in der Hauptstadtregion. Inzwischen wird jedoch von kranken Hunden im ganzen norwegischen Königreich berichtet. Mehr als 200 Hunde wurden dem Amt über Tierärzte als erkrankt gemeldet. Etwa 25 sind bereits am Wochenende gestorben. Aktuelle Zahlen gab es nicht am Dienstag.

Blutiger Stuhlgang, Erbrechen von Futter und teilweise Blut sowie ein sich deutlich verschlechternder Allgemeinzustand gehören zu den Anfangssymptomen. Der Krankheitsverlauf ist schmerzhaft und schnell. Mehrere Hunde starben in der Tierklinik Anicura bereits 24 Stunden nach dem ersten Auftreten der Symptome, meldete die Osloer Klinik bereits vorige Woche.

Hunde sämtlicher Rassen und Altersgruppen betroffen

"Das ist eine sehr ernste Sache. Wir haben kaum Anhaltspunkte. Hunde sämtlicher Rassen und Größen, in jedem Alter, egal ob männlich oder weiblich, egal, ob sie wie Jagdhunde vor allem im freien sind oder daheim als Schosshündchen gehalten werden, erkranken derzeit an etwas völlig Unbekanntem", sagt Asle Haukaas vom norwegischen Veterinäramt unserer Redaktion. Er wirkt gestresst und "hat eigentlich keine Zeit".

Sein interdisziplinäres Team aus "rund 20" Wissenschaftlern, darunter "alles was es gibt" von "Veterinärmedizinern, über Serologen, Biologen, Epidemiologen, Molkularforscher, Toxikologen, Genetiker, Chemiker und Bakteriologen zerbrechen sich derzeit den Kopf" über die mysteriöse Hundeseuche.

Salmonellen und Rattengift ausgeschlossen

Ist sie von Hund zu Hund übertragbar und wie? Woher kommt sie? Man wisse dank mehrerer Obduktionen nur, dass gewisse Bakterien, die Durchfall und eine Giftstoffproduktion in Gang setzen können, gefunden wurden. Sie heißen Clostridium perfringens und Providencia alcalifaciens. Ob sie mit der Krankheit in Zusammenhang stehen, sei wie das meiste andere noch unklar, erklärt Haukaas.

Übliche Hundekrankmacher wie Salmonellen, ausgelegtes Rattengift und alle weiteren typischen Ursachen wurden bereits ausgeschlossen. Auch historische Hundeseuchenberichte aus anderen Ländern wurden analysiert, um zu sehen, ob es Gemeinsamkeiten gibt. Bislang erfolglos.

Übertragung nach Deutschland nicht auszuschließen

Ob die Hundekrankheit auch nach Deutschland kommen kann, etwa durch Norwegen-Urlauber mit Hund? "Ausschließen können wir es nicht oder anders gesagt, wir wissen es nicht. Wir wissen so gut wie nichts über die Krankheit, deshalb können wir keine Aussagen treffen, das ist momentan das Frustrierende", bekennt Haukaas vom Veterinäramt gegenüber dieser Zeitung.

Auch Ratschläge könne man eigentlich nicht geben, um die Ansteckungsgefahr für den eigenen Hund zu minimieren. Grundsätzlich habe man aber Hundebesitzern empfohlen, den Außenkontakt ihrer Hunde so weit wie möglich zu reduzieren, bis mehr über die Krankheit bekannt sei. "Wir hoffen bald mit neuen Erkenntnissen", so Haukass.

Nomi spuckte Blut – jetzt geht es ihr wieder gut

Peter Kvalsvik hat die mysteriöse Krankheit an seiner Hündin Nomi miterlebt. Das Drama begann bereits am Mittwoch der letzten Woche. Zunächst erbrach sie nur ihr Futter. "Aber im Laufe des Tages erbrach sie immer häufiger. Im Laufe von zwei Stunden begann sie auch Blut auszuspucken" so Kvalsvik. Er nahm Nomi zum Tierarzt und nun geht es ihr wieder gut. "Es ist wohl wichtig so schnell wie möglich zum Tierarzt zu kommen, bei den ersten Symptomen", rät er anderen Hundebesitzern im norwegischen Rundfunk NRK.

Die 46-jährige Osloerin Schriftstellerin Hilde Solheim ist wie alle norwegischen Hundebesitzer mehr als beunruhigt, "Ich habe richtig, richtig Angst. Für uns gehören unsere Hunde zur Familie, wir haben Angst sie zu verlieren", sagt Hilde Solheim, während sie mit ihrem Jämthund Jonas und den zwei Dachsen Enra und Trine spielt. "Ich halte sie jetzt immer an der Leine und sie dürfen keinen Umgang mit anderen Hunden haben", sagt sie gegenüber dem Sender NRK. "Für mich sind sie wie Menschen und nicht einfach nur Hunde", sagt sie traurig.

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