Haft für Crispr-Forscher : Nach Gen-Babys-Skandal: "Chinas Frankenstein" muss ins Gefängnis

Im November 2018 hatte He Jiankui in einem Interview seine Forschung verteidigt.
Im November 2018 hatte He Jiankui in einem Interview seine Forschung verteidigt.

Der Forscher will die Zwillingsmädchen "Lulu" und "Nana" angeblich gegen eine HIV-Infektion immunisiert haben.

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30. Dezember 2019, 07:38 Uhr

Peking | Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui ist wegen Genmanipulation bei Babys zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Wegen illegaler medizinischer Methoden seien gegen ihn drei Jahre Haft sowie eine Geldstrafe in Höhe von drei Millionen Yuan (383.000 Euro) verhängt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. He hatte nach eigenen Angaben das Erbgut von Zwillingsschwestern verändert.

Die 2018 geborenen Zwillinge mit den Pseudonymen "Lulu" und "Nana" waren dem chinesischen Forscher zufolge durch künstliche Befruchtung gezeugt worden, wobei das sogenannte Crispr/Cas9-Gentechnikverfahren zur Erbgutveränderung, auch "Genschere" genannt, zum Einsatz kam. He erklärte damals, er habe die DNA des Zwillingspaares so verändert, dass die beiden Mädchen vor einer Ansteckung durch ihren HIV-infizierten Vater geschützt seien.

Weltweite Entrüstung über Gen-Babys

Genmanipulation an Embryonen sind ethisch umstritten. Wissenschaftler weltweit sprachen von einem "Tabubruch", Medien betitelten He als "Chinas Frankenstein". Experten bezweifeln überdies den medizinischen Nutzen der Versuche und verweisen auf gesundheitliche Risiken für die beiden Mädchen und auch für ihre Nachkommen.

He hatte seine Arbeit auf einer Fachkonferenz in Hongkong gegen Kritik verteidigt. Dabei hatte er mitgeteilt, dass eine weitere Frau ein genmanipuliertes Kind austrage. Die Regierung in Peking distanzierte sich deutlich von dem Wissenschaftler und untersagte seinem Team die Fortsetzung der Arbeit. Wenige Tage später galt He als vermisst. Gerüchte um eine Festsetzung auf dem Campus seiner Universität verbreiteten sich.

Weiterlesen: Forscher: "In Deutschland würde man dafür direkt ins Gefängnis wandern"

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