Tod der 15-jährigen Mia : Mordprozess um Bluttat von Kandel wird fortgesetzt

Kerzen und Andenken vor dem Drogeriemarkt in Kandel, in dem ein 15-jähriges Mädchen im Dezember 2017 von ihrem Ex-Freund erstochen wurde.
Kerzen und Andenken vor dem Drogeriemarkt in Kandel, in dem ein 15-jähriges Mädchen im Dezember 2017 von ihrem Ex-Freund erstochen wurde.

Die Tat in einem Drogeriemarkt hat bundesweit Entsetzen ausgelöst. Das Verfahren startet hinter verschlossenen Türen.

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18. Juni 2018, 11:16 Uhr

Landau | Nach einer längeren Unterbrechung ist der Prozess um die tödliche Messerattacke auf die 15-jährige Mia gegen Mittag fortgesetzt worden. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts Landau am Montag mit. Zuvor war das Verfahren gegen den tatverdächtigen Ex-Freund des Mädchens kurz nach dem Auftakt unterbrochen worden. Der Anwalt des Angeklagten Abdul D. hatte den Austausch des Dolmetschers beantragt, dem war stattgegeben worden.

Vorgesehen waren am ersten Tag des mit Spannung erwarteten Mordprozesses neben der Anklageverlesung auch die Vernehmung von Sachverständigen und Zeugen. Verteidiger Endler sagte, sein Mandant wollte sich zu seiner Person und zur Sache äußern. Abdul B. sei in schlechter Verfassung, er bereue die Tat. Gegen seinen Mandanten habe es Morddrohungen und Übergriffe von Mithäftlingen im Gefängnis gegeben. Nebenkläger in dem Verfahren sind Mias Eltern. Diese erschienen Endler zufolge am Montag vor Gericht.

Ankläger: Tat aus Eifersucht und Rache

Die Staatsanwaltschaft wirft Abdul D. Mord vor und sieht laut Gerichtssprecher Robert Schelp die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt - in diesem Fall Eifersucht und Rache.

Demnach soll der vermutlich aus Afghanistan stammende Ex-Freund Mias am 27. Dezember 2017 am Kandeler Bahnhof beobachtet haben, wie die 15-Jährige mit zwei anderen Jugendlichen aus einem Bus stieg. Er soll der Gruppe in einen Supermarkt gefolgt sein und dort zwei Messer gekauft haben, eines mit einer Klinge von mehr als 20 Zentimetern Länge. In einem Drogeriemarkt stach er laut Anklage dann unvermittelt auf Mia ein, insgesamt sieben Mal. Ein Stich traf das Herz des Opfers und war tödlich.

Die Bluttat von Kandel hatte die Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik neu angefacht. In dem pfälzischen Ort mit rund 9000 Einwohnern gab es zahlreiche fremdenfeindliche Demonstrationen und Gegenkundgebungen. Der Prozessauftakt in Landau wurde daher von hohen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. So wurde die Straße neben dem Landgericht abgesperrt, die Fenster des Gerichtssaals waren mit Vorhängen verdeckt.

Alter des Beschuldigten unklar

Mia hatte sich laut Gericht rund einen Monat vor der Tat von Abdul D. getrennt. Schon vor der Tat sah sie sich genötigt und zeigte ihn an, wenig später tat dies auch Mias Vater. Gerichtssprecher Schelp sagte, es gebe die Vermutung, dass der Angeklagte aufgrund seiner kulturellen Herkunft eine übersteigerte Eifersucht gezeigt und Rachegedanken gehabt habe. Der Asylantrag des Angeklagten ist mittlerweile abgelehnt worden.

Von zentraler Bedeutung wird im Verlauf des Prozess die Altersfrage sein. Auch Gutachten hatten das exakte Alter von Abdul D. nicht klären können. Weil nicht zweifelsfrei sicher ist, ob er schon 18 ist, wird nicht-öffentlich nach Jugendstrafrecht verhandelt. Sollte sich im Verlauf des Verfahrens doch noch feststellen lassen, dass Abdul D. schon volljährig ist, muss der Prozess nach Angaben Schelps zwingend öffentlich werden. Dann könnte es sein, dass bis dahin nicht-öffentlich absolvierte Teile wiederholt werden müssen.

Wäre Abdul D. über 18 und somit bis 21 juristisch ein Heranwachsender, wäre Schelp zufolge seine "sittliche Reife" entscheidend, ob er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden kann. Daher sitze während des gesamten Verfahrens ein Psychiater mit im Saal. Nach Jugendstrafrecht drohen Abdul D. maximal zehn Jahre Haft, nach Erwachsenenstrafrecht lebenslänglich. Bislang sind noch zwölf weitere Prozesstage bis zum 29. August angesetzt. Insgesamt sollen mehr als 80 Zeugen geladen werden.

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