Bundesweiter Kindesmissbrauch : Soldat zu zehn Jahren Haft verurteilt – Einweisung in Psychiatrie

Der Angeklagte Bastian S. (r.) im Gerichtssaal.
Der Angeklagte Bastian S. (r.) im Gerichtssaal.

Ein 27-Jähriger hat gestanden, Kinder schwer missbraucht und Aufnahmen davon mit anderen Verdächtigen geteilt haben.

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26. Mai 2020, 14:26 Uhr

Moers | Im bundesweiten Kindesmissbrauchsfall Bergisch Gladbach ist das erste Urteil gefallen: Ein 27-Jähriger Soldat wurde am Dienstag im niederrheinischen Moers zu zehn Jahren Haft verurteilt und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Der Soldat hatte gestanden, vier kleine Kinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren in über 30 Fällen zum Teil schwer missbraucht zu haben.

Von einem siebenjährigen Mädchen soll er eine kinderpornografische Aufnahme gemacht und Videos und Bilder von den Taten mit Chat-Partnern geteilt haben. Der Prozess fand in einer Außenstelle des Landgerichts Kleve statt.

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Es war das erste Urteil in Nordrhein-Westfalen zu einem Netzwerk von Missbrauchsfällen in ganz Deutschland, das im Herbst vergangenen Jahres zuerst in Bergisch Gladbach entdeckt worden war. Die Täter hatten dabei massenhaft Bilder und Videos getauscht und über Chats kommuniziert.

Der vorsitzende Richter Johannes Huismann.
dpa/Roland Weihrauch
Der vorsitzende Richter Johannes Huismann.


m Zusammenhang mit dem bundesweiten Missbrauchsfall wurden zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Dabei handele es sich um zwei Männer, sagte der zuständige Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Dienstag. Einer der beiden sei bereits am 13. Mai in Baden-Württemberg gefasst worden. Auch der zweite Mann sei nicht in Nordrhein-Westfalen, sondern in einem anderen Bundesland festgenommen worden. Weitere Angaben machte Bremer aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln wollen am Mittwoch in einer Pressekonferenz über die Ermittlungen informieren.

Seit Beginn der Ermittlungen hatte eine Ermittlungsgruppe der Kölner Polizei mit zuletzt 120 Beamten viele Terrabyte Daten und Videos durchforstet. Bundesweit wurden Tatverdächtige ermittelt, zahlreiche weitere Urteile sollen folgen. Allein in NRW spricht die Polizei von 21 Angeschuldigten, davon 9 in Untersuchungshaft. 40 Hinweise auf Straftaten seien an andere Bundesländer weitergeleitet worden.

Kleiner Stiefsohn und leibliche Tochter als Opfer

Opfer des Moerser Angeklagten, der mit seiner Familie im niederrheinischen Kamp-Lintfort lebte, waren nach seinen Angaben vor allem der kleine Stiefsohn und eine leibliche Tochter. Dabei habe er oft die Zeit genutzt, wenn seine Frau arbeiten war. Zu den Opfern gehörten demnach auch seine Nichte und die Tochter eines Chat-Partners aus Bergisch Gladbach.

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert und danach wegen verminderter Schuldfähigkeit die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie auf unbestimmte Zeit. Das Gericht ging über diese Forderung sogar noch hinaus. Die Verteidigung hatte für sieben Jahre Haft plädiert mit der Möglichkeit, auch noch später eine Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Beim Prozess in Moers weinte der schmächtige und sonst so kontrolliert wirkende Bundeswehrsoldat: "Ich kann mich dafür nur entschuldigen", sagte er. Er wisse nicht, wie es dazu habe kommen können. Er hoffe, dass die Kinder das verarbeiten könnten. Es tue ihm für seine Frau leid und auch, dass er seine Familie hintergangen habe.

Missbrauch unter hohem Handlungsdruck fortgesetzt

Staatsanwalt Elmar Köstner stellte in seinem Plädoyer fest, bei den Taten habe es eine Steigerung der Intensität gegeben. Nach der Selbstanzeige bei der Polizei im Juni 2019 habe der heute 27-Jährige trotz hohem Entdeckungsrisiko den Missbrauch unter hohem Handlungsdruck fortgesetzt und auch weitere Taten geplant. Nach Angaben des psychiatrischen Gutachters bestehe ein moderates bis hohes Rückfallrisiko.

Bereits Ende April hatte in dem Missbrauchskomplex ein erster Prozess in Mönchengladbach gegen zwei Männer begonnen, die des sexuellen Kindesmissbrauchs in 79 Fällen angeklagt sind. Vor dem Landgericht Köln ist Anklage gegen einen Mann aus Bergisch Gladbach erhoben worden. Am Landgericht Kleve wurde Anklage gegen einen 61-Jährigen erhoben, der zuletzt in Xanten lebte.

Sehen Sie im Video: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen von Lügde und Bergisch-Gladbach?


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