Mehr als 20 Fake-Beiträge : Aufarbeitung bei RTL: Reporter manipulierte nach drei Mustern

Die Mediengruppe RTL Deutschland hat einen Mitarbeiter entlassen, der TV-Beiträge verfälschte.
Die Mediengruppe RTL Deutschland hat einen Mitarbeiter entlassen, der TV-Beiträge verfälschte.

In einem Zwischenergebnis meldet RTL, dass der Mitarbeiter in rund 20 Fällen der Manipulation überführt worden sei.

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25. Juli 2019, 05:38 Uhr

Köln | Im Juni hat der Privatsender RTL eine Betrugsaffäre im eigenen Haus aufgedeckt. Ein langjähriger Mitarbeiter des Regionalsenders "RTL Nord" hat in mehreren Fällen TV-Beiträge für RTL systematisch manipuliert. Der Reporter habe dabei bewusst "rote Linien des Journalismus" überschritten, hieß es damals. Er wurde entlassen.

Weiterlesen: Betrugsaffäre bei RTL: So verfälschte der Reporter Fernsehbeiträge

Nun hätten sechs Mitarbeiter alle 104 Beiträge des TV-Journalisten überprüft und mindestens 21 Manipulationsfälle festgestellt. Dabei handele es sich vornehmlich um Reportagen für das Mittagsmagazin "Punkt 12" aus mehr als zehn Jahren, teilte RTL am Mittwoch mit. Es gebe aber noch weiteres verdächtiges Material, dass noch verifiziert werden müsse.

Szenen nach drei verschiedenen Mustern manipuliert

Bei den nachgewiesenen Manipulationen seien drei wiederkehrende Muster erkennbar: Bei Selbstversuchen habe der Reporter bei der Dauer der Experimente getrickst. Er habe zudem Protagonisten dazu gebracht, Geschichten zu erzählen, die ihnen nicht widerfahren sind. Und schließlich habe er Archivbilder in Szenen geschmuggelt aber sie nicht als solche kenntlich gemacht.

"Wir sind erschrocken, dass trotz unserer umfangreichen Kontrollmechanismen ein Mitarbeiter über Jahre hinweg vorsätzlich täuschen und manipulieren konnte", sagte RTL-Chefredakteur Michael Wulf zu der Affäre und kündigte neue Abnahmeprozeduren an.

Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement unserer Abnahmeverfahren deutlich ausgebaut und werden zusätzlich Beiträge von unseren Reportern stichprobenartig kontrollieren. Michael Wulf, Chefredakteur RTL

Welche Beiträge sind fake?

RTL nannte als Beispiele für manipulierte Reportagen ein Obdachlosen-Experiment von 2009. Bei dem Selbstversuch habe der Journalist zu Hause übernachtet, nicht wie vorgegeben auf der Straße. In einem Beitrag vom Mai 2019 ("Scharf extrem") habe er behauptet, einen Monat lang scharfe Gerichte zu essen. Dreh- und Schnittpläne hätten jedoch bewiesen, dass der Zeitraum deutlich kürzer war.

In neun Fällen habe er "Alibi-Protagonisten" engagiert: So sollte eine Praktikantin 2013 ein Einbruchsopfer spielen. Für einen Beitrag von 2012 ließ er eine Bekannte in die Kamera sprechen, sie habe ihren Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren und wolle ihn jetzt in Polen erneuern. Daraus zimmerte der Reporter einen Beitrag darüber, dass man in Polen unkompliziert seinen Führerschein zurückbekommen kann.

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