Wird Verfahren neu aufgerollt? : Mord im Klosterwald: Serienvergewaltiger aus dem Emsland freigesprochen

Prozessauftakt im ersten Verfahren am Landgericht Verden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Prozessauftakt im ersten Verfahren am Landgericht Verden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der gewaltsame Tod einer 23-Jährigen im September 2015 im Klostergarten von Rehburg-Loccum wird zum zweiten Mal die Richter am Bundesgerichtshof beschäftigen: Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Urteil des Landgerichtes Verden eingelegt. Das hatte den mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter Jörg N. aus Lingen zuvor mangels Beweisen freigesprochen.

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27. November 2019, 17:30 Uhr

Osnabrück | Dabei war der gebürtige Lingener im Ursprungsprozess noch wegen Totschlags an der Studentin zu mehr als elf Jahren Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Jörg N. legte damals Rechtsmittel ein. Auch die Eltern der Getöteten beantragten Revision. Sie wollten eine Verurteilung wegen Mordes erreichen.

Angehörige gingen in Revision

Der Bundesgerichtshof lehnte die Revision von Jörg N. ab, gab der der Eltern aber statt. Die Richter in Verden hätten im ersten Prozess nicht alle Beweise ausreichend gewürdigt, befand der BGH. Der Prozess wurde komplett neu vor einer anderen Strafkammer verhandelt, endete dann aber mit einem Freispruch.

Foto: dpa/Carmen Jaspersen
Carmen Jaspersen
Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Die Richter dieser Strafkammer sahen es nicht mit hinreichender Sicherheit als erwiesen an, dass N. die junge Studentin 2015 tatsächlich getötete hatte. Belastungszeugen aus dem ersten Prozess konnten sich bei der Neuauflage einige Jahre später nicht mehr genau erinnern. Die Richter entschieden im Zweifel für den Angeklagten und sprachen ihn frei.

Weiter in Sicherungsverwahrung

Der Emsländer kam aber nicht auf freien Fuß. Aufgrund eines vorherigen Urteils des Landgerichtes Aurich sitzt N. in Sicherungsverwahrung. Mehrfach hat er Frauen überfallen und sexuell vergewaltigt. Das Tatmuster war dabei immer ähnlich:

Im August 1995 hatte der Mann in Meppen eine junge Frau am Dortmund-Ems-Kanal attackiert, ins Gebüsch gezerrt, ausgezogen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn 2000 wegen dieser Tat sowie Vergewaltigung seiner damaligen Ehefrau zu vier Jahren Haft.

Foto: Jörn Martens
Jörn Martens
Foto: Jörn Martens

2012 verurteilte das Landgericht Aurich den Emsländer wegen zweier brutaler Übergriffe in Norden. In einem Fall hatte der Mann auf offener Straße eine 25-Jährige überfallen, gewürgt und mit einem vorgehaltenen Messer in einen Wald gezwungen. In dem anderen eine Frau gewürgt, in ein Auto gezwungen und missbraucht. Das Landgericht Aurich verurteilte ihn zu mehrjähriger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Aufgrund einer mutmaßlichen Alkoholsucht kam N. 2014 zur Therapie ins Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg.

Foto: dpa/Holger Hollemann
Holger Hollemann
Foto: dpa/Holger Hollemann

Obwohl die Richter in Aurich befunden hatten, von ihm gehe weiter eine Gefahr für die Gesellschaft und speziell Frauen aus, durfte N. nach wenigen Monaten unbegleitete Ausgänge unternehmen.

Mörder noch frei?

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft und der Richter im ersten Prozess vor dem Landgericht in Verden soll er auf einem der Freigänge die junge Studentin vergewaltigt und erwürgt haben. Die Richter im zweiten Prozess sahen das nicht mehr als erwiesen an. Zeugen sagten aus, sie hätten die junge Frau kurz vor dem vermuteten Tatzeitpunkt mit einem jungen Mann, nicht aber dem Angeklagten gesehen.

Die Staatsanwaltschaft will nun erreichen, dass das Verfahren erneut neu aufgerollt wird. Sie hatte wie auch die Angehörigen des Opfers für eine Verurteilung wegen Mordes plädiert. Bekommen die Anklagevertreter vor dem Bundesgerichtshof recht, wäre es der dritte Prozess vor dem Landgericht Verden.

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