Neu im Kino : Menschliche Doppelnull: Johnny English kehrt zurück

'Johnny English 3': Rowan Atkinson tötet zum Tee. Foto: Giles Keyte/Universal
"Johnny English 3": Rowan Atkinson tötet zum Tee. Foto: Giles Keyte/Universal

Kein Spion verdient den Titel der Doppelnull mehr: Rowan Atkinsons „Johnny English“ erlebt das dritte Kino-Abenteuer.

von
15. Oktober 2018, 14:27 Uhr

Berlin | Zum dritten Mal rettet Rowan Atkinson als menschliche Doppelnull den Weltfrieden. Am Donnerstag, 18. Oktober, kommt „Johnny English 3“ ins Kino.

Wovon handelt „Johnny English 3“?

Ein Hacker enttarnt sämtliche Agenten der Krone. In ihrer Not betreibt die Premierministerin die Rückkehr von Rentner-Spionen – die Johnny English allerdings mit einem versehentlichen Massaker verhindert. Als letzte Hoffnung des Königreichs bleibt danach nur – er selbst. Ungeschickt und unerschrocken setzt er der digitalen Bedrohung die Waffen einer analogen Vergangenheit entgegen.

Zum dritten Mal spielt Rowan Atkinson die menschgewordene Doppelnull und veralbert einen James Bond, den es längst nicht mehr gibt: Drei Jahre nach dem ersten „Johnny English“ machte Daniel Craig die ikonische Figur zum gebrochenen Helden. An die schöne Fassade von einst glaubt heute nur noch der Parodist. Mitunter wird ihm das zum Vorwurf gemacht; tatsächlich ist es vielleicht die schönste Pointe eines Films, der sich in jeder Einstellung zum Altmodischen bekennt. (Brauchen wir das? Trailer zum Remake vom "Friedhof der Kuscheltiere)

Der letzte Mann, der an James Bond glaubt

Atkinson schildert einen Datenkrieg, in dem verzärtelte MI7-Spione schon deshalb keine Schusswaffen mehr tragen, weil sie Spuren von Nüssen enthalten können. Trotz seiner rücksichtslosen Egomanie bleibt Johnny English hier der einzige Sympathieträger – schon weil nur er in dieser aseptischen Welt noch die Sinnlichkeit des Aston Martin hochhält. Wenn er den Internet-Schurken am Ende in einer zentnerschweren Ritterrüstung besiegt, feiert der Film unübersehbar einen Triumph des physische Greifbaren.

Die Anspielungen auf das Agentenkino beginnen bei „Johnny English 3“ schon im Casting: Als greise Ex-Agenten explodieren in der Eröffnungssequenz Edward Fox („Der Schakal“), Charles Dance („007: For Your Eyes Only“) und Michael Gambon (1969 als Bond-Darsteller im Gespräch). Mit Olga Kurylenko kriegt Johnny English ein Bond-Girl, mit dem schon Craig in „Ein Quantum Trost“ (2011) zu tun hatte. Und wie selbstreferenziell die neuen Bond-Filme auch sind: Keiner variiert die Martini-Routine artistischer als Atkinson – der den Drink weder schüttelt noch rührt, sondern sich beim Absetzen das Cocktail-Schirmchen aus der Nase zieht. (Fitzeks "Abgeschnitten": Wie eine Parodie, nur ohne Lacher)

Treffsicher dank VR-Simulation: Johnny English bekämpft den richtigen Täter im falschen.
Giles Keyte/Universal
Treffsicher dank VR-Simulation: Johnny English bekämpft den richtigen Täter im falschen.


Slapstick-Kunst, die bleibt

Bei der besten vieler sehr komischer Slapstick-Nummern simuliert Johnny English den Kampfeinsatz in der Virtual Reality, gerät mitsamt Bildschirm-Brille in den Straßenverkehr, wo er Kellner und Behinderte vermöbelt, ohne es zu merken. Die Sequenz ist nicht nur wegen der Komik ein bleibender Moment, sondern auch als Kommentar zum Wirklichkeitsverlust im Digitalen: Das Einschlagen auf Menschen durch blindwütige Tastatur-Täter trifft den Alltag bei Facebook ziemlich genau.

Ein zeitkritischer Film wird „Man lebt nur dreimal“ deshalb nicht. Das Brexit-Beben lässt den Helden unerschüttert. Emma Thompson kann als versoffener Premierministerin auch ohne Theresa-May-Karikatur neben der Atkinson bestehen. Und dass der Antagonist, ein zweiter Mark Zuckerberg, den globalen Datenstrom hier nur mit Terror kontrollieren kann, unterschätzt die Macht der Tech-Riesen wohl sogar. Dem Spaß tut das keinen Abbruch. Als Boris Johnson kürzlich Burka-Trägerinnen mit Briefkästen verglichen hat, verteidigte der Komiker den Ex-Außenminister und seinen „ziemlich guten Witz“. Atkinson geht‘s um die Pointe und nicht um Politik.

„Johnny English - Man lebt nur dreimal“. GB 2018. R: David Kerr. D: Rowan Atkinson, Olga Kurylenko, Emma Thompson. 88 Minuten, ab 6 Jahren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen