Valentina Sampaio : Nur aus PR-Gründen? "Victoria's Secret" bucht dieses Transgender-Model

Das Transgender-Model Valentina Sampaio wurde von 'Victoria's Scret' gebucht.
Das Transgender-Model Valentina Sampaio wurde von "Victoria's Scret" gebucht.

Der Verdacht liegt nahe, dass dieser Schritt vor allem einer Image-Verbesserung dienen soll.

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07. August 2019, 12:51 Uhr

Columbus/Hamburg | Die Dessous-Marke "Victoria's Secret" ist bekannt für seine pompösen Shows mit zahlreichen internationalen Top-Models, die mit überdimensionalen Flügeln und juwelenbesetzten BHs über den Laufsteg schweben. Transgender- oder Plus-Size-Models waren unter den "Engeln" dagegen bisher nicht zu sehen – bis jetzt.

Das Transgender-Model Valentina Sampaio veröffentlichte jetzt auf ihrem Instagram-Kanal ein kurzes Video mit der Botschaft "Never stop dreaming" (Hört niemals auf zu träumen). Darin ist die 22-Jährige am Set eines Shootings von "Victoria's Secret" für die Linie "Pink" zu sehen.


Sampaio ziert Vogue-Cover

Das brazilianische Model kam als Junge in einem kleinen Fischerdorf im Nordosten des Landes zur Welt, doch wurde ein Psychologe stellte bereits im Alter von acht Jahren bei ihr fest, dass sie als Frau im Körper eines Mannes aufwachse. "Ich habe mich immer als Mädchen gefühlt", sagt sie. 2016 lief sie ihre erste Show auf der São-Paulo-Fashion-Week. Kurze Zeit später wurde sie von L'Oréal unter Vertrag genommen. In der französischen Vogue war sie im Februar 2017 auf dem Cover zu sehen.

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"Die Show ist eine Fantasie"

Doch dass "Victoria's Secret" nun eine gemeinsame Werbekampgane mit dem Model eingeht, könnte vor allem den Hintergrund einer Imageaufbesserung haben. Im Herbst 2018 erklärte Ed Razek, der ehemalige Marketing-Chef des Mutterkonzerns, gegenüber der Vogue, dass man nicht vorhabe bei der Auswahl der Models mehr Diversität einzuführen: "Wenn Sie fragen, ob wir schon einmal in Erwägung gezogen haben, Plus-Size- oder Transgender-Models in die Show zu integrieren, das haben wir. (...) Niemand hatte daran Interesse, hat immer noch niemand." Und weiter: "Sollten wir Transgender-Models in der Show haben? Nein. Nein, ich finde, wir sollten das nicht. Warum? Weil die Show eine Fantasie ist."

Veraltetes Schönheitsbild

Zerstören Transgender- und kurvige Models also eine Fantasiewelt? Es folgte kurze Zeit später eine Entschuldigung Razeks: "Meine Bemerkung bezüglich Transgender-Models in der 'Victoria’s-Secret'-Show wirkten unsensibel", schreibt der 70-Jährige darin und wird dann deutlicher. "Ich entschuldige mich. Um eins klar zu machen: Wir würden jederzeit ein Transgender-Model für die Show besetzen. Es gab Transgender-Models, die zu den Castings kamen... Und wie viele andere auch haben sie es nicht geschafft. Es ging dabei nie um Geschlecht. Ich bewundere und respektiere ihren Weg dahin, herauszufinden, wer sie wirklich sind."


Das Unternehmen hat in Zeiten von Body-Positivity und LGBTI und der #MeeToo-Debatte damit zu kämpfen, an einem veralteten Frauen- und Schönheitsbild festzuhalten. Die einst schillernde US-Modemarke verzeichnet sinkende Verkaufszahlen

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Eine Victoria's Secret Show im November 2018. Foto: imago images/ZUMA Press
Kristin Callahan
Eine Victoria's Secret Show im November 2018. Foto: imago images/ZUMA Press


Laut einer Umfrage der britischen Marktforschungsfirma YouGov hat "Victoria's Secret" bei Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren stark an Ansehen verloren und stürzte in der Beliebtheitsskala von 31 auf 23 Punkte ab.

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