Jahrelanger Kindesmissbrauch : Lügde-Prozess gestartet: Beide Hauptangeklagten geständig

Die Angeklagten Mario S. (l.) und Andreas V. sitzen im Saal des Landgerichtes in Detmold.
Die Angeklagten Mario S. (l.) und Andreas V. sitzen im Saal des Landgerichtes in Detmold.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist der Prozess zum hundertfachen Missbrauch von Kindern gestartet.

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27. Juni 2019, 12:14 Uhr

Detmold | Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen auf einem Campinggplatz in nordrhein-westfälischen Lügde haben die beiden Hauptangeklagten am ersten Verhandlungstag Geständnisse abgelegt. Andreas V. (56) und Mario S. (34) räumten die angeklagten Taten am Donnerstag vor dem Detmolder Landgericht weitestgehend ein.

Richterin: Taten "abscheulich"

Zwei der drei Angeklagten bedeckten ihr Gesicht mit Aktenordnern, als sie den Verhandlungssaal betraten. Die angeklagten Taten seien "zweifelsohne abscheulich", sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda. Erschreckend sei die hohe Zahl der potenziellen Opfer sowie der lange Zeitraum der mutmaßlichen Taten von mehr als 20 Jahren.

"Die Anschuldigungen lassen niemanden unberührt", sagte die Richterin weiter. Es gelte aber die Unschuldsvermutung, das Gericht werde unvoreingenommen und unparteiisch arbeiten.

Richterin Anke Grudda. Foto: dpa/Bernd Thissen
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Richterin Anke Grudda. Foto: dpa/Bernd Thissen

Kein Publikum zugelassen

Schon kurz nach dem Start schloss die Richterin die Öffentlichkeit von der Verlesung der Anklageschriften vorübergehend aus. Alle 18 Anwälte, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten, hatte dies beantragt. Grudda betonte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklagen genannt. Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen. Auch alle Medienvertreter mussten den Saal verlassen. Der Ausschuss gelte nur für die Anklageverlesung, danach müsse "für jeden Prozessabschnitt neu beraten" werden.

Andreas V. werden 298 Straftaten vorgeworfen

Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden. Angeklagt seien nun die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer, sagte eine Gerichtssprecherin. Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft dem heute 56-jährigen Dauercamper Andreas V. 298 Straftaten vor. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen sexuelle Gewalt angetan haben. Die Taten soll er in seiner heruntergekommenen Unterkunft auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Ein Beamter des Landeskriminalamtes untersucht einen Campingwagen auf einer Parzelle in Lügde. Foto: dpa/Christian Mathiesen
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Ein Beamter des Landeskriminalamtes untersucht einen Campingwagen auf einer Parzelle in Lügde. Foto: dpa/Christian Mathiesen

Missbrauch über Zeitraum von 20 Jahren

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben, ebenfalls manche schwer. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Dem Vorwurf zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige der Kinder wurden Opfer sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen vier Jahre alt gewesen sein. Beide Angeklagte sollen auch vergewaltigt haben. Andreas V. und Mario S. drohen bis zu 15 Jahre Haft. Opferanwälte hatten im Vorfeld in Medienberichten Sicherungsverwahrung gefordert.

Der dritte Angeklagte, Heiko V., soll an mindestens vier Webcam-Übertragungen teilgenommen und zu manchen Taten angestiftet haben. Sein Verteidiger Jann Popkes sagte vor Prozessbeginn, er strebe an, dass das Verfahren gegen seinen Mandanten abgetrennt werde. Alle drei Männer sind Deutsche und sitzen in Untersuchungshaft. Neun weitere Verhandlungstermine bis Ende August sind festgesetzt.

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