Die Höhepunkte im Programm : Mauerfall vor 30 Jahren: Berlin startet in imposante Erinnerungswoche

Die Kunstinstallation 'Visions in Motion' des US-amerikanischen Künstlers Patrick Shearn ist auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor zu sehen.
Die Kunstinstallation "Visions in Motion" des US-amerikanischen Künstlers Patrick Shearn ist auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor zu sehen.

Das Programm zum 30. Jahrestag umfasst mehr als 200 Veranstaltungen von Montag bis Sonntag. Ein paar Beispiele.

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02. November 2019, 19:42 Uhr

Berlin | Die Hauptstadt erinnert mit einer Festivalwoche an den Fall der Mauer vor 30 Jahren. Unter dem Motto "7 Tage – 7 Orte" sind vom 2. bis zum 10. November an authentischen Berliner Orten der friedlichen Revolution Lesungen, Installationen, Zeitzeugen-Gespräche, Info-Pavillons, Filme und Ausstellungen geplant, wie die Kulturprojekte GmbH mitteilte. Sie organisiert im Auftrag des rot-rot-grünen Senats die mehr als 200 Veranstaltungen. Die Kosten des Jubiläumsprogramms hat der Senat mit rund zehn Millionen Euro veranschlagt.

Montag, 17.30 Uhr: Schauspiel am Alexanderplatz

Den Auftakt gibt am Montag (17.30 Uhr) Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf dem Alexanderplatz. Dort hatten vor genau 30 Jahren am 4. November 1989 Hunderttausende Ostdeutsche für Meinungsfreiheit und Demokratie demonstriert. Es war wenige Tage vor dem Mauerfall die größte Massendemonstration in der DDR-Geschichte.

Der historische Tag soll am Montagabend mit einer großen Performance an dem originalen Schauplatz wieder lebendig werden, hieß es. Das Theaterkollektiv PKRK stellt die Demonstration nach – mit 60 Frauen und einem Punk.

Montag, 18.30 Uhr: Eröffnung der Kunstinstallation

Kultursenator Lederer eröffnet am Brandenburger Tor eine Kunstinstallation (etwa 18.30 Uhr). Rund 30.000 Zettel mit Visionen, Wünschen oder Botschaften von Menschen wurden zu einer 150 Meter langen Freiheitswolke verknüpft, die über der Straße des 17. Juni aufgespannt wird. Die Aktion solle an Transparente von Demonstrationen aus dem Herbst 1989 erinnern.

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19.30 Uhr: Zeitzeugen-Gespräch

Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, hat für Montagabend (19.30 Uhr) zu einer Diskussion über die Nachwirkungen der friedlichen Revolution ins Landesparlament geladen. Dort wird auch die frühere DDR-Oppositionelle Marianne Birthler erwartet. Sie gehörte damals zu den Rednern auf dem Alexanderplatz. Die Sängerin Uschi Brüning, der Liedermacher Gerhard Schöne sowie der Musiker Lukas Natschinski geben im Anschluss ein Konzert.

Marianne Birthler, die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen und Kuratorin für die Ausstellung 'Unbuilding Walls' wird auf der Bühne auftreten. Foto: dpa/Britta Pedersen
Marianne Birthler, die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen und Kuratorin für die Ausstellung "Unbuilding Walls" wird auf der Bühne auftreten. Foto: dpa/Britta Pedersen

Samstag, 10.30 Uhr: Merkel und Steinmeier an der Mauer-Gedenkstätte

Steinmeier sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden an dem Jahrestag zu der zentralen Gedenkveranstaltung (10.30 Uhr) in der Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße erwartet. Dort sollen auch Kerzen entzündet werden.

Das deutsche Staatsoberhaupt und die Regierungschefin werden das Mauerdenkmal Bernauer Straße besuchen. Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Das deutsche Staatsoberhaupt und die Regierungschefin werden das Mauerdenkmal Bernauer Straße besuchen. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Samstag, 17.30 bis 22 Uhr: Bühnenshow am Brandenburger Tor

Höhepunkt der Woche soll dann am Abend des 9. November eine große Bühnenshow am Brandenburger Tor sein. Dort wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu den Menschen sprechen. Auch eine Rede der DDR-Oppositionellen Marianne Birthler ist vorgesehen.

Musik gibt es von der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Das Orchester spielt unter anderem die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Eingeplant sind auch Auftritte von Anna Loos, Trettmann, Die Zöllner, Zugezogen Maskulin, das Schauspiel "Stimmen der Freiheit" und eine Laserharfen-Performance.

Das ZDF überträgt die Show live von 18 Uhr bis 20.15 Uhr. Danach geht es zur After-Show-Party mit WestBam und weiteren DJ's im Rahmen der Europäischen Clubnacht in 27 Berliner Lokalitäten.

Montag bis Sonntag: Konzerte, Lesungen, 3D-Videoprojektionen

Während der Festivalwoche können Interessierte in Berlin auf einer "Route der Revolution" in die Vergangenheit eintauchen oder an Diskussionen und Konzerten teilnehmen. Neben dem Alexanderplatz gehören dazu laut Kulturprojekte das Brandenburger Tor, der Schlossplatz/Humboldt-Forum, die East-Side-Gallery, die Gethsemanekirche und die frühere Stasi-Zentrale. Auch der Kurfürstendamm im früheren West-Berlin zählt demnach zu den Revolutions-Orten. Der Boulevard sei erstes Ziel vieler Ostdeutscher gleich nach dem Mauerfall gewesen, hieß es. In der Gethsemanekirche trafen sich vor dem DDR-Ende Menschen zu Mahnwachen und Konzerten.

An den sechs gefetteten Schauplätzen (oben) gibt es 3D-Videoprojektionen mit historischen Filmaufnahmen, die im Dunkeln an die Fassaden geworfen werden. Eine Story dauert 15 Minuten.

Eine schwimmende Lichtinstallation mit Neonstab-Bojen gibt es auf der ehemaligen Grenzlinie der Spree. Sie kann von Montag bis Sonntag, 17 bis 0 Uhr, bei der East Side Gallery besichtigt werden.

App zeigt virtuell die Berliner Mauer

Entwickelt wurde auch eine iOS-App – "MauAR" – die mit Augmented Reality einen dreidimensionalen Eindruck der einst knapp 160 Kilometer langen Berliner Grenze zwischen Ost-West vermittelt.

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Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte das dezentrale Konzept für den 30. Jahrestag des Mauerfalls damit begründet, dass sich die Lage in Deutschland verändert habe. Aus einstiger Aufbruchstimmung sei Nachdenklichkeit und Sorge um den Erhalt der Demokratie geworden. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls stiegen noch leuchtende Ballons entlang der früheren Grenze in einer spektakulären Aktion in den Nachthimmel auf.

Mit einer Lichtgrenze aus Leuchtballons wurde 2014 dem Mauerfall vor 25 Jahren gedacht. Foto: dpa/Britta Pedersen
Mit einer Lichtgrenze aus Leuchtballons wurde 2014 dem Mauerfall vor 25 Jahren gedacht. Foto: dpa/Britta Pedersen
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