Norwegens fragwürdige Kampagne pro Walfang : Fischereiminister: "Können nicht mit Walen reden – aber sie essen"

Wegen ihrer geringen Größe und ihrer Zutraulichkeit gelten Zwergwale als leicht zu jagen.
Wegen ihrer geringen Größe und ihrer Zutraulichkeit gelten Zwergwale als leicht zu jagen.

Harald Tom Nesvik will den Norwegern das Fleisch mit einer fragwürdigen Werbekampagne schmackhaft machen.

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20. November 2018, 12:32 Uhr

Oslo | Vor mehr als 30 Jahren wurden die Quoten für den kommerziellen Walfang weltweit offiziell auf null gesetzt. Norwegen hat allerdings bis heute Einspruch gegen das sogenannte Moratorium erhoben – und geht weiter auf die Jagd. Wenn es nach dem zuständigen Fischereiminister Harald Tom Nesvik von der rechten Fremskrittspartiet (Fortschrittspartei) geht, sollte diese in Zukunft sogar noch ausgeweitet werden.

Walfleisch gegen den Welthunger?

Nach Nesviks Ansicht essen die Norweger nämlich zu wenig Walfleisch. Er will mehr als 50.000 Euro für eine Marketingkampagne ausgeben, damit sich das ändert. "Der Zwergwal ist nicht gefährdet", sagte er im Gespräch mit der norwegischen Zeitung "Verdens Gang". "Im Gegenteil" – in norwegischen Gewässern gäbe es bis zu 100.000 Tiere dieser Art, lediglich 454 von ihnen seien in diesem Jahr gefangen worden. "Es hätten mehr sein sollen", sagt er und glaubt, mit Hilfe des Walfangs sogar zur Bekämpfung des Welthungers beitragen zu können.

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Noch vor drei Jahren hätte es 20 norwegische Walfang-Schiffe gegeben, so Nesvik, heute seien es nur noch elf. Um diesen "negativen Trend" zu stoppen, soll das Fleisch nun besser vermarktet werden. Walfleisch habe exzellente Qualität und sei zudem gesund, so der Fischereiminister. Die Zeiten, in denen es einen tranigen Geschmack habe, gehörten ohnehin der Vergangenheit an, da es heute schnell gekühlt und eingefroren werde. "Außerdem werden nur die besten Teile des Wals verkauft."

Auf Konfrontationskurs mit den meisten anderen Ländern

Von Walfang-Kritikern hält Nesvik wenig. Die Fangmethoden seien heute deutlich besser, zudem würden die Jagdwaffen nachhaltig und verantwortungsbewusst eingesetzt, entgegnet er entsprechend kritischen Stimmen. Siri Martinsen, Tierärztin und Leiterin von Norwegens größter Tierrechtsorganisation "Noah", hält jedoch dagegen. Auch mit besseren Waffen würden die Tiere vor ihrem Tod unheimlich leiden.

Das Geld für die Marketingkampagne sei falsch eingesetzt, sagt sie. Norwegen bewege sich weiter auf Konfrontationskurs mit den meisten Ländern, die den Walfang verbieten. Die Jagd auf wilde Tiere zu verstärken sei nicht zeitgemäß. Die Regierung sollte das Geld lieber für entsprechende Aufklärungsmaßnahmen dahingehend verwenden, dass sich die Menschen gesünder ernähren.

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Insbesondere seit den 1960er Jahren steht der Walfang weltweit in der Kritik. Meist wird lediglich die Jagd durch indigene Bevölkerung zum örtlichen Verbrauch oder zu wissenschaftlichen Zwecken toleriert. Norwegens Fischereiminister Harald Tom Nesvik gab der "Verdens Gang" allerdings noch eine andere, fragwürdige Erklärung, warum er die Jagd für gerechtfertigt hält: "Wir können nicht mit Walen reden, aber wir können sie essen."

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