Verletzte und große Schäden : Zagreb erlebt schwerstes Erdbeben seit mehr als hundert Jahren

Kroatiens Premierminister Andrej Plenkovic (Mitte) und Gesundheitsminister Vili Beros besichtigen die Schäden.
Kroatiens Premierminister Andrej Plenkovic (Mitte) und Gesundheitsminister Vili Beros besichtigen die Schäden.

Das Erdbeben war das schwerste seit 140 Jahren. Die Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, verlor eine Kirchturmspitze.

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22. März 2020, 10:44 Uhr

Zagreb | Zwei Erdbeben haben in der kroatischen Hauptstadt Zagreb Dutzende Menschen verletzt und schwere Schäden angerichtet. Die mittelstarken Erdstöße erfolgten in einer Abfolge von etwas mehr als einer halben Stunde. Auch die Kathedrale im Zentrum, das Wahrzeichen der Stadt, wurde beschädigt eine der beiden Turmspitzen fiel aus mehr als 100 Meter Höhe zu Boden.

An der berühmten Kathedrale brach eine Spitze ab. Foto: AFP/Denis LOVROVIC
An der berühmten Kathedrale brach eine Spitze ab. Foto: AFP/Denis LOVROVIC


Fassadenteile stürzen auf Straße

Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärke des ersten Bebens um 6.24 Uhr am Sonntagmorgen mit 5,4, die des zweiten Bebens um 7.01 Uhr mit 5,0 an. Die Zentren der beiden Beben lagen sieben beziehungsweise zehn Kilometer nördlich von Zagreb. Es war das schwerste Beben, welches das EU-Land Kroatien seit 140 Jahren heimsuchte. Viele Menschen rannten in Panik auf die Straße, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Foto: dpa/Filip Horvat
picture alliance/dpa
Foto: dpa/Filip Horvat


Ziegel fielen von Dächern, Fassaden bekamen Risse, Mauern stürzten ein und Trümmer beschädigten parkende Autos. Aus zwei Krankenhäusern mussten Patienten in Sicherheit gebracht werden, weil Gebäudeteile schwer beschädigt wurden.

"Keine Gruppen bilden"

Das Innenministerium rief die Bürger dazu auf, nicht auf den Sicherheitsabstand zu vergessen, der angesichts der Coronavirus-Pandemie geboten ist. "Halten Sie Distanz. Stellen Sie sich nicht zusammen. Wir sind mit zwei schweren Krisen konfrontiert, dem Erdbeben und der Epidemie", erklärte Innenminister Davor Bozinovic. "Alle engagieren sich, die Kathedrale wird bereits gereinigt", erklärte Ministerpräsident Andrej Plenkovic nach einem Rundgang durch die Innenstadt.


Das Erdbeben hat schwere Schäden angerichtet. Foto: imago images/Bruno Fantulin/PIXSELL
Das Erdbeben hat schwere Schäden angerichtet. Foto: imago images/Bruno Fantulin/PIXSELL


EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach den Kroaten nach dem Erdbeben Mut zu. "Bleibt stark! Die EU steht an Eurer Seite!", twitterte sie nach einem Telefonat mit Plenkovic. Dessen Land hat im ersten Halbjahr 2020 zudem den EU-Ratsvorsitz inne.

Die Balkan-Region ist stark erdbebengefährdet, weil sich dort die afrikanische Platte unter die eurasische schiebt.

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