Trotz Klima-Diskussionen : Frankfurter Schule gönnt sich Abi-Kreuzfahrt – und erntet viel Kritik

Kreuzfahrten stehen aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes scharf in der Kritik.
Kreuzfahrten stehen aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes scharf in der Kritik.

Mit der AIDA soll es von Kiel über Oslo nach Kopenhagen gehen.

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17. September 2019, 16:58 Uhr

Frankfurt/Main | In der Debatte über den Klimaschutz hat die Abschlussfahrt von Schülern eines Frankfurter Gymnasiums mit einem Kreuzfahrtschiff für Diskussionen gesorgt. 33 Schüler der Carl-Schurz-Schule wollen ihre Studienfahrt auf einer fünftägigen Kreuzfahrt von Kiel über Oslo nach Kopenhagen verbringen.

Zunächst hatte der Hessische Rundfunk zunächst berichtet. Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken reagierte mit Unverständnis. Er bezeichnete die Debatte am Dienstag als "symbolische Attacke" und "emotionale Reaktion" auf ein aufgeladenes Thema.

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Diskussion mit falschen Daten angeheizt?

Studienfahrt-Leiter Michael Winn erklärte, die Schüler und Lehrer fühlten sich "instrumentalisiert". Winn, der die Schüler zusammen mit drei weiteren Lehrern begleiten will und selbst beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv ist, sagte: "Natürlich ist eine Kreuzfahrt problematisch." Die Diskussion werde aber unter anderem mit Daten geführt, die "völlig falsch" seien.

Klaus Vajen, Professor für Elektrotechnik an der Universität Kassel, hatte den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid der Kreuzfahrt pro Kopf mit 1250 Kilogramm berechnet. Als Datengrundlage nannte er Publikationen der Klimaschutzorganisation Atmosfair. Zum Vergleich: Ein Deutscher verursacht im Durchschnitt laut Vajen etwa 11 Tonnen CO2 im Jahr. Um Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad-Ziel zu begrenzen, dürften es nur 1,6 Tonnen sein. Winn widersprach der Darstellung Vajens: Er komme bei eigenen Berechnungen auf rund 600 Kilogramm.

Nicht alle begeistert von der Fahrt

Gegenüber dem Hessischen Rundfunk ist auch eine Schülerin namens Naomi alles andere als angetan von der Idee: "Es gibt tausend Alternativen, die man hätte machen können, aber die wurden überhaupt nicht bedacht", sagt sie. Laut ihr sei nur eine Fahrt nach Würzburg als Alternative vorgeschlagen worden sein. Auch einige Eltern sollen von den Plänen der Schule wenig halten.

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