Tödliche Messerattacke auf Daniel H. : 22-jähriger Tatverdächtiger in Chemnitz kommt frei

Der Gedenkort für den getöteten Daniel H. in Chemnitz.
Der Gedenkort für den getöteten Daniel H. in Chemnitz.

Die Staatsanwaltschaft hebt den Haftbefehl gegen einen der Tatverdächtigen im Chemnitzer Tötungsdelikt zu Daniel H. auf.

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18. September 2018, 14:30 Uhr

Chemnitz | Gut drei Wochen nach der tödlichen Messerattacke auf einen 35-jährigen Deutschen in Chemnitz kommt einer der beiden inhaftierten Tatverdächtigen frei. Nach einem Haftprüfungstermin habe das Amtsgericht Chemnitz am Dienstag den Haftbefehl gegen den 22-jährigen Iraker aufgehoben, sagte dessen Rechtsanwalt. Zuerst hatten "Norddeutscher Rundfunk" und "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet.

Der zweite Tatverdächtige bleibt in Untersuchungshaft. Es bestehe gegen den 23 Jahre alten Syrer weiterhin dringender Tatverdacht, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Dienstag mit. Der freigelassene Iraker bekommt wohl keinen Polizeischutz. "Personenschutz für mutmaßliche Straftäter ist aus meiner Sicht nicht vorgesehen", sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) am Dienstag in Dresden.

Anwalt bezeichnet mögliche Mittäterschaft als "Phantasiegebilde"

Der Rechtsanwalt des Irakers betonte auf seiner Homepage, es sei "ein Phantasiegebilde der Staatsanwaltschaft", dass sein Mandant einer der Mittäter gewesen sein könnte. "Kein Tatzeuge bezichtigte meinen Mandanten der Tatbeteiligung. Zeugen konnten ihn auf Lichtbildern nicht identifizieren. Die Polizei fand ein Messer mit Blutanhaftungen der Opfer. Aber Fingerabdrücke meines Mandanten befanden sich daran nicht", erklärte Rechtsanwalt Ulrich Dost-Roxin.

Die beiden Asylbewerber waren verdächtigt worden, am 26. August den 35 Jahre alten Daniel H. auf offener Straße niedergestochen und zwei weitere Männer durch Messerstiche zum Teil schwer verletzt zu haben. Als weiterer Tatverdächtiger wird ein 22-jähriger Iraker mit Haftbefehl gesucht. Nach ihm wird international gefahndet. Der Tatvorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Totschlag.

Im Anschluss an das Gewaltverbrechen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes war es mehrfach zu Demonstrationen von rechten Kräften und fremdenfeindlichen Übergriffen gekommen. An den Kundgebungen gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung hatten auch Rechtsradikale aus dem gesamten Bundesgebiet teilgenommen.

Gegen mehrere Personen laufen Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Zwei Männer sind wegen des Zeigens des Hitlergrußes bereits zu fünf Monaten Haft beziehungsweise acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

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