Wichtige Spenden für Babys : Nach Kritik von Muslimen: Bangladesch stoppt Pläne für Milchbank

Das Programm sollte bis zu 500 Waise und Babys berufstätiger Müttern ernähren.
Das Programm sollte bis zu 500 Waise und Babys berufstätiger Müttern ernähren.

Eigentlich sollte die erste Milchbank in Dhaka diesen Monat eröffnet werden. Doch daraus wird vorerst nichts.

von
30. Dezember 2019, 17:04 Uhr

Dhaka | Ein Krankenhaus in Bangladesch hat wegen des Protests muslimischer Geistlicher seine Pläne zur Spende von Muttermilch an Babys gestoppt. Das Programm zielte darauf ab, bis zu 500 Waise und Babys berufstätiger Müttern in dem mehrheitlich muslimischen Land zu ernähren. Nach Auffassung der konservativen Kleriker verstoßen Milchbanken jedoch gegen islamisches Recht.

Lesen Sie auch: Faszination Geburt: Ein Wunder in fünf Akten

Sie fürchten unter anderem, dass zwei Babys Muttermilch von derselben Frau trinken und später heiraten könnten. "Ihre Ehe und Nachkommenschaft wären illegal", sagte Gazi Ataur Rahman, ein Sprecher der einflussreichen Partei Islami Andolan.

Milchbank sollte diesen Monat eröffnet werden

Der prominente Geistliche Fariduddin Masoud forderte, die Behörden sollten herausfinden, wie andere Nationen mit mehrheitlich muslimischer Bevölker wie etwa Pakistan, Iran, Irak und Malaysia mit Milchbanken verfahren. "Wir sollten uns zusammensetzen, um eine Lösung zu finden", sagte er. Die oberste islamische Führung hat bislang noch keine Entscheidung in der Frage getroffen.

Die Milchbank in Dhaka sollte diesen Monat eröffnet werden. Wegen der "weit verbreiteten Kritik" sei das Programm nun auf unbestimmte Zeit verschoben worden, sagte Projektkoordinator Mojibur Rahman. Er wies darauf hin, dass das Krankenhaus strenge Sicherheitsvorkehrungen für das Programm getroffen habe. "Wir bewahren die Milch getrennt auf und notieren die Identität der Spenderinnen", sagte er am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Hintergrund

Milchbanken: Seit 100 Jahren in Deutschland

Muttermilch gilt als beste Nahrungsform für Säuglinge. Vor allem bei Frühgeborenen kann sie nach Auskunft von Kinderärzten unter anderem vor schwerwiegenden Darmerkrankungen schützen. In deutschen Milchbanken wird Milch von stillenden Müttern entgegengenommen, die in dem entsprechenden Krankenhaus gerade entbunden haben und von dem Zuviel an eigener Milch etwas abgeben können. Die Spenderin werde ähnlich wie bei einer Blutspende auf Risiken untersucht, die Milch auf bakteriologische Verunreinigungen geprüft.
Vor 100 Jahren war die erste deutsche Milchbank in Magdeburg eröffnet worden. Damals war eine Kinderärztin auf die Idee gekommen, überschüssige Milch von Müttern zu sammeln und Kindern zu geben, deren Mütter nicht stillen können.


Auch Kinderärzte hatten die Einrichtung der Milchbank unterstützt. Sie sei notwendig, um das Leben von Kindern zu retten und ihr Wachstum zu unterstützen. Viele Kinder in Bangladesch leiden an Unterernährung und damit verbundener Unterentwicklung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen