Kein Glockengeläut in Löwenhagen : Wenn ein Waschbär die Kirchenglocken abstellt

Gelegentlich läuten die Glocken der Dorfkirche im Landkreis Göttingen nicht. Ein Waschbär soll dafür verantwortlich sein.
Gelegentlich läuten die Glocken der Dorfkirche im Landkreis Göttingen nicht. Ein Waschbär soll dafür verantwortlich sein.

Waschbären fressen, was ihnen zwischen die Zähne gerät. Sie können aber auch den Schalter umlegen.

von
17. April 2020, 08:25 Uhr

Löwenhagen | In Löwenhagen, einem kleinen Ort unweit der Weser im westlichen Teil des Landkreises Göttingen, läuten dank einer Zeitschaltuhr normalerweise dreimal pro Werktag die Glocken der evangelischen Kirche: morgens, mittags und abends. Zuletzt blieb das Geläut allerdings wiederholt still.

Spuren am Hebel

Der Grund dafür blieb zunächst unklar. Denn die Anlage ist relativ neu. "Zudem wird sie regelmäßig gewartet", sagt Roswitha Kamm vom örtlichen Kirchenvorstand. Bei Inspektionen des Turmes sei allerdings aufgefallen, dass der Hebel, mit dem der Strom für die Anlage ein- und ausgeschaltet werden kann, umgelegt war, berichtet Kamms Ehemann Uwe. Er hat im Auftrag des Kirchenvorstands die steilen Stiegen des Glockenturms erklommen und die Lage begutachtet. Rätselhaft, denn der Zugang zum Turm ist stets verschlossen. Den Schlüssel verwahrt der Kirchenvorstand.

Außenaufnahme der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm und einem alten Friedhof vor dem Eingang.
Swen Pförtner/dpa
Außenaufnahme der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm und einem alten Friedhof vor dem Eingang.


"Mittlerweile ist das Rätsel allerdings gelöst", sagt Roswitha Kamm. Ein Waschbär habe den Strom abgestellt. Die "Hessische Niedersächsische Allgemeine" berichtet, dass an dem Hebel entsprechende Bissspuren entdeckt wurden.

Waschbär fotografiert

Dass im Kirchturm tatsächlich ein Waschbär haust, sei bewiesen, sagt Uwe Kamm. „Wir haben Waschbär-Kot gefunden", sagt er. Zudem gelang ein fotografische Beweis. Kamm habe für die Ortschronik Fotos der Glocken schießen wollen, berichtet der Löwenhagener Einwohner Matthias Freter. Dabei sei ihm das Tier vor einiger Zeit im Glockenturm vor die Linse gelaufen.

Das Ehepaar Uwe Kamm (SPD), stellvertretender Bürgermeister, und Roswitha Kamm, Kirchenvorsteherin, stehen vor der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm.
Swen Pförtner/dpa
Das Ehepaar Uwe Kamm (SPD), stellvertretender Bürgermeister, und Roswitha Kamm, Kirchenvorsteherin, stehen vor der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm.


"Wie der Waschbär in den Turm kommt, ist allerdings das große Geheimnis", sagt Uwe Kamm. "Wir haben das ganze Dach von innen abgesucht. Es ist uns aber nach wie vor nicht klar, wie das Tier auf den Boden gelangen kann."

Da der Waschbär aber – mit Ausnahme des Strom-Abstellens – keinen nennenswerten Schaden angerichtet habe, solle das Tier nicht vom Dachboden vertrieben werden. Die Glocken werde es künftig allerdings nicht mehr auf Stumm schalten können, sagt Kamm. "Ich baue einen Drahtverhau um den Hebel, so dass es nicht mehr dran kommt." In Löwenhagen können die Glocken dann künftig wieder wie gewohnt morgens, mittags und abends läuten.

15.000 Waschbären in Niedersachsen erlegt

So viel Nachsicht wie in Löwenhagen finden Waschbären im übrigen nicht überall in Niedersachsen. Im den vergangenen Jahren wurden landesweit jeweils mehr als 15.000 Exemplare erlegt. Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere waren im vergangenen Jahrhundert zur Pelzzucht nach Deutschland gebracht und erstmals im Jahr 1934 am nordhessischen Edersee ausgewildert worden.

Seither verbreitet sich der Waschbär immer weiter. Auch die hohen Abschusszahlen konnten daran nichts ändern. Experten gehen davon aus, dass auf jedes erlegte Exemplar eine Vielzahl lebender Waschbären kommen. Die Allesfresser haben nach Ansicht von Experten einen erheblichen Einfluss auf die Bestände gefährdeter Arten wie Moorfrosch, Ringelnatter, Gelbbauchunke oder die Europäische Sumpfschildkröte. Waschbären plündern aber auch die Nester von Greifvögeln. Zudem erbeuten sie Singvögel und Niederwild.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen