Rückholflüge als "Luftbrücke" : Tausende Deutsche sitzen im Ausland fest – Mallorca will Touristen loswerden

Auch Alternativflüge brachten Reisende nicht von Marrakesch heim. Der Bund will nun Flüge organisieren.
Auch Alternativflüge brachten Reisende nicht von Marrakesch heim. Der Bund will nun Flüge organisieren.

Die annullierten Flüge lassen deutsche Urlauber im Ausland stranden. Außenminister Maas sagt bis zu 40 Rückholflüge zu.

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17. März 2020, 15:40 Uhr

Kapstadt/Rabat | Die Bundesregierung hat eine beispiellose Rückholaktion für zehntausende Deutsche gestartet, die wegen der Coronakrise im Ausland gestrandet sind. Außenminister Heiko Maas sprach am Dienstag von einer "Luftbrücke". Nach Schätzungen des Auswärtigen Amts sind derzeit noch mehr als 100.000 Personen vor allem in den Hauptreisegebieten für diese Jahreszeit unterwegs, die zu einem großen Teil mit Sonderflügen zurückgeholt werden sollen. Alleine in Ägypten sind es mehr als 30.000, in der Dominikanischen Republik etwa 10.000, in Marokko 4000 bis 6000, auf Malta 5000 und auf den Philippinen und in Argentinien jeweils rund 1000.

Nicht in allen diesen Urlaubsländern ist der Flugverkehr nach Deutschland schon vollständig ausgesetzt, so dass Reisende teilweise noch mit regulären Flügen zurückkehren können.

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Für die in den nächsten Tagen geplanten Rückholflüge will die Regierung bis zu 50 Millionen Euro ausgeben. Schon jetzt steht fest, dass es die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik wird. Die erste Maschine startete am Dienstag von Frankfurt am Main in die philippinische Hauptstadt Manila. Sie soll am Freitag nach Deutschland zurückkehren. Bis Mittwoch sollen insgesamt 30 bis 40 Flugzeuge in die Urlaubsgebiete aufbrechen.

Maas sagte, wer die Rückholflüge in Anspruch nehme, müsse sich auch finanziell beteiligen. Der genaue Betrag soll aber erst später festgelegt werden. Wahrscheinlich wird der Preis etwa dem eines Economy-Tickets entsprechen. Die Flüge sollen vor allem von Lufthansa durchgeführt werden, aber auch von Condor und TUI.

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Maas sprach gleichzeitig eine Warnung für alle touristischen Reisen weltweit aus. Auch das gab es so noch nie. Reisewarnungen gibt es normalerweise nur bei Gefahr für Leib und Leben, vor allem für Bürgerkriegsländer wie Syrien, Afghanistan oder den Jemen. Sie können kostenlose Stornierungen ermöglichen.

Bisher hatte die Regierung nur von nicht notwendigen Reisen ins Ausland abgeraten, mit einer Ausnahme: Für Hubei, die chinesische Ursprungsregion des neuartigen Coronavirus, bestand bereits eine Reisewarnung. "Wir müssen verhindern, dass weitere Deutsche im Ausland stranden", begründete Maas den ungewöhnlichen Schritt. "Bitte bleiben sie zu Hause!"

In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Länder wegen der rasanten Ausbreitung des Virus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind Bundesbürger besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Tausende Deutsche warten in Marokko auf Ausreise

In Marokko sitzen nach Schätzungen von Bundesaußenminister Heiko Maas derzeit zwischen 4000 und 5000 Deutsche fest. Trotz der angekündigten Rückholaktion fühlen sich viele Reisende im Moment verunsichert. "Wir haben keinerlei Informationen oder Anweisungen bekommen", sagt David Niehus aus Parsberg in Bayern, der mit seiner Familie in Marrakesch festsitzt. "Wir sitzen es momentan einfach im Hotel aus, informieren uns minütlich über alle Kanäle."

Am Marrakesh Airport kamen Reisende am Sonntag nicht weg, da der kommerzielle Flugverkehr gestoppt wurde. Foto: AFP
Am Marrakesh Airport kamen Reisende am Sonntag nicht weg, da der kommerzielle Flugverkehr gestoppt wurde. Foto: AFP

Eigentlich hätte die Familie bereits am vergangenen Sonntag zurück nach Deutschland fliegen sollen, aber die marokkanischen Behörden untersagten zunächst ohne große Vorankündigungen Flug- und Fährverbindungen nach Europa. Am Montagabend kündigte Tourismusministerin Nadia Fettah Alaoui an, außerplanmäßige Flüge für Tausende gestrandete Touristen zulassen zu wollen.

An den Flughäfen in Marokko bildeten sich am Dienstag teils lange Schlangen von Reisenden, die Flüge umbuchen oder Tickets kaufen wollten. Zahlreiche Deutsche berichten in Chatgruppen in den sozialen Netzwerken davon, dass auch Alternativflüge immer wieder annulliert worden seien. "Wir standen eine Stunde an, um unsere Boardingkarte zu bekommen", erzählt Victoria Rittel, die noch einen Flug von Agadir nach Leipzig bekommen hat. "Draußen ist auf jeden Fall Ausnahmezustand."

Hunderte Passagiere harren auf "Aida Mira" aus

Rund 1300 Urlauber vor allem aus Deutschland und Österreich sitzen derweil im Hafen der südafrikanischen Stadt Kapstadt auf dem Kreuzfahrtschiff "Aida Mira" fest. Für sie sind nach Angaben der Reederei Rückflüge gebucht, die jetzt allerdings zu verfallen drohen. Das Schiff war am Vortag in den Hafen gelassen worden, nachdem am Wochenende laut Reederei schlechtes Wetter ein Einlaufen verhindert hatte. Im Hafen wurden sechs Passagiere von den lokalen Gesundheitsbehörden gebeten, sich "zur Abklärung eines Sachverhaltes" an Land zu begeben. Dabei war es "um die Überprüfung von möglichen früheren Kontaktfällen" gegangen. Die übrigen Passagiere dürfen nun das Schiff nicht verlassen, bis die Ergebnisse der sechs Verdachtsfälle vorliegen. Das kann zwei bis drei Tage dauern.

Deutsche Urlauber sitzen in Kapstadt auf dem Kreuzfahrtschiff 'Aida Mira' fest. Symbolfoto: dpa/Andrea Warnecke
Deutsche Urlauber sitzen in Kapstadt auf dem Kreuzfahrtschiff "Aida Mira" fest. Symbolfoto: dpa/Andrea Warnecke

Laut Reederei hatten die sechs Personen in der vergangenen Woche keinerlei Symptome gezeigt. Wie andere afrikanische Länder will auch Südafrika angesichts der Ausbreitung des Coronavirus seine Häfen künftig für Kreuzfahrtschiffe sperren. Der Kap-Staat gilt mit jährlich knapp 350.000 deutschen Urlaubern als beliebte Destination.

Balearen-Regierung: 25.000 Touristen sollen Inseln verlassen

Die Regionalregierung der Balearen ruft indes alle rund 25.000 auf Mallorca und den anderen spanischen Inseln noch verbliebenen Touristen dazu auf, schnellstmöglich in ihre Heimat zurückzukehren. Es mache keinen Sinn, dass die Menschen in den Hotels eingesperrt blieben, sagte Regionalpräsidentin Francina Armengol am Dienstag in einem Interview des Radiosenders "Cadena Ser". Man arbeite an einer "Operation Rückkehr" für alle ausländischen und spanischen Besucher der Inseln, sagte sie.

Wie andere Regionen Spaniens erwägen auch die Balearen, einige Hotels zu Krankenhäusern umzufunktionieren. Armengol appellierte außerdem erneut an die Zentralregierung, die Schließung aller Häfen und Flughäfen der Balearen anzuordnen. Mit dieser Maßnahme wäre es "viel einfacher", die Coronavirus-Epidemie zu bekämpfen, beteuerte sie. Die Behörden zählten auf den Balearen bisher bereits mehr als 70 Menschen, die sich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert haben.

Palma de Mallorca: Menschenleere Gegend um die Kathedrale Santa Maria am ersten Werktag nach dem Alarmzustand wegen des Coronavirus. Foto: dpa/Isaac Buj/Europa Press
Palma de Mallorca: Menschenleere Gegend um die Kathedrale Santa Maria am ersten Werktag nach dem Alarmzustand wegen des Coronavirus. Foto: dpa/Isaac Buj/Europa Press

Am Montag waren bereits 25 Sonderflüge von den Balearen-Flughäfen vor allem Richtung Deutschland und England gestartet. Gleichzeitig wurden aber nach Behördenangaben auch 67 reguläre Flüge storniert. Die Streichungen und Überbuchungen hätten vor allem auf dem Flughafen von Palma de Mallorca beträchtliche Sorge und Unruhe unter Touristen ausgelöst, die zurück in die Heimat wollten, berichtete die Regionalzeitung "Diario de Mallorca".

Informationen für Betroffene

Betroffene können sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amts über die weiteren Planungen informieren und sich in eine Krisenvorsorgeliste eintragen. So will das Ministerium einen Überblick darüber bekommen, wie viele Leute von wo zurückgeholt werden müssen. Maas sprach von einem "einmaligen Programm" und machte damit deutlich, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch deutlich schwieriger sein wird, nach Deutschland zurückzukehren.

Wer die Rückholflüge in Anspruch nimmt, müsse sich auch finanziell beteiligen. Der genaue Betrag soll aber erst später festgelegt werden. Wahrscheinlich wird der Preis etwa dem eines Economy-Tickets entsprechen.

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