Eltern erzählen ihre Geschichte : Nach Todesfällen ruft Fisher-Price Millionen Baby-Wiegen zurück

Foto: U.S. Consumer Product Safety Commission/AP/dpa
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Eine bunte Wiege wurde Dutzenden Babys zum Verhängnis. Sie sollen in "Rock 'n Play Sleepers" von Fisher-Price zu Tode gekommen sein. Die US-Behörden und der Hersteller haben jetzt reagiert. Betroffene Eltern befürchten, dass ihnen die Schuld zugeschoben wird.

svz.de von
13. April 2019, 15:47 Uhr

Washington | Nach Berichten über den Tod von mehr als 30 Säuglingen hat der amerikanische Spielzeughersteller Fisher-Price weltweit Millionen von Baby-Wiegen zurückgerufen. Das teilten die US-Verbraucherschutzkommission CPSC und der Hersteller am Freitagabend (Ortszeit) mit. Anlass waren Berichte über Todesfälle, bei denen sich Säuglinge in der Wiege umgedreht hatten und erstickt waren. Von dem Rückruf sind rund 4,7 Millionen Exemplare der "Rock 'n Play Sleepers" betroffen.

Es handelt sich um eine stoffbezogene Schale in bunten Farben, auf einem Gestänge, mit Schaukel-Funktion.

Foto: CPSC
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Zahlreichen Babys wurde diese Wiege offenbar zum Verhängnis. Die amerikanische Verbraucherorganisation Consumer Reports hatte berichtet, dass nach ihren Untersuchungen seit 2009 mindestens 32 Kinder durch die "Rock 'n Play Sleepers" ums Leben kamen. Die Organisation beschrieb Fälle aus den USA, bei denen Säuglinge in ihren Wiegen erstickten. Die Amerikanische Akademie der Kinderärzte hatte schon am vergangenen Dienstag den sofortigen Rückruf gefordert. "Dieses Produkt ist tödlich", sagte Akademie-Präsident Kyle Yasuda.

"Es gab Todesfälle von Säuglingen in "Rock 'n Play Sleepers", nachdem sich die Säuglinge vom Rücken auf den Bauch oder auf die Seite drehten und nicht festgeschnallt waren, oder unter anderen Umständen", schrieb die CPSC. Verbraucher sollten die Wiegen ab sofort nicht mehr benutzen und Fisher-Price wegen einer Rückerstattung oder eines Gutscheins kontaktieren.

Zunächst war von zehn Todesfällen die Rede

Vor einer Woche hatte die US-Verbraucherschutzbehörde gemeinsam mit Fisher-Price zunächst eine Produktwarnung herausgegeben. Darin warnten sie vor falscher Nutzung und forderten Verbraucher auf, die Wiege nicht mehr einzusetzen, falls das Baby älter als drei Monate sei oder sich bereits selbst drehen könne. Zunächst war von zehn Todesfällen die Rede gewesen. Nachdem weitere Fälle aus den vergangenen Jahren bekannt wurden, folgte schließlich der komplette Rückruf des Produkts.

Einer der traurigen Fälle ist jener von Ezra Overton. Der fünf Monate alte Junge war im Dezember 2017 erstickt, nachdem er sich in der Baby-Wiege umgedreht hatte. Vater Keenan Overton schilderte vor wenigen Tagen im Fernsehsender CNN die Ereignisse.

Die Wiege habe im Wohnzimmer gestanden, er habe direkt daneben auf dem Sofa geschlafen. "Als ich aufwachte, hatte er sich schon in dem Sitz umgedreht und war tot." Fisher-Price hatte angesichts der Berichte über mehrere Todesfälle zunächst noch beschwichtigt und beteuert, die Wiege erfülle alle Sicherheitsstandards. Dazu kam die Mahnung der Firma, man müsse bei der Nutzung die Hinweise beachten.

Keenan Overton und seine Frau Evan empfanden diese Stellungnahme als Schlag ins Gesicht. "Es fühlt sich an, als würden die Eltern missachtet", sagte Evan Overton dem Sender CNN bei dem Interview vor wenigen Tagen. Ihr Mann Keenan klagte: "Es ist so frustrierend zu sehen, dass die Schuld auf die Eltern abgewälzt wird." Es sei verrückt und mache ihn wütend, dass der Sitz für sicher erklärt werde, obwohl er das nicht sei.

Dann nahm Fisher-Price die Wiege vom Markt

Am Ende entschied sich Fisher-Price dafür, die Wiege vom Markt zu nehmen. Das Unternehmen sprach von einem freiwilligen Rückruf in Abstimmung mit den Behörden. In der Stellungnahme verweist die Firma aber weiter auf eine falsche Nutzung der Wiege: "Während wir weiter zur Sicherheit unserer Produkte stehen, haben wir angesichts der berichteten Vorfälle, in denen das Produkt entgegen den Sicherheitswarnungen und -anweisungen gebraucht wurde, gemeinsam mit der Verbraucherschutzkommission CPSC entschieden, dass der freiwillige Rückruf die beste Vorgehensweise ist."

Die Organisation Consumer Reports bezeichnete die Entscheidung als längst überfällig: "Es bedurfte zäher Untersuchungen und der Stimmen von Ärzten, Opferfamilien und Anwälten im ganzen Land, um diesen Rückruf Wirklichkeit werden zu lassen."

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