Neu im Kino : „Mortal Engines“: Peter Jacksons nächstes großes Ding?

Hester Shaw (Hera Hilmar) ist die Heldin in „Mortal Engines“.
Hester Shaw (Hera Hilmar) ist die Heldin in „Mortal Engines“.

Motorisierte Städte führen Krieg: Mit seiner Filmfamilie bringt Peter Jackson den Jugendroman „Mortal Engines“ ins Kino.

von
11. Dezember 2018, 15:17 Uhr

Berlin | Peter Jackson knöpft sich die nächste Buchreihe vor – und gibt die Regie nicht ohne Grund seinem Effekte-Mann. Am Donnerstag, 13. Dezember, kommt „Mortal Engines“ in die deutschen Kinos.

Wovon handelt „Mortal Engines“?

Europa, Generationen nach einem vernichtenden Krieg: Die Menschheit hat ihre Ressourcen aufgebraucht. Um die Reste streiten sich so genannte Raubstädte – riesige, motorisierte Festungsanlagen, die über den Erdball rasen und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, verwerten, fressen und versklaven. In dieser Welt will Thaddeus Valentine (Hugo Weaving), ein hohes Mitglied der Londoner Elite, den Lauf der Geschichte mit einer Superwaffe noch einmal verändern. Drei Jugendliche stellen sich ihm entgegen: seine eigene Tochter Kate, ihr Freund Tom und Hester Shaw, ein mysteriöses Mädchen, das eine dunkle Vergangenheit mit dem Usurpator verbindet.

Peter Jackson gibt die Regie dem Effekte-Mann

„Mortal Engines“ ist die Verfilmung des ersten von vier Jugendromanen, in denen der Brite Philip Reeves den westlichen Lebensstil bis in die Katastrophe weiterdenkt. Mit einem Budget von angeblich 100 Millionen Dollar soll der Stoff das nächste große Ding im All-Age-Segment werden. Produzenten und Autoren sind Peter Jackson und seine Frau Fran Walsh. Die Regie überlassen sie diesmal Christian Rivers, bei Jackson sonst für visuelle Effekte zuständig. Das ist plausibel: Denn von nichts lebt dieser Film mehr als vom Schauwert der gigantischen, einander verschlingenden Städte.

Gefräßige Gesellschaft: die Raubstadt-Metapher

Rivers macht die mechanischen Monster zum Gleichnis einer Gesellschaft, die in jeder Richtung Gewalt ausübt– nach außen im Krieg, nach innen über eine Hierarchie, die vom schmierigen Unterbau bis zum gläsernen Oberdeck gnadenlos sortiert. Zugleich sind die Raubstädte die unmissverständliche Metapher auf einen Kapitalismus, der lieber die eigenen Grundlagen vernichtet, als die Konkurrenz am Leben zu lassen. Das zentrale Bild des Films ist stark und bis an die Grenzen der Plausibilität ausgereizt – darüber hinaus hat „Mortal Engines“ nicht viel zu erzählen.

Starke Hester, sanfter Tom

Wie seine Vorlage zelebriert der Film eine nummernhafte Jagd, die immer neue, aufwändige Schauplätze etabliert, aber nicht mal ihre eigenen Grundlagen begreiflich macht. Wieso die Helden zwar die Superwaffe als Tabubruch empfinden, nicht aber die alltäglichen und allseits bejubelten Überfälle auf wehrlose Städte, bleibt eigenartig. Immerhin: Mit dem verträumten Tom (Robert Sheehan) und der grimmigen Hester (Hera Hilmar) bietet der Film Helden jenseits der Geschlechterstereotype. (Auch wenn die vernarbte Hester im Kino nicht halb so scheußlich aussieht, wie das Buch sie beschreibt. Während der Autor sie in einer Sklavenmarkt-Szene zur Dreingabe erklärt, handelt der Film sie ausdrücklich als Leckerbissen.)

„Mortal Engines“: ein Film für junge Fans

Wie das Buch bemüht auch die Adaption eine eher eindimensionale Psychologie, die einem jungen Publikum möglichst alles erklären möchte. Überhaupt kann man die Höhepunkte aus „Mortal Engines“ wahrscheinlich nur dann richtig würdigen, wenn man 13 Jahre alt ist: das romantische Knistern, die modische Jugendgang, die hier die Führung des Widerstands bildet, aber auch den Stoff im Ganzen. Denn wie die Raubstädte ist auch die Geschichte aus ruppig zerlegten Bruchteilen ihrer Vorgänger konstruiert. Ganz sicher bereitet „Mortal Engines“ mehr Vergnügen, wenn man nicht immerzu die Versatzstücke aus „Star Wars“, „Mad Max“ oder „Terminator“ wiedererkennen würde.

„Mortal Engines: Krieg der Städte“. NZL/USA 2018. D: Hera Hilmar, Hugo Weaving, Robert Sheehan. 128 Minuten, FSK ab 12 Jahren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen