Demokratie-Bewegung : Demonstranten besetzen Flughafenhalle: Hongkongs Airport streicht alle Abflüge

Demonstranten haben den Hongkonger Flughafen besetzt und den Betrieb damit lahmgelegt.
Demonstranten haben den Hongkonger Flughafen besetzt und den Betrieb damit lahmgelegt.

Einer der belebtesten Airports weltweit steht still. Die Behörden sehen die Demonstranten als "Kriminelle" an.

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12. August 2019, 10:57 Uhr

Hongkong | Tausende regierungskritische Demonstranten haben am Montag den Hongkonger Flughafen lahmgelegt. Mehr als 5000 Menschen protestierten dort nach Behördenangaben gegen Polizeigewalt. Die Flughafenverwaltung strich für den Rest des Tages sämtliche Flüge. Die chinesische Regierung verurteilte indes gewaltsame Ausschreitungen bei den Protesten in der Sonderverwaltungszone als "Terrorismus".

Durch die Proteste werde der Flugverkehr "ernsthaft gestört", begründete die Verwaltung das Streichen aller Flüge. Der Hongkonger Flughafen zählt zu den wichtigsten Drehkreuzen der Welt. Die Verwaltung rief Passagiere und Besucher auf, den Flughafen zu meiden. Zuvor waren bereits drei Tage lang Sitzblockaden abgehalten worden, bei denen Demonstranten den Fluggästen die Beweggründe für die Proteste erläuterten.

Demo in der Hong Konger Flughafenhallle. Foto: AFP/Manan VATSYAYANA
Demo in der Hong Konger Flughafenhallle. Foto: AFP/Manan VATSYAYANA

Polizeigewalt angeprangert

Aktivisten hielten Schilder mit der Aufschrift "Hongkong ist nicht sicher" und "Schande über die Polizei" in die Höhe. Sie werfen den Sicherheitskräften vor, zunehmend gewaltsam und mit unverhältnismäßigen Methoden gegen Demonstranten vorzugehen.

Am Wochenende hatten erneut tausende Menschen in Hongkong gegen die pekingtreue Regierung protestiert. Dabei setzte die Polizei Tränengas unter anderem in U-Bahnstationen ein. Offenbar mischten sich zudem Zivilbeamte in den für die Demonstranten typischen schwarzen T-Shirts unter die Menge und nahmen Teilnehmer fest. Einige Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und setzten sich mit Feuerlöschern und Wasserschläuchen zur Wehr.

Nach Angaben der Regierung wurden insgesamt 45 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Unter anderem trug eine Frau schwere Verletzungen im Gesicht davon. Bilder der Frau, die blutend auf dem Boden liegt, wurden rasch im Internet verbreitet und waren später auch auf Protestplakaten zu sehen.

Augenklappen und Bandagen als Zeichen der Solidarität

Als Zeichen der Solidarität trugen viele der Demonstranten am Flughafen Augenklappen oder Bandagen im Gesicht. "Es wird immer gefährlicher, aber wenn wir jetzt nicht mehr rausgehen, wird unsere Zukunft beängstigender und wir verlieren unsere Freiheiten", sagte eine 22-jährige Aktivistin.

Die Demonstrationen gegen Polizeibrutalität und Auslieferungsgesetze dauern seit nun zehn Wochen an. Foto: AFP/Manan VATSYAYANA
Die Demonstrationen gegen Polizeibrutalität und Auslieferungsgesetze dauern seit nun zehn Wochen an. Foto: AFP/Manan VATSYAYANA

Die Hongkonger Regierung warnte vor wirtschaftlichem Chaos durch die Proteste. Die Stadt werde einen "hohen Preis" für die Schließung des Flughafens zahlen, sagte Verkehrsminister Frank Chan.

Unterdessen wurde der Ton aus Peking noch schärfer. Der Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats verurteilte einzelne Angriffe mit Benzinbomben auf Polizisten während der vergangenen Proteste. "Radikale Demonstranten" hätten wiederholt Sicherheitskräfte mit "äußerst gefährlichen Gegenständen" angegriffen, sagte Yang Guang. Dies sei "ein schweres Gewaltverbrechen" und zeige "erste Anzeichen von Terrorismus".

Chinesischen Medienberichten zufolge entsandte das chinesische Militär gut zwei Dutzend gepanzerte Truppentransporter und andere Militärfahrzeuge nach Shenzhen, eine Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort sollten "groß angelegte Übungen" stattfinden, berichtete die "Global Times".

China ruft Airline auf, Demonstranten abzuweisen

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific drohte Unterstützern der Proteste auf Druck Chinas derweil mit Entlassung. Beschäftigten, die "illegale Demonstrationen unterstützen oder daran teilnehmen", könne gekündigt werden, erklärte Cathay Pacific. Chinas Luftfahrtbehörde hatte die Airline am Freitag angewiesen, Teilnehmer der Proteste weder auf Flügen Richtung Festland-China noch durch den chinesischen Luftraum einzusetzen.

Nach der spontanen Demo strich die Flughafenverwaltung alle Abflüge. Foto: AFP/ VIVEK PRAKASH
Nach der spontanen Demo strich die Flughafenverwaltung alle Abflüge. Foto: AFP/ VIVEK PRAKASH

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Hongkong-Reisenden, Demonstrationen und Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte zu folgen.

Die seit zehn Wochen andauernden Proteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie waren ursprünglich durch ein – später auf Eis gelegtes – Auslieferungsgesetz ausgelöst worden, das die Überstellung von Verdächtigen an Festland-China erlaubt hätte. Die Demonstrationen weiteten sich danach zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong und für mehr Demokratie aus.

Lufthansa streicht mehrere Flüge nach Hongkong

Die Lufthansa hat wegen der anhaltenden Proteste am Flughafen Hongkong mehrere Flüge in die Millionenmetropole gestrichen. Betroffen sind Lufthansa-Verbindungen von München und Frankfurt sowie der Swiss nach Zürich, wie ein Konzernsprecher am Montag mitteilte. Die Entscheidung gelte zunächst nur für den Montag, die Lage müsse in den Folgetagen jeweils neu bewertet werden. Aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong starteten aktuell ohnehin keine Flieger mehr. Dort stünden derzeit zwei Lufthansa-Langstrecken-Jets. Den betroffenen Passagieren bietet das Unternehmen kostenfrei Umbuchungen an.

Weiterlesen: Politischer Schlagabtausch zwischen USA und China nach Hongkong-Protesten

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