Katholische Kirche : Mehr Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer – Heftige Kritik von Initiative

Seit 2011 haben Missbrauchsopfer von der Katholischen Kirche lediglich einen Pauschalbetrag von 5000 Euro bekommen.
Seit 2011 haben Missbrauchsopfer von der Katholischen Kirche lediglich einen Pauschalbetrag von 5000 Euro bekommen.

Die Opfer-Initiative "Eckiger Tisch" befürchtet erbärmlich geringe Schmerzensgelder.

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05. März 2020, 18:42 Uhr

Mainz | Opfer von sexuellem Missbrauch durch katholische Geistliche können künftig mit deutlich höheren Schmerzensgeldzahlungen als bisher rechnen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat in Mainz einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst, den ihr Missbrauchsbeauftragter, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, am Donnerstag vorstellte. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung äußerte sich grundsätzlich positiv. Die Opfer-Initiative "Eckiger Tisch" zeigte sich entsetzt.

Laut Modell orientiert sich die Kirche künftig an der geltenden zivilrechtlichen Schmerzensgeld-Tabelle und entsprechenden Gerichtsurteilen. Dies bedeutet derzeit Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall. Dabei werde die Kirche stets die Summen "am oberen Ende des Ermessensspielraums" zahlen, betonte Ackermann.

Kommission soll Schwere jedes Falls einschätzen

Das Verfahren zur Beantragung und Auszahlung soll laut Bischof möglichst unbürokratisch gestaltet werden. Eine unabhängige Kommission aus Juristen, Psychologen und Medizinern soll die Schwere jedes Falls einschätzen. Das Geld wird von den betroffenen Bistümern und Ordensgemeinschaften gemäß ihren Fallzahlen und ihrer Finanzkraft auf ein zentrales Konto eingezahlt, von wo aus auch die Auszahlung erfolgt. Jedes Bistum kann selbst entscheiden, ob es auf Kirchensteuermittel oder auf andere Quellen zurückgreift.

Kirche reagiert auf Kritik an Pauschalbetrag

Mit dem neuen Verfahren reagiert die Kirche auf die Kritik an der bisherigen Regelung. Seit 2011 hatte es in der Regel lediglich einen Pauschalbetrag von 5.000 Euro "in Anerkennung des erlittenen Leids" gegeben. Die Opferorganisation "Eckiger Tisch" hatte sich für ein Entschädigungsmodell ausgesprochen, bei dem pro Fall bis zu 400.000 Euro gezahlt werden sollte. Kritiker warnten, dass Entschädigungszahlungen in dieser Höhe ein exklusives Sonderrecht schaffen würden. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), er sei erleichtert, dass die Bischöfe endlich einen konkreten Vorschlag gemacht hätten. Das Modell gehe in die richtige Richtung, "wird für viele Betroffene aber enttäuschend sein."

Schmerzensgelder häufig erbärmlich gering

Rörig betonte, es komme jetzt auf die Umsetzung an, etwa wer entscheide. "Dass dies durch ein unabhängiges Gremium auf der Grundlage einer Plausibilitätsprüfung erfolgen soll, ist positiv", so Rörig. "Ich kann nur hoffen, dass sich hier eine großzügige Spruchpraxis entwickelt, die das individuelle Leid der Betroffenen angemessen abbildet und es wirklich keine Deckelung nach oben gibt", fügte der Missbrauchsbeauftragte hinzu.

Der "Eckige Tisch" übte heftige Kritik. Das neue Modell sei mutlos und bedeute ein Versagen der Bischöfe, hieß es. "Die Schmerzensgelder, die in Deutschland gerichtlich durchgesetzt werden können, sind oft erbärmlich gering." Auf dieses Minimum des gerichtlich Durchsetzbaren wolle sich die Kirche beschränken. Die Initiative forderte die Katholiken indirekt auf, aus der Kirche auszutreten und keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen.

Kritik kam auch von "Wir sind Kirche". Solange die Bischöfe nicht zu angemessenen Entschädigungen bereit seien, bleibe die Kirche gelähmt.

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